Stadtsenat gedenkt in Sondersitzung den Opfern des Anschlags

Der Wiener Stadtsenat hat am Mittwoch in einer Sondersitzung im Rathaus den Opfern des Terroranschlags am Montagabend gedacht. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) betonte, dass sein Mitgefühl den Angehören der getöteten Menschen sowie den Verletzen gelte. Mittlerweile erklärte die slowakische Polizei, dass der Attentäter Munition im Nachbarland kaufen wollte - und dass darüber die Behörde in Österreich informiert wurde.

„Wir werden deutlich machen, dass wir uns von diesem Terrorakt nicht in die Knie zwingen lassen“, versicherte Bürgermeister Ludwig in der Sondersitzung. Viele in der Stadt seien davon überzeugt gewesen, dass ein derartiger Akt in Wien nicht stattfinden werde. „Diese Hoffnung ist an diesem Abend zerstört worden“, sagte Ludwig. Aber den Feinden der humanistischen Werte werde man „keinen Millimeter“ einräumen, versprach er. An der Gedenkveranstaltung nahmen neben dem Bürgermeister die amtsführenden und nicht amtsführenden Stadträtinnen und Stadträte, die Klubobleute, die Präsidenten des Landtags und die Vorsitzenden des Gemeinderats teil.

Bei dem Anschlag in der Innenstadt sind vier Passanten getötet und mehr als 20 Personen verletzt worden. Auch der Attentäter - bei dem es sich laut den Ermittlungsbehörden um einen islamistischen Einzeltäter gehandelt haben dürfte - wurde von der Polizei erschossen.

Der Attentäter soll im Sommer versucht haben, in der Slowakei Munition zu kaufen. Nach Informationen von Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR scheiterte der Kauf an einem fehlenden Waffenschein. Demnach wurden auch die österreichischen Behörden über den Fall informiert. Weitere Kommentare seitens der slowakischen Behörden werde es nicht geben, um die Ermittlungen in Österreich nicht zu gefährden.

Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte bereits am Dienstagabend gegenüber der SZ, dass die heimischen Behörden informiert worden waren. Gegenüber der APA gab es am Mittwoch zunächst keine Information dazu.

Österreich steht am Mittwoch weiter ganz im Schatten des Terroranschlags: Die Regierung trifft sich neuerlich zu einer Online-Sitzung des Ministerrats und am Nachmittag tagt der Nationale Sicherheitsrat. Die Polizei wertet weiter zahlreiche Videos aus, die von Zeugen Montagabend aufgenommen wurden, und wird eventuell neue Ermittlungserkenntnisse bekannt geben.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und der französische Präsident Emmanuel Macron planen nun gemeinsame europäische Initiativen im Kampf gegen den Terrorismus. Kurz habe am Dienstagabend mit Macron telefoniert, hieß es aus dem Bundeskanzleramt. Der Kanzler habe dem französischen Präsidenten für den Besuch an der österreichischen Botschaft in Paris und die Eintragung ins Kondolenzbuch gedankt.

Weitere Themen des Gesprächs waren der Kampf gegen den politischen Islam, der Umgang mit Foreign Terrorist Fighters sowie der ordentliche Schutz der europäischen Außengrenzen. Die beiden seien übereingekommen, in diesen Bereichen gemeinsam europäische Initiativen setzen zu wollen und darüber in den kommenden Tagen weiterhin zu beraten.

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) wendet sich am Mittwoch beim 130. Ministerkomitee des Europarates, das virtuell abgehalten wird, an seine Ministerkollegen. Ursprünglich habe er über die „hohe Belastung, die die globale Covid-19-Pandemie für uns alle“ darstelle, „mit Reisewarnungen, Lockdown-Maßnahmen und den negativen sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen“ sprechen wollen, sagt er.

„Am Montagabend hat uns jedoch ein anderes, globales Virus heimgesucht. Ein Virus, das unsere Gesellschaften in Europa und darüber hinaus quält. Ein Virus, das sich noch rasanter verbreitet als Covid-19 - es verbreitet sich in der Geschwindigkeit eines Gedankens. Es ist das Virus des Hasses, das Virus der Intoleranz und das Virus der völligen Missachtung von Menschenleben“, so Schallenberg angesichts des Terroranschlages in Wien.

Bei der Generalaudienz am Mittwoch gedachte Papst Franziskus der Opfer der Terroranschläge in Nizza und in Wien. Dabei verurteilte er die Anschläge, die „mit Gewalt und Hass die „brüderliche Zusammenarbeit unter den Religionen zu beeinträchtigen versuchen“. Er beklagte eine zunehmende „Grausamkeit“ in Europa.

Papst Franziskus hatte bereits am Dienstag den Anschlag in Wien verurteilt. Per Twitter drückte er „Leid und Bestürzung“ wegen des terroristischen Attentats aus. Er bete für die Opfer und ihre Familienangehörigen. „Schluss mit Gewalt! Wir müssen zusammen Frieden und Brüderlichkeit aufbauen. Nur Liebe löscht den Hass“, so der Papst.


Kommentieren


Schlagworte