Täter Laut Kurz „sehr professionell vorbereitet“

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat in einem Interview mit der „ZiB Spezial“ bestätigt, dass es sich bei der Attacke in der Wiener Innenstadt heute Abend „definitiv um einen Terroranschlag“ gehandelt habe. Dieser sei „sehr professionell“ vorbereitet worden. Die Täter seien auch sehr gut mit Waffen ausgerüstet gewesen. Es herrsche insbesondere in Wien eine „sehr angespannte Sicherheitslage“, betonte der Kanzler. Mehrere Täter seien nach wie vor unterwegs.

Der Polizeieinsatz laufe noch auf Hochtouren. Ob die Menschen morgen wieder normal auf die Straße gehen könnten, hänge von der kommenden Nacht ab. Die Gefahr sei noch nicht vollständig gebannt. Zum Hintergrund der Bluttat könne man noch nicht wirklich etwas sagen. Angesichts der Nähe des Tatorts zur Hauptsynagoge in Wien sei ein antisemitischer Hintergrund nicht auszuschließen. Die Zahl der Verwundeten gab der Kanzler mit 15 an.

Zuvor hatte Kurz einem kurzen TV-Statement den Einsatzkräften gedankt und den Angehörigen der Opfer versichert, dass man in Gedanken bei ihnen sei. Bei internationalen Partnern bedankte sich der Regierungschef für die angebotene Unterstützung. Wie davor Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) betonte Kurz, dass nach wie vor mehrere Täter auf der Flucht seien. Den Anschlag nannte er „widerwärtig“.

„Wir erleben gerade schwere Stunden in unserer Republik. Ich möchte allen Einsatzkräften danken, die insbesondere heute für unsere Sicherheit ihr Leben riskieren. Das ganze Land ist in Gedanken bei den Opfern, Verletzten und ihren Angehörigen, denen ich meiachnen tiefes Mitgefühl ausdrücke“, so Kurz. Er bedankte sich auch bei der Spitze der Europäischen Union und den internationalen Partnern für ihr Mitgefühl und die Bekundungen ihrer Solidarität.

Vizekanzler und Grünen-Chef Werner Kogler sprach nach von „schockierendem Terror“. „Wir alle teilen die Sorge und Trauer um Opfer und Verletzte“, schrieb Kogler auf Twitter. Die Gefahr sei noch nicht gebannt. „Bitte bleiben Sie zu Hause und folgen Sie den Anweisungen der Einsatzkräfte“, so Kogler. Der Vizekanzler dankte allen Einsatzkräften, die ihr Leben zum Schutz aller Menschen einsetzen, die in Wien leben.

Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) zeigte sich auf Twitter entsetzt: „Zutiefst bestürzt haben wir die Informationen über die Schießerei in der inneren Stadt erhalten. Die Bilder sind schockierend und machen uns fassungslos.“ Auch er appellierte an die Wienerinnen und Wiener, zuhause zu bleiben. Ludwig selbst ist inzwischen beim Krisenstab der Polizei eingetroffen, wie ein Sprecher betonte.

Ludwig berichtete zudem, dass der getötete Attentäter möglicherweise einen Sprengstoffgürtel getragen haben könnte. Daher werde er durch den Entminungsdienst überprüft. Über die Identität oder die Motive der Täter wisse man bis dato nichts. Man verspreche sich aber Erkenntnisse sobald der Tote überprüft werden könne.

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) zeigte sich ebenfalls „zutiefst betroffen“. Terrorismus sei ein Anschlag auf unsere Freiheit und unsere Demokratie - und habe zum Ziel, Menschen in Furcht und Unruhe zu versetzen und letztlich die Gesellschaft zu spalten. Das werde jedoch nicht gelingen, wenn „wir zusammenstehen und der Gewalt nicht weichen“, so Sobotka.

Der Bezirksvorsteher der Inneren Stadt, Markus Figl (ÖVP), zeigte sich erschüttert: „Ich verurteile die Anschläge rund um die Synagoge in der Seitenstettengasse und den anderen Orten in der Inneren Stadt auf das Heftigste“, betonte er.

SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner äußerte sich am Abend ebenfalls „tief erschüttert, fassungslos und entsetzt“. Auf Twitter sprach sie von einem „abscheulichen Terroranschlag“.

Auch FPÖ-Obmann Norbert Hofer zeigte sich „entsetzt“, er sprach auf Twitter von einem „schrecklichen Terroranschlag“. Sein Mitgefühl gelte „allen Opfern der feigen Terroristen“.

NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger zeigte sich ebenfalls „geschockt“ über den offensichtlichen Terrorakt in Wien. „Klar ist, dass unsere offene Gesellschaftsordnung stark ist, stark bleiben wird und wehrhaft solchen Angriffen gegenüber steht“, schrieb Meinl-Reisinger auf Twitter.

SPÖ und FPÖ wollen auf die Abhaltung der - von ihnen verlangten - Sondersitzung des Nationalrates am Dienstag verzichten. Die beiden Oppositionsparteien haben Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) gebeten, die Sitzung (bei der es um die „Hacklerregelung“ gehen sollte) zu verschieben, erfuhr die APA von der SPÖ.

Kardinal Christoph Schönborn rief zum Gebet für die Opfer des Anschlags in der Wiener Innenstadt und für die Einsatzkräfte auf. „In diesen dramatischen Stunden bete ich mit vielen anderen, die über die Medien die tragischen Ereignisse im Herzen unserer Stadt mitverfolgen, für die Opfer, die Einsatzkräfte und dass es zu keinem weiteren Blutvergießen kommt“, sagte der Wiener Erzbischof laut Kathpress.

Schönborn zeigte sich „tief betroffen“ von den Ereignissen und sagte: „Dass jetzt wieder Schüsse unmittelbar vor dem Stadttempel der Israelitischen Glaubensgemeinschaft gefallen sind, erinnert mich an das blutige Attentat auf die Synagoge im Jahr 1981. Was auch immer die Hintergründe für den Anschlag heute sein mögen, klar muss sein, dass blinde Gewalt durch nichts zu rechtfertigen ist.“

Damit sich die Polizei ganz auf die Terrorismusbekämpfung konzentrieren kann, habe die Bundesregierung entschieden, dass das Bundesheer den bisher durch die Polizei durchgeführten Objektschutz in Wien ab sofort übernehmen wird, so Kurz in seiner ersten Stellungnahme.


Kommentieren


Schlagworte