Biden mit verbesserten Siegchancen - Langwierige Auszählung

Die US-Wahl ist noch lange nicht geschlagen. Zwar strahlen sowohl Demokraten als auch Republikaner Optimismus aus, doch bei der Auszählung der noch offenen Stimmen besserten sich weiter die Chancen des Demokraten Joe Biden auf den Sieg. Er lag in Michigan und Wisconsin vorne. Zusammen mit Arizona und Nevada würde das zum Sieg reichen. Allerdings hatte es in der Früh Meldungen gegeben, wonach es in Arizona zu Problemen bei der Dateneingabe der Ergebnisse gekommen ist.

In Pennsylvania stand noch die Auszählung von mehr als einer Million abgegebener Stimmen aus. Hier hatten Verantwortliche eingeräumt, dass es schlimmstenfalls noch Tage bis zu einem Ergebnis dauert. In Pennsylvania führte nach Auszählung von rund 80 Prozent der Stimmen Amtsinhaber Trump. Auch in Georgia und mit einigem Abstand North Carolina hatte Biden noch geringe Chancen auf Überraschungen in letzter Minute, weil unter anderem noch in der Großstadt Atlanta viele Stimmen ausstanden. In beiden Staaten führte Trump nach Auszählung von über 90 Prozent der Stimmen knapp.

Trump hatte in einem kurzen Statement einen Sieg bereits für sich beansprucht - und will eine weitere Auszählung der Stimmen vom Obersten Gerichtshof des Landes stoppen lassen. „Wir haben diese Wahl gewonnen“, sagte Trump in der Nacht auf Mittwoch im Weißen Haus, obwohl der Ausgang der Wahl in mehreren wichtigen Bundesstaaten noch offen ist. Das Wahlkampfteam von Herausforderer Joe Biden kritisierte Trumps Aussagen scharf.

„Ehrlich gesagt, haben wir gewonnen“, sagte er vor Anhängern im Weißen Haus - obwohl aus vielen wichtigen Bundesstaaten noch keine endgültigen Ergebnisse vorlagen. Erforderlich für den Wahlsieg sind mindestens 270 Wahlleute. Je nach Medium hat Joe Biden bei noch fehlenden sieben oder acht Staaten davon bereits 227 oder 238 sicher, Donald Trump kommt auf 213. Der Unterschied rührt daher, dass die einen Medien bereits Arizona Biden zugeschlagen haben, andere noch nicht. Mit Siegen in Nevada, Michigan und Wisconsin könnte Biden schon auf die nötige Mehrheit kommen.

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Der Mehrheitsführer der Republikaner im US-Senat, Mitch McConnell, hält die Präsidentenwahl daher noch nicht für entschieden. Das Land werde bald sehen, wie die Entscheidung der Wähler ausgefallen sei, sagte der Vertraute von Amtsinhaber Trump am Mittwoch vor Journalisten. „Wir wissen noch nicht, wer das Rennen um die Präsidentschaft gewonnen hat“, sagte er. Der Republikaner Trump hatte sich in der Nacht auf Mittwoch zum Sieger erklärt, obwohl die Auszählung der Stimmen in mehreren US-Staaten noch Stunden später andauert.

McConnell sagte zudem, dass er Trumps Ankündigung, den Kampf um die Wahl vor Gericht fortzusetzen, für unproblematisch halte. Bei einem knappem Wahlergebnis „ist das schon früher passiert und könnte auch dieses Mal passieren“, sagte McConnell. „Vor Gericht zu gehen, ist der Weg, wie wir Unsicherheiten auflösen“, sagte er.

Trump empörte sich auch über die Veränderung von Mehrheitsverhältnissen bei der Auszählung der US-Präsidentschaftswahl. Am Dienstagabend habe er in vielen Schlüsselstaaten teilweise solide geführt, schrieb der US-Präsident am Mittwoch im Internet-Dienst Twitter. Dieser Vorsprung sei dann in einem Bundesstaat nach dem anderen „auf magische Weise verschwunden“. Dies sei „sehr merkwürdig“, fügte der Amtsinhaber in Großbuchstaben hinzu.

Die Auszählung zieht sich wegen des hohen Briefwahlanteils hin. Die Beglaubigung dieser Stimmen ist in den USA oft ein langwieriger Prozess, teils müssen Unterschriften einzeln mit denen des Wählerverzeichnisses verglichen werden. In den drei Staaten Wisconsin, Michigan und Pennsylvania hatte die Republikanische Partei Bestrebungen gestoppt, Wahlumschläge schon vor dem Wahl-Dienstag zu öffnen.


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