Quarantäne über Gemeinde Kuchl ausgelaufen

Nach zwei Wochen ist am Montag um 0.00 Uhr die Quarantäne über die Tennengauer Gemeinde Kuchl ausgelaufen, die wegen der hohen Zahl an Covid-19-Infizierten Mitte Oktober erlassen worden war. „Endlich kann wieder jeder ein- und ausfahren, und alle Arbeitnehmer können ihren Arbeitsplatz wieder erreichen“, fasste Bürgermeister Thomas Freylinger die positive Stimmung im Ort gegenüber die APA zusammen.

„Das Alleinstellungsmerkmal in Österreich ist weggefallen, diese Punzierung eines Ortes, obwohl es eigentlich überall das gleiche ist. Vor allem für die rund 320 Betriebe in unserer Gemeinde war es schon eine massive Einschränkung“, sagte Freylinger. Denn den Unternehmen fehlten die vielen Einpendler, andererseits gebe es auch viele Auspendler, also hätten auch außerhalb Kuchls viele Arbeitnehmer gefehlt. Fast 1.500 Beschäftigte kommen von auswärts zum Arbeiten in den Ort, etwa 2.500 Einwohner der 7.400-Einwohner-Gemeinde haben ihren Job außerhalb des Ortes.

„Wahnsinnig leid tut es mir um die Gastronomie, weil die kommt nach 16 Tagen Stillstand mit einem Tag Unterbrechung (heute, Montag, Anm.) direkt in den nächsten Lockdown.“ Zwölf Gastrobetriebe gibt es in Kuchl, nach Angaben des Bürgermeisters würden die meisten heute gar nicht aufsperren. „Aber viele werden auf Lieferservice umstellen.“

Das Land Salzburg hatte Mitte Oktober die „Notbremse“ gezogen, nachdem sich der Tennengau zum Bezirk mit den höchsten Infektionszahlen in ganz Österreich entwickelt hatte. Kuchl stach mit damals 87 Infizierten besonders heraus, weshalb mit Wirksamkeit ab 17. Oktober die Ein- und Ausreise untersagt wurde. Ausnahmen gab es nur mehr für die Versorgung mit Lebensmitteln oder Heizmaterial, für Einsatzfahrzeuge und für Pendler, die in systemrelevanten Berufen arbeiten. Gastronomie und Hotellerie mussten zusperren. Handels- und Dienstleistungsgeschäfte blieben für die Gemeindebürger aber offen. Zudem galten Ausgangsbeschränkungen wie beim Lockdown im Frühjahr - mit den bekannten Ausnahmen Bewegung im Freien, Nachbarschaftshilfe und Einkäufe.

Die Zuspitzung der Situation in Kuchl und im Tennengau dürfte zum Teil auch auf eine gewisse Ignoranz einzelner Bürger gegenüber den bisherigen Maßnahmen zurückzuführen gewesen sein. „Wir haben in Kuchl keine Cluster mehr feststellen können“, sagte damals Landessanitätsdirektoren Petra Juhasz. „Es gab beim Angeben möglicher Kontaktpersonen von Infizierten keine Kooperation mehr. Viele haben Symptome, lassen sich aber nicht testen, um nicht in Quarantäne zu müssen.“ In sozialen Medien sei damals sogar dazu aufgerufen worden, unkooperativ zu sein und sich nicht an die Maßnahmen zu halten.

Die Zahl der Infizierten stieg wenige Tage nach Inkrafttreten der Quarantäne noch auf bis zu 131, sank aber danach auf 80 Ende Oktober. Daher entschied das Land, die mit 1. November, 24.00 Uhr, befristete Isolierung auslaufen zu lassen.


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