Corona-Beschränkungen in Deutschland in Kraft

In ganz Deutschland hat ein vierwöchiger Teil-Lockdown begonnen, der die zweite Corona-Welle brechen soll. Seit Mitternacht sind in allen Bundesländern Hotels und Restaurants, Kinos, Museen und Theater sowie andere Freizeiteinrichtungen weitestgehend geschlossen. In den meisten Bundesländern dürfen nur noch zwei Haushalte zusammenkommen - teils gilt das sogar für Treffen im privaten Raum. Kindertagesstätten, Schulen und Geschäfte bleiben geöffnet.

Kanzleramtschef Helge Braun bekräftigte den Willen der Regierung, die Einschränkungen im Dezember wieder zu locker. „Unser erklärtes Ziel ist, dass wir Ende November die Maßnahmen in dieser Strenge beenden wollen“, sagte er am Montag.

Am Montagnachmittag wollte Kanzlerin Angela Merkel die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie erneut erläutern. Zuletzt hatte sie dies am Donnerstag vergangener Woche in einer Regierungserklärung im Bundestag getan. Das weitgehende Herunterfahren der Kontakte soll verhindern, dass Gesundheitsämter und das Gesundheitssystem überlastet werden, insbesondere die Intensivstationen. Wie groß die Risiken sind, zeigen aktuelle Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI), der Bundesbehörde für Infektionskrankheiten.

Die Zahl erfasster Corona-Infektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen liegt in Deutschland inzwischen bei 120,1. Am Freitag hatte diese sogenannte 7-Tage-Inzidenz erstmals über 100 gelegen (104,9), vor vier Wochen, am 5. Oktober hingegen bei gerade mal 16,8.

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Die Gesundheitsämter meldeten laut RKI Montagfrüh 12.097 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages. Erfahrungsgemäß sind die Fallzahlen an Montagen niedriger, auch weil an Wochenenden weniger getestet wird. Am Montag vor einer Woche hatte die Zahl der Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden bei 8.685 gelegen. Die Zahl der intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Fälle hat sich in den vergangenen zwei Wochen von 769 Patienten auf 2061 Patienten fast verdreifacht, wie es im RKI-Lagebericht vom Sonntagabend heißt.

Regierung und Bundesländer hatten sich am vergangenen Mittwoch angesichts der schnell steigenden Infektionszahlen auf die drastischen Schritte verständigt. Sie sollen zunächst bis Ende November dauern, nach zwei Wochen wollen sie gemeinsam eine Bestandsaufnahme machen und gegebenenfalls nachjustieren. Die Länder setzen die Einschränkungen per Verordnung um, daher gibt es regional Unterschiede.

Auch in Belgien sind am Montag neue Maßnahmen in Kraft getreten. Alle Geschäfte, die nicht unbedingt notwendige Waren verkaufen, müssen geschlossen bleiben. Lediglich die Abholung und Hauslieferung vorbestellter Waren ist noch möglich. Um faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten, dürfen auch in Supermärkten nur noch Waren des täglichen Bedarf angeboten werden.

Belgien zählt zu den am schwersten von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern Europas. Die Behörden des Elf-Millionen-Einwohner-Landes meldeten zuletzt im Sieben-Tages-Schnitt knapp 15.600 registrierte Fälle pro Tag. Pro 100.000 Einwohner wurden nach EU-Vergleichszahlen in den vergangenen 14 Tagen rund 1.700 Infektionen gemeldet.

Der italienische Regierungschef Giuseppe Conte kündigte unterdessen am Montag vor der Abgeordnetenkammer weitere restriktive Maßnahmen an. So will die Regierung Lockdowns in Corona-Hotspots beschließen. Damit soll dem Land ein Stillstand auf gesamtstaatlicher Ebene erspart werden. Es sei unvernünftig, Einschränkungen in Regionen zu erlassen, die von der Epidemie weniger belastet sind, erklärte der Premier.

Der Regierungschef kündigte die Schließung der Einkaufszentren am Wochenende an. Von der Maßnahme ausgeschlossen seien Lebensmittelgeschäfte, Trafiken, Zeitungskioske und Apotheken, die sich dort befinden. Museen und Ausstellungen werden geschlossen. Videospiele in Bars und Lokalen sind verboten. Hinzu ist eine Reduzierung der Plätze in den öffentlichen Verkehrsmitteln um 50 Prozent vorgesehen. Einschränkungen bei der Reisefreiheit zwischen Regionen mit hohen Infektionszahlen seien möglich. Außerdem soll die Ausgangssperre abends ausgedehnt werden, erklärte Conte, ohne genaue zeitliche Angaben zu machen. Fernunterricht soll ausgebaut werden.

Laut Conte ist der Druck auf die Intensivstationen der Krankenhäuser nicht besorgniserregend, die Zahl der Covid-Patienten in anderen Abteilungen der Spitäler sei jedoch stark wachsend. Nur fünf Prozent der positiv getesteten Personen würden mit Symptomen im Krankenhaus behandelt. 1.939 Personen befinden sich zurzeit auf den Intensivstationen. Man sei in der Lage, die Zahl der Plätze für Covid-Patienten in den Krankenhäusern zu erhöhen.

Zehn Millionen Schnelltests wurden von der Regierung erworben, die auch von Hausärzten verwendet werden können. Bis zu 100.000 Schnelltests pro Tag sollen unter anderem in Schulen durchgeführt werden, erklärte Conte.


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