TVB Lechtal will an Anhebung der Kurtaxe festhalten

Der TVB Lechtal plant die Erhöhung der Kurtaxe und Pflichtbeiträge mit 1. Jänner. Das sorgt für Kritik. Heute sollen die Mitglieder entscheiden.

Das Lechtal: Sanfter Tourismus lautet hier die Prämisse.
© Tschol

Von Simone Tschol

Elbigenalp – „Der August war im Lechtal schon gut und im September haben wir trotz vorzeitiger deutscher Reisewarnung und ohne JEKA-Gruppen aus Belgien noch immer ein Plus von 5,2 Prozent verzeichnet“, erklärt TVB-Geschäftsführer Michael Kohler. Diesen Schwung wollte der TVB Lechtal Tourismus nützen und bei der für heute anberaumten Mitgliedersitzung die Kurtaxe von 1,40 auf 1,80 Euro sowie den Pflichtbeitrag von 13 auf 14 Promille erhöhen. In Kraft treten soll die neue Regelung bereits mit 1. Jänner.

Angesichts des geltenden Lockdowns und der ungewissen Wintersaison regt sich nun an der Basis aber kräftiger Widerstand. Einer, der darüber den Kopf schüttelt, ist der Steeger Hotelier Robert Neuhold. „Überall haben wir Corona und Reisewarnungen. Hoteliers und Gastronomen werden mit Förderungen über Wasser gehalten und unser TVB will genau jetzt die Abgaben um 30 Prozent erhöhen und auch den Promillesatz anheben. Das ist doch mal eine tirolweit einzigartige Kuriosität“, ärgert sich Neuhold.

Der Besitzer des „Styrolerhofs“ in Steeg, der nach dem Lockdown im Frühjahr, dem Fahrverbot für Motorräder über 95 Dezibel und der deutschen Reisewarnung Ende September – wie andere Touristiker im Tal – heuer schon dreimal vor vollendete Tatsachen gestellt wurde, hat sein 90-Betten-Haus Anfang Oktober zugesperrt. „Ich hatte keine Lust mehr, das Haus künstlich am Leben zu halten. Und obendrauf gab’s nun einen neuerlichen Lockdown“, so Neuhold. Er betont ausdrücklich, dass er nicht generell gegen die Erhöhung der Kurtaxe oder Beiträge sei, „aber keiner weiß, ob die Wintersaison startet, wann und unter welchen Voraussetzungen. Da kann es doch für solch eine Beschlussfassung gar keinen schlechteren Zeitpunkt geben.“ Auch die Tatsache, dass ihm nur bekannt sei, dass die Mehreinnahmen vom TVB fürs Marketing verwendet werden, er aber ein Konzept vermisse, stößt Neuhold sauer auf.

Mit der Kritik konfrontiert, meint TVB-Geschäftsführer Michael Kohler: „Das ist voll nachvollziehbar. Grundsätzlich wurde die Erhöhung schon öfter diskutiert. Der Sommer lief viel besser als erwartet. Also haben wir gesagt, wir machen es, um finanziell wieder mehr Spielraum zu haben. Nur zwei Regionen in Tirol haben weniger Kurtaxe als wir. Nachdem die Einladungen raus waren, haben sich allerdings die Ereignisse überschlagen.“

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Derzeit hat der TVB Lechtal rund 300.000 Euro für Marketing zur Verfügung. Die Erhöhung würde zusätzliche 150.000 Euro für Werbung und nochmal 100.000 für Infrastrukturmaßnahmen in die Kassen spülen. Geplant sind unter anderem ein zusätzlicher Skibus nach Warth sowie der Ausbau der Sommerbusverbindung über das Hahntennjoch zwischen dem Bahnhof Imst und Elmen.

Ob die Sitzung planmäßig abgehalten wird, war bis gestern fraglich. Zu Mittag entschied der Vorstand: Die Sitzung findet statt. Auch die Erhöhung der Abgaben und Pflichtbeiträge bleibt auf der Tagesordnung. Kohler: „Wir werden sachlich informieren und werden es zur Diskussion stellen. Gibt es eine breite Zustimmung, dann werden wir abstimmen. Wenn der Großteil dagegen ist, kann man es vertagen. Auch ein Kompromiss ist denkbar.“ Es bleibt also spannend.


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