Anschlag in Wien: „Die Parteipolitik sollte außen vor bleiben“

Der von den NEOS als Kommissionschef vorgeschlagene Georg Krakow befürwortet, Vorfälle im Vorfeld des Anschlags zu untersuchen.

Georg Krakow verweist ob Kritik auf die Rechtslage.
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Von Karin Leitner

Wien – Eine unabhängig­e Kommission haben die NEOS gefordert – um aufzuklären, was im Vorfeld des Terroranschlag­s in Wien schiefgelaufen ist. Die Regierenden haben eine solche zugesagt. Als Vorsitzenden des Gremiums schlagen die pinken Oppositionellen Georg Krakow vor. Er ist im Vorstand von Transparency International Österrreich, in der Anwaltskanzlei Baker & McKenzie, war Staatsanwalt im ersten Bawag-Strafprozess, Oberstaatsanwalt, Kabinettschef im Justizressort.

Wäre er bereit, eine solche Kommission zu führen? Dazu sagt Krakow im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung nichts. Eine Untersuchung befürwortet er: „Ich halte das angesichts eines so schwerwiegenden Vorfalles für gut. Es sollte evaluiert werden, wie es dazu kommen konnte – und beraten werden, wie man dafür sorgen kann, dass es so etwas in Zukunft nicht passiert.“

Was beim Umgang der Behörden und politisch Verantwortlichen mit dem Täter verabsäumt worden ist, will er noch nicht beurteilen. Zu Schuldzuweisungen – etwa jen­e des ÖVP-Kanzlers und des ÖVP-Innenministers an die von der Grünen Alma Zadić geführte Justiz – äußert er sich nicht, aber: „Der Vorfall ist einer, bei dem Parteipolitik außen vor bleiben sollte. Es gibt Tot­e und Schwerverletzte. Natürlich gehört alles aufgeklärt. Als Bürger wünsche ich mir, dass das über die Parteigrenzen hinweg geschieht. Es gibt keine türkisen, roten, blauen, grünen oder pinken Toten.“

„Die Psychologie ist ein schwieriges Feld"

Ob der Kritik wegen der vorzeitigen Haftentlassung des am Montag von der Polizei erschossenen Mannes verweist Krakow auf die Rechtslage: „Das Gesetz sieht vor, dass jemand nach der Hälfte oder zwei Dritteln der Haftzeit bedingt zu entlassen ist. Das kann nur dann verweigert werden, wenn z. B. eine erneut­e Straftat zu befürchten ist.“ Ein Vorteil vorzeitiger Entlassung sei: „Man kann Auflagen erteilen.“ Wie kann es sein, dass ein 20-Jähriger Experten täuscht, glaubhaft machen kann, dass er seiner Gesinnung abgeschworen hat?

„Die Psychologie ist ein schwieriges Feld, weil sie sich mit dem Inneren, mit den Motivationen, den Ansichten des Menschen beschäftigt. Bei Menschen, die radikalisiert sind, die Gesellschaft verneinen, müsste man vielleicht schauen, ob es nicht zusätzliche Instrumente gibt, um herauszufinden, ob sie später tatsächlich deradikalisiert sind.“ Ein derartiger Täter sollte nicht nur betreut werden, es sollte nicht nur mit ihm gearbeitet werden: „Es sollte auch jemanden geben, der ihn beobachtet und der ihn ,monitort‘.“


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