Stoffige Sympathieträger: Die Muppets sind zurück

Disney holt die Muppets aus der Puppenkiste. Ab heute auf dem konzerneigenen Streamingdienst.

Vor ihrem Auftritt als neueste Schminktippgeberin wird auch Miss Piggy professionell aufgebrezelt.
© Disney

Innsbruck – Schon Jahre bevor sich der US-Unterhaltungskonzern Disney zum quasi globalen Imperium auswuchs – und sich Marken, etwa die Marvel-Superhelden oder das „Star Wars“-Universum, einkaufte –, gemeindete die Maus Anfang der 2000er-Jahre die „Muppets“ ein. Wirkliche Verwendung für Kermit den Frosch, Miss Piggy, Fozzy und Gonzo hatte Disney kaum: Ein ziemlich konventionelles Kino-Rührstück war 2011 erfolgreich genug für eine Fortsetzung. „Muppets Most Wanted“ traf dann 2014 zwar den nicht immer kinderzimmergerechten, anarchistisch-überdrehten Ton, der die Muppets einst einmalig machte. Und erfüllte wohl gerade deswegen die kommerziellen Erwartungen nicht. Auch das Experiment, die Muppets als Mockumentary im Stile von „The Office“ im TV-Hauptabend zu etablieren, scheiterte 2015 kläglich.

Jetzt lässt Disney die Puppen wieder tanzen: Heute startet „Und jetzt: Die Muppets“ auf dem konzerneigenen Streamingdienst Disney+. Die größtenteils improvisierte Sketch-Revue will – der Originaltitel „Muppets Now“ deutet es an – an die Glanzzeiten von Jim Hensons „Muppet Show“ (1977–1981) anknüpfen.

Manche Pointe sieht man früh kommen

Damals hielten die bisweilen schonungslos changierenden Puppen dem US-Fernsehen den plüschernen Spiegel vor. Jetzt machen sich die Muppets über das ins Netz abgewanderte Fernsehen lustig: Miss Piggy etwa gibt die stilkundige Influencerin, die ihr Leiden am falschen Lidschatten vorträgt – und ordentlich auszuckt; Kermit geht als Fragensteller von Format den Geheimnissen US-amerikanischer B-Prominenz (Gast in Folge eins ist RuPaul) auf den Grund – falls er überhaupt zu Wort kommt; der schwedische Chefkoch führt in „Øke˙ÿ Døke˛ÿ Køøkïñ“ echte Küchenchefs aufs Glatteis.

Zugegeben: Das Setting ist formelhaft – und manche Pointe sieht man früh kommen. Doch selbst darüber wird in schönster Muppet-Meta-Manier gespottet. Auf den wunderbar brachialen Nonsense, der in der einstigen „Muppet Show“ selbst schale Gags aufbrezelte, wartet man in den ersten Folgen allerdings vergebens. Humor, so scheint es, darf nicht kindisch sein, damit er auch Kindern zuzumuten ist. Sei’s drum: Spaß macht das Comeback der stoffigen Sympathieträger trotzdem. (jole)

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