Psychosoziale Dienste: „Telefone laufen heiß“

Die Wiener Psychosozialen Dienste (PSD) haben nach dem Terroranschlag in Wien das Personal bei der Krisenhotline und dem Notdienst aufgestockt, um Hilfesuchende schnell unterstützen zu können. Weitere Verstärkung werde laufend organisiert: „Die Telefone laufen heiß. Wir bemerken seit letzter Nacht einen enormen, massiven Anstieg bei den Telefonaten“, sagte PSD-Chefarzt Georg Psota. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) erinnert zugleich an die Opferhilfe.

Den ersten Schwung an Anrufern bemerkte man beim PSD gegen Mitternacht, dann wieder am Dienstag in der Früh, berichtete Psota. Die Gründe für die Kontaktaufnahme sind unterschiedlich: Bei einem Teil der Anrufer handle es sich um Menschen, die nicht dabei gewesen seien, „aber denen es schlicht und einfach Angst macht“, erzählte Psota. „Gerade in so einem schwierigen Jahr.“

Dann gebe es Menschen, die sich melden, weil sie in der Nähe der Anschläge waren und damit unmittelbarer betroffen seien und schließlich würden auch jene anrufen, „die uns auch sonst immer wieder mal kontaktieren, in einer Behandlung sind und eine spezifische Angst dazu entwickelt haben“. Das dominante Gefühl bei den Anrufern sei Angst, und vielfach auch Panik, erzählte der Chefarzt.

Der PSD bietet mehrere Anlaufstellen, um die Geschehnisse von Montagabend aufzuarbeiten. Derzeit werden die Hotlines laufend ausgebaut, um akute Unterstützung bieten zu können, hieß es. Bisher wurde um 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgestockt, weitere Personalverstärkung soll folgen.

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Menschen, die Gesprächsbedarf haben, stehen mehrere telefonische Anlaufstellen zur Auswahl, wo sie Unterstützung erhalten. Bereit steht die Corona-Sorgenhotline, die sich nun auch mit dem Thema Terror befasst. Sie ist täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr unter der Nummer (01) 4000 53000 besetzt. Rund um die Uhr kann man die psychiatrische Soforthilfe für Wien unter (01) 31 330 kontaktieren.

Weiters verwies Psota auch auf die Psychosoziale Akutbetreuung. Diese Einrichtung der Stadt Wien steht ebenfalls Menschen in Notfallsituationen helfend zur Seite. Überdies gibt es auch noch das Kriseninterventionszentrum (Telefonnummer 01 406 95 95) als weitere Anlaufstelle für Menschen in akuten Krisensituationen. Falls Kinder und Jugendliche betroffen sind und sich Fragen zum Umgang mit der Situation stellen, so gibt es Hilfe beim Servicetelefon der Kinder- und Jugendhilfe unter der Nummer (01) 4000 8011.

Österreichweit ist der Notfallpsychologische Dienst Österreich aktiv. Dort ist rund um die Uhr unter der Nummer 0699 188 554 00 jemand erreichbar. Hilfe gibt es auch bei Rat auf Draht (Nummer: 147).

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) verwies am Dienstag an Ansprüche nach dem Verbrechensopfergesetz erinnert. Betroffene der Terrorattacke erhielten medizinische und psychosoziale Hilfe sowie Entschädigungen. Das Sozialministeriumservice (SMS) bemühe sich um eine prompte Abwicklung, so Anschober.

Neben österreichischen oder EU-Staatsbürgern seien auch Drittstaatsangehörige mit rechtmäßigem Aufenthalt hierzulande anspruchsberechtigt. Zu den Opfern von Gewalttaten nach dem Verbrechensopfergesetz zählten auch Opfer von Terroranschlägen, hieß es. Hatte die Tat den Tod eines Menschen zur Folge, dann ist den Hinterbliebenen Hilfe zu leisten. Die Geschädigten sind von der Sicherheitsbehörde und dem Strafgericht bzw. der Staatsanwaltschaft über ihre Ansprüche zu informieren.

Die Hilfeleistungen müssten beim Sozialministeriumservice beantragt werden. Das Verbrechensopfergesetz sieht etwa Hilfen wie Krisenintervention, ärztliche Hilfe, psychotherapeutische Behandlung, Pauschalentschädigung für Schmerzensgeld oder Rehabilitation vor. Zudem biete auch die Opferhilfeorganisation Weisser Ring den Opfern Hilfeleistung.

„Der Terrorangriff in Wien erschüttert mich und macht mich tief betroffen“, erklärte der Gesundheitsminister. Anschober dankte den Einsatzkräften und drückte den Opfern, Verletzten und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus. „Jetzt gilt es, den Opfern und ihren Familien rasch und konkret zu helfen.“

Auch die Wiener Telefonseelsorge unter der Telefonnummer 142 verzeichnete deutlich mehr Anrufe. „Uns erreichen verstörte Anrufer und viele besorgte Eltern, die Hilfestellungen im Umgang mit den Kindern benötigen“, berichtete die Leiterin Antonia Keßelring,

Ihnen rate Keßelring u.a. zu einem bewussten, zurückhaltenden Medienkonsum und zu einer bewussten Strukturierung des Alltags: „Man sollte Dinge tun, die man sonst auch tut, wie Kochen, den Garten umgraben oder mit seinen Kindern spielen und nicht alles dem Attentat unterordnen“, erklärte die Theologin.

Weniger Sinn habe es hingegen alle paar Minuten mit dem Handy Nachrichten zu lesen, sich jede Pressekonferenz oder alle Bilder und Videos in den Sozialen Medien anzuschauen: „Es reicht sich morgens, zu Mittag und am Abend über die wichtigsten Neuigkeiten zu informieren“, lautet der Tipp von Keßelring.


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