Blutiger Terroranschlag in der Wiener Innenstadt

Bei einem Terroranschlag in der Wiener Innenstadt sind am Montagabend zwei Passanten gestorben. 15 Menschen wurden verletzt, mehr als zehn zum Teil schwer. Der Anschlag nahm gegen 20.00 Uhr in der Seitenstettengasse, nahe einer Synagoge, seinen Ausgang, insgesamt gab es sechs Tatorte. Die Polizei erschoss einen der Attentäter. Laut Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) war mindestens ein Täter noch auf der Flucht. Die Schulpflicht am Dienstag wird ausgesetzt.

Die Zahl der Täter war zunächst unklar, der Polizeieinsatz laufe auf Hochtouren. Der erschossene Täter dürfte laut Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) keinen Sprengstoffgürtel, sondern eine Attrappe getragen haben. Dies wird derzeit noch näher untersucht. Er war mit einer Langwaffe, aber auch mit einer Pistole und einer Machete ausgestattet - war also „sehr umfassend vorbereitet“, wie Ludwig erklärte. Die Polizei überprüft derzeit noch die Identität des Attentäters.

Ein Mann wurde bei dem Anschlag erschossen. Eine verletzte Frau starb im Spital. Das gab Ludwig in einer Sonder-ZiB bekannt.

Ob die Menschen am Dienstag wieder normal auf die Straße gehen könnten, hänge von der kommenden Nacht ab. Die Gefahr sei noch nicht vollständig gebannt. Kinder sind am Dienstag für die Schule entschuldigt. Wenn Eltern die Kinder nicht betreuen können, können sie sie in die Bildungseinrichtung bringen.

TT-ePaper testen und eine von drei Gasser Tourenrodeln gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die TT verlost drei Gasser Tourenrodeln und 50 Thermosflaschen

„Wer einen von uns angreift, greift uns alle an“, sagte der Innenminister. Zu den Hintergründen der Täter konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen.

Es gebe in Wien keine regionale Eingrenzung der Gefahr. Der Minister bestätigte, dass das Feuer in der Seitenstettengasse eröffnet und dort ein Polizist schwer verletzt wurde. In der Folge hätten sich Gefechte am Morzinplatz, am Salzgries, am Fleischmarkt, am Bauernmarkt und am Graben entwickelt.

Der Terrorakt erstreckte sich auf sechs Tatorte. In der Seitenstettengasse fielen erste Schüsse, in unmittelbarer Nähe der Synagoge. In einem „zeitlichen Zusammenhang“, so die Polizei, gab es dann Vorfälle an weiteren fünf Innenstadtorten, alle in räumlicher Nähe zum Ausgangspunkt. Die weiteren Orte waren nach Angaben von Harald Sörös, Sprecher des Innenministeriums, der Morzinplatz, das Salzgries, der Fleischmarkt, der Bauernmarkt und der Graben.

Ein Video zum Anschlag zeigt dramatische Szenen aus der Seitenstettengasse. Ein mit einer Langwaffe bewaffneter Mann läuft die Gasse entlang und schießt auf einen vor einem Lokal stehenden Mann, der daraufhin zusammenbricht. Kurz darauf kehrt der Täter zurück und schießt mit einer Pistole aus kurzer Distanz ein zweites Mal auf den am Boden liegenden Mann.

Auf einem weiteren Video werden vier Männer an der Ecke Graben/Tuchlauben mit erhobenen Händen und nacktem Oberkörper von Sicherheitskräften gestellt. Davon gibt es auch Fotos, darauf knien die Männer am Boden vor den schwer bewaffneten Spezialeinheiten, dem Anschein nach könnte es sich um Festnahmen handeln.

Das auf die Überwachung islamistischer Websites spezialisierte US-Unternehmen SITE zitierte auf seiner Homepage einen Jihadisten zu dem mutmaßlichen Anschlag: „Jihadist sagt, der Angriff in Wien ist ‚Teil der Rechnung‘ für die österreichische Beteiligung an der US-geführten Koalition“, heißt es dort in einem Satz. Beigestellt ist ein Bild aus der Wiener Innenstadt. Die USA hatten eine internationale Koalition gegen die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) ins Leben gerufen. Im Rahmen der Koalition kämpften zeitweise Dutzende Staaten in Syrien und im Irak gegen den IS. Österreich schloss sich auch der Koalition an, leistet aber keinen militärischen Beitrag.

Am Abend hatte es immer wieder Spekulationen über weitere Vorfälle gegeben, bestätigt wurden sechs Tatorte. „Wir waren laufend damit konfrontiert, Sachverhalte am Notruf zu überprüfen“, sagte Harald Sörös, Sprecher des Innenministeriums.

Der Großeinsatz der Exekutive lief auch in den Nachtstunden weiter. So waren 150 Cobra- sowie 100 Wega-Beamte im Einsatz, dazu kamen mehrere 100 Streifenpolizisten sowie Kräfte in zivil. Die Gefahrenabwehr werde mit aller Kraft sichergestellt, sagte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf. Auch werden in Absprache mit den Partnerländern verstärkt Kontrollen an den österreichischen Grenzen vorgenommen.

erreichbar.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bestätigte im ORF, dass es sich bei der Attacke „definitiv um einen Terroranschlag“ gehandelt habe. Dieser sei „sehr professionell“ vorbereitet worden. Die Täter seien auch sehr gut mit Waffen ausgerüstet gewesen. Mehrere Täter seien nach wie vor unterwegs, der Polizeieinsatz laufe auf Hochtouren.

Auch das Bundesheer wurde unterdessen aktiviert. Das Militär übernimmt sämtlichen Objektschutz in der Bundeshauptstadt und Teile des Jagdkommandos stehen zur Unterstützung der Terrorismusbekämpfung zur Verfügung, hieß es aus dem Bundeskanzleramt Montagabend.

Die Polizei appellierte wegen der anhaltenden Gefahrenlage an die Bevölkerung: „Wenn Sie zuhause sind, bleiben Sie zuhause!“ Wer unterwegs ist, solle sichere Räume nicht verlassen bzw. versuchen, einen sicheren Raum aufzusuchen, wurde dringend geraten. Die Wiener City war großräumig abgesperrt, öffentliche Verkehrsmittel hielten nicht in der Innenstadt.

Bis zum späteren Abend wurden 15 Verletzte in verschiedene Wiener Spitäler eingeliefert, die bei dem Anschlag verletzt worden waren, sagte Christop Mierau, Sprecher des Wiener Gesundheitsverbunds. Mindestens sieben der Opfer hätten schwere Verletzungen davongetragen.


Kommentieren


Schlagworte