Wegen Geldnot: Parkstrafen aus dem System gelöscht

Manipulationen im Magistrat und am Tennisplatz beschäftigten das Landesgericht Innsbruck am Montag.

Eine Ex-Mitarbeiterin des Innsbrucker Magistrats gestand Amtsmissbrauch in 13 Fällen. Als Motiv nannte die 28-Jährige Geldnot. (Symbolfoto)
© Böhm Thomas

Innsbruck – Parkstrafen – für viele Autobesitzer ein Ärgernis, für eine (Ex-)Magistratsmitarbeiterin eine Versuchung. Anstatt die Erlagscheine für die eigenen Parksünden einzuzahlen, setzte sich 28-Jährige an den Dienstcomputer und überlistete das System. Mit bösen Folgen: Die Manipulation flog auf, die Frau verlor ihren Job als Vertragsbedienstete des Innsbrucker Stadtmagistrats. Und musste sich am Montag auch noch wegen Missbrauchs der Amtsgewalt am Landesgericht verantworten.

Die Verhandlung war schnell vorbei, die Angeklagte versuchte erst gar nicht, ihre Verantwortung zu bestreiten oder auch nur kleinzureden. „Ich bekenne mich in allen 13 Fällen schuldig“, erklärte die 28-Jährige. Als Motiv nannte die Tirolerin Geldnot: „Ich hab damals ziemlich viel Geld gebraucht.“ So kam es, dass die Magistratsmitarbeiterin die Erlagscheine hinter dem Scheibenwischer ihres Autos nicht einzahlte, sondern manipulierte. Entweder verlängerte sie die Einzahlungsfristen oder veränderte das Kennzeichen. „Wenn bei der Abfrage des Fahrzeugbesitzers kein Ergebnis kommt, wird die Parkstrafe vom System automatisch gelöscht“, erläuterte die Angeklagte die Vorgangsweise.

Das Urteil des Schöffengerichts fiel eher mild aus: 1920 Euro Geldstrafe, die Hälfte davon bedingt (rechtskräftig).

Wettmanipulation beim Tennis

Um Manipulationen ging’s auch bei einem weiteren Verfahren am Innsbrucker Landesgericht. Diesmal war der Tatort jedoch nicht die Amtsstube, sondern der Tennisplatz. Konkret warf die Staatsanwältin einem Tennis-Schiedsrichter vor, bei Turnieren in Innsbruck und Telfs falsche Spielstände an zwei Wettanbieter übermittelt zu haben. Der Zweck der Übung: Komplizen des 30-Jährigen gewannen Wetten, die sie eigentlich verloren hatten. Konkret ging’s darum, welcher Spieler den nächsten Punkt macht: „Damit die Wetten gewonnen werden, hab ich wenn nötig ein falsches Ergebnis gemeldet und dann gleich wieder korrigiert“, gestand der Angeklagte: „Auf das Spielergebnis hatte das keinen Einfluss.“ Den Schaden von 18.000 Euro hat der spielsüchtige Tiroler bereits gutgemacht.

Der Richter stimmte einer Diversion zu, die Staatsanwältin kündigte Rechtsmittel an. „Das Oberlandesgericht entscheidet. Ob die Diversion durchgeht, ist nicht sicher“, erklärte der Richter. (tom)


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