Cluster und neue Strategien: Heime bleiben Corona-Problemzonen in Tirol

Nach Clustern in Innsbruck gibt es aktuell Dutzende Corona-Infektionen in Unterländer Einrichtungen. Land setzt jetzt auf schnelle Antigentests und massive Besuchsbeschränkungen.

Ältere Menschen sind besonders gefährdet, jetzt kauft das Land um vier Millionen Antigentests.
© Jochen Zick /

Innsbruck – Der Unmut nimmt deutlich zu. Zuletzt kritisierte der Obmann der ARGE Altenheime, Robert Kaufmann, nicht nur die Teststrategie des Landes, sondern die Heime fühlen sich schlichtweg im Stich gelassen. Corona breitet sich dort ebenfalls aus, obwohl die Politik seit Monaten gebetsmühlenartig den Schutz von besonders sensiblen Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheimen sowie von Spitälern in Tirol verspricht.

Der Leiter des Tiroler Krisenstabs Elmar Rizzoli geht aus den Rückverfolgungen der Infektionen davon aus, dass die Ansteckungen in den Heimen vor allem über das Personal erfolgen. Deshalb verfolgt das Land jetzt eine Doppelstrategie. Angesichts vermehrter Kritik und der Verbreitung des Virus in den Heimen sollen zum einen die schnellen Antigentests zum Einsatz kommen, andererseits werden die Besuchsregelungen verschärft. Auch in den heimischen Spitälern.

Bernhard Tilg.
© Thomas Boehm / TT

Mit Ausnahmen u. a. für palliativ zu betreuende, sterbende und intensivtherapiepflichtige Patienten herrscht in den Krankenhäusern ein Besuchsverbot. Wer Angehörige in einem Altenheim besuchen möchte, muss einen negativen Antigen- bzw. Corona-Test vorweisen können. Ist das nicht möglich, gilt während des Besuchs durchgehend eine Maskenpflicht. Der durchgängige Mund-Nasen-Schutz trifft auch auf die mobile Pflege zu.

Für die Beschaffung von 600.000 Antigentests wendet das Land vier Millionen Euro auf. „Sie eignen sich als effiziente erste und sehr rasche Überprüfung, ob eine Coronavirus-Infektion vorliegen kann“, betont Gesundheits-LR Bernhard Tilg (VP). Eingesetzt werden sie im niedergelassenen Ärztebereich, in Spitals­ambulanzen, in Schulen sowie Wohn- und Pflegeheimen.

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Wir müssen Spitalspatienten und Klienten in den Heimen bestmöglich vor Corona-Infektionen schützen.
LR Bernhard Tilg , VP (Gesundheitsreferent)

Im Schulbereich will Bildungslandesrätin Beate Palf­rader (ÖVP) damit verhindern, dass ganze Klassen unmittelbar geschlossen werden. Konkret testen mobile Screening-Teams dann Schüler mit Symptomen vor Ort.

Mit mehr als 500 bis 600 Neuinfektionen pro Tag wird die Kontaktnachverfolgung (Contact-Tracing) generell schwieriger. Im Durchschnitt müssen pro Infiziertem fünf bis zehn Personen kontaktiert werden. In weniger als 50 Prozent der Fälle lässt sich derzeit die Ansteckungsquelle klären. (pn)

📍 66 weitere Fälle in Altenheimen

In drei Unterländer Alten- und Wohnheimen sind derzeit 66 Klienten und Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. „Wir haben eine extrem herausfordernde Woche hinter uns, aber langsam zeigt sich wieder Licht am Ende des Tunnels“, sagt Hopfgartens Bürgermeister Paul Sieberer. Im Sozialzentrum des Ortes sind 24 Bewohner und 19 Mitarbeiterinnen positiv. Warum das Virus derart um sich gegriffen habe, sei nicht ganz klar. Als Ursache schließt Sieberer die Übersiedlung vom alten ins neue Gebäude am 21. Oktober aus. Vielmehr befürchtet er, dass der erhöhte Besucherandrang im neuen Sozialzentrum ein Auslöser dafür war. „Die Übersiedlung war generalstabsmäßig geplant und alle haben sich an die Auflagen gehalten“, versichert Sieberer. Auch bei den Besuchern habe man natürlich auf die Einhaltung der Covid-Auflagen gepocht, „doch ob sich im Zimmer dann alle daran halten, ist schwierig nachzuvollziehen“, sagt Sieberer.

Erfreulich sei, dass es nur leichte Verläufe bei den positiv getesteten Personen gäbe. „Wir haben im Sommer auch Antigenschnelltests für die Gemeinde bestellt. Dank dieser sind wir nun immer einen Schritt voraus“, schildert Sieberer. Ab heute werde es ein sehr strenges Besuchermanagement geben. Bei den freiwilligen Helfern beim Umzug sei kein positiver Fall bekannt.

Im Altenwohnheimverband Silberhoamat in Schwaz finden seit Sonntag Tests statt. Dabei wurden bisher 22 Bewohner am Knappenanger und ein Bewohner im Marienheim sowie ein Mitarbeiter positiv getestet. Laut Informationen der Stadt werden nun alle drei Altenwohnheime im Verband komplett durchgetestet. Zahlreiche Testergebnisse waren bis Redaktionsschluss gestern Abend allerdings noch ausständig. Die Zahl der positiv Getesteten könnte daher noch steigen.

Man habe laut Silberhoa­mat sofort reagiert und erste Schritte eingeleitet – so wurde das Altenwohnheim Knappenanger bis auf Weiteres für Besucher gesperrt. Die erkrankten Bewohner weisen bisher nur milde Symptome auf.

Gerade ins erneuerte Altenheim Knappenanger eingezogen, gab es den ersten Fall.
© Fessler&Junker

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