„Weniger Spielraum“ - Corona beeinflusst Pöltls Optionen

Die Fragezeichen sind in etwas mehr als zwei Monaten Heimaturlaub nicht weniger geworden. Basketball-Legionär Jakob Pöltl fliegt nächste Woche zurück in die USA. Wann die kommende NBA-Saison beginnt, ist offen. Auch für welches Team er künftig auf Korbjagd gehen wird, weiß der 25-jährige Wiener noch nicht. Pöltl könnte finanzielle Einbußen in Kauf nehmen, um im kommenden Jahr selbst über seinen Arbeitgeber entscheiden zu können.

Nach vier Jahren in der stärksten Liga der Welt ist Pöltl derzeit eingeschränkt vertragslos. Seine San Antonio Spurs können mit jedem Angebot eines Konkurrenten mitgehen, um den Center längerfristig in Texas zu halten. Dafür mussten sie allerdings garantieren, ihm für die kommende Saison rund fünf Millionen Dollar (4,3 Mio. Euro) zu bieten. Dieser „Qualifying Offer“ erscheint dem Österreicher angesichts der unsicheren Corona-Situation „nicht unattraktiv“.

„Ich glaube, dass viele Teams weniger Spielraum haben und vorsichtiger sind mit dem Geldausgeben“, meinte Pöltl im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur. Vieles hänge von den eintreffenden Angeboten ab, allerdings steht noch nicht einmal die Gehaltsobergrenze je Team („Salary Cap“) fest. Diese könnte bei weiteren Umsatzeinbußen durch Corona noch nach unten gehen. Pöltl: „Es ist sicher nicht die einfachste Situation, um ohne Vertrag dazustehen.“

In seinen ersten vier NBA-Jahren hat der 2,13-Meter-Mann 12,2 Mio. Dollar (10,4 Mio. Euro) verdient. „Ich habe schon eine einigermaßen konkrete Vorstellung, wo ich mich sehe“, sagte Pöltl vor den nächsten Vertragsgesprächen. Auch wenn Center in einer von kleineren Akteuren getriebenen Liga „derzeit nicht ganz oben auf der Gehaltsliste stehen“, dürfte das Salär nach oben gehen. Mit einer einjährigen Verlängerung in San Antonio würde der Sprung moderater ausfallen als mit einem langfristigen Vertrag. „Ich würde mir damit Freiheiten für den nächsten Sommer erkaufen.“

Zudem sei die sportliche Situation bei den Spurs „ganz gut“, meinte Pöltl. Beide Seiten seien aktuell zufrieden. „Aber im Endeffekt wird es eine Business-Entscheidung von San Antonio sein, ob sie es sich leisten können oder leisten wollen.“ Sollte ein interessantes Angebot eines Konkurrenten kommen, wäre Pöltl dem nämlich auch nicht abgeneigt. „Es muss ein Siegerteam sein, bei dem die Chemie passt, bei dem irgendwie alle am gleichen Strang ziehen.“ Und ob kurz- oder langfristig - irgendwann solle das Ziel dort auch ein Titelgewinn sein.

Verhandlungen dürfen wohl erst nach dem NBA-Draft am 18. November geführt werden. Danach drängt die Zeit, obwohl über den Termin für den Saisonstart noch Uneinigkeit herrscht. Die Liga präferiert den 22. Dezember, um sich das Weihnachtsgeschäft nicht entgehen zu lassen, die Spielergewerkschaft den 18. Jänner (Martin Luther King Day). „Egal, worauf es am Ende hinausläuft, wird es bis zu einem gewissen Grad hektisch sein“, meinte Pöltl.

Auch sportlich hat die kurze Vorbereitung Auswirkungen. „Teams, die jetzt schon eingespielt sind, tun sich wahrscheinlich leichter“, sagte Pöltl. Er selbst müsste sich sehr schnell an ein neues Umfeld gewöhnen, sollte er in einem solchen landen. Zuletzt hatte sich der NBA-Profi in Wien mit Individualtraining fitgehalten. In den USA wird er vorerst entweder mit einer Kleingruppe seines Agenten in Los Angeles oder mit Spurs-Coaches in San Antonio trainieren.

Den für nächsten Mittwoch geplanten Überseeflug nach Texas noch auf diesen Freitag vorzuziehen, sei ebenfalls eine Option. Mit im Gepäck sind viele offene Fragen. Die vergangene Saison war wegen Corona in einer „Bubble“ in Orlando zu Ende gespielt worden. Das scheint für eine fast volle Spielzeit undurchführbar. Unwohl fühlt sich Pöltl wegen der neuen Pläne, die wieder Reisen quer über den Kontinent vorsehen, nicht. „Ich gehe davon aus, dass wir es nicht machen würden, wenn es nicht in einem geschützten Setting ist.“

Mit vereinzelten Infektionen sei aber dennoch zu rechnen. „Es ist ein gewisses Risiko. Man muss vorsichtig sein, dass es nicht zu hoch wird.“ Die Sicherheit von Spielern, Familien und Trainern gehe vor. Dazu dürfe kein falsches öffentliches Bild entstehen. Pöltl: „Es soll von den Leuten nicht zu leichtsinnig gesehen werden, dass das Ganze wieder ausartet, zu viele Leute angesteckt sind und die Spitäler überfüllt.“


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