Neuer BFI-Tirol-Chef fährt Sparkurs und modernisiert

Othmar Tamerl, neuer Geschäftsführer des BFI Tirol, plant Streichungen bei Kursen und will das BFI an die modernen Zeiten anpassen.

BFI-Tirol-Geschäftsführer Othmar Tamerl will mehr Planungssicherheit für Kursteilnehmer.
© Vanessa Rachlé / TT

Sie sind seit Jahresbeginn Geschäftsführer des BFI Tirol. Es gab in dieser Position in den vergangenen Jahren mehrere Wechsel. Was möchten Sie anders machen als Ihre Vorgänger?

Othmar Tamerl: Ich will gar nicht so vieles anders machen. Ich glaube meine Vorgänger haben sehr gut gearbeitet. Ich selbst kenne das Unternehmen, da ich drei Jahre lang die Abteilung IT und Technik geleitet habe. Als Geschäftsführer möchte ich das BFI Tirol an die moderne Zeit anpassen. Es wurden interne Umstrukturierungen in die Wege geleitet und ein Sparkurs eingeschlagen.

Wie sieht der Sparkurs aus?

Tamerl: Wir haben interne Prozesse und wesentliche betriebswirtschaftliche Faktoren gemeinsam mit einem externen Berater durchleuchtet. Dabei sind wir auch auf die Kurs- kalkulation näher eingegangen. Wir sind zum Schluss gekommen, dass Änderungen im Unternehmen notwendig sind, und haben diese auch definiert. Das war der erste Schritt. Im nächsten Schritt werden wir die Konsequenzen aus diesen Überlegungen ziehen.

Was heißt das?

Tamerl: Es wird bei den Kursen eine Sortimentsbereinigung geben. Unser Bauchladen an Kursen ist groß, und nicht alles ist wirtschaftlich sinnvoll. Allerdings haben wir einen bildungspolitischen Auftrag: leistbare Bildung für Angestellte und Arbeiter. Das BFI Tirol konzentriert sich vor allem auf die Basisausbildung. Wir können und wollen daher nicht einfach jeden Kurs streichen, nur weil er sich nicht rechnet. Wir wollen allen Tirolerinnen und Tirolern leistbare Aus- und Weiterbildung und dadurch neue Chancen am Arbeitsmarkt ermöglichen.

Steckbrief

Othmar Tamerl ist studierter Betriebswirt und war 20 Jahre bei einer Bank u. a. als Leiter des Servicecenters tätig. Nebenbei unterrichtete er als freiberuflicher IT-Trainer. Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit übernahm er beim BFI Tirol im Jahr 2017 die Abteilung IT und Technik. Seit 1.1.2020 ist er Geschäftsführer des BFI.

Wie viel Prozent der Kurse werden wegfallen?

Tamerl: Das kann man derzeit noch nicht wirklich genau sagen. Es könnten bis zu 25 Prozent sein. Doch das alles muss erst verifiziert und berechnet werden.

Werden Kurse teurer?

Tamerl: Genau das versuchen wir zu vermeiden. Der klare Auftrag unserer Eigentümer Arbeiterkammer und ÖGB lautet, Kurse zu arbeitnehmerfreundlichen Preisen anzubieten. Dazu dienen auch die Einsparungsmaßnahmen in der Verwaltung und beim Personal. Durch interne Umschichtungen und freiwillige Abgänge mussten wir kaum Kündigungen aussprechen.

Wo sehen Sie die Stärken und Schwächen des BFI im Vergleich zur Konkurrenz?

Tamerl: Unsere Regionalität ist unsere große Stärke, wir bieten in allen neun Bezirken Schulungen an. Unser umfangreiches Bildungsangebot unterscheidet uns von den vielen privaten Anbietern, die meist nur ein Segment bedienen. Unser gutes Gespür für den Tiroler Arbeitsmarkt und Trends bei Berufen und Ausbildung basiert auf unserer jahrzehntelangen Erfahrung. Dadurch können wir gezielt Kursinnovationen entwickeln, um neuen Anforderungen in der Arbeitswelt zu entsprechen. Durch die geplante Produktbereinigung können wir künftig mehr Planungssicherheit im Sinne der Kursteilnehmer gewährleisten.

BFI Tirol

Das BFI Tirol bietet pro Jahr rund 4000 Veranstaltungen an. 152 Mitarbeiter werden aktuell beschäftigt, davon 85 in der Verwaltung, der Rest ist pädagogisches Personal. Zudem werden Tausende freiberufliche Trainer engagiert. Das BFI Tirol finanziert sich aus Kurseinnahmen und Aufträgen seitens der öffentlichen Hand.

Welchen Einfluss hat das Coronavirus auf das BFI Tirol?

Tamerl: Der erste Lockdown war eine große Herausforderung. Durch die Umstellung auf online konnten wir einen großen Teil der Kurse lückenlos weiterführen. Das war jedoch ein großer Aufwand für Mitarbeiter, Trainer und Kunden. Doch wir haben daraus gelernt und umstrukturiert: Das BFI Tirol musste zahlreiche unterschiedliche Softwareprodukte einsetzen, die wir jetzt zusammengeführt haben. Der derzeitige Lockdown trifft uns im Moment noch nicht so hart, da Aus- und Weiterbildungen davon nicht betroffen sind. Nur die Abstandsregel macht uns etwas zu schaffen. Kleine Kurse werden in großen Räumen abgehalten. Schulungen mit vielen Teilnehmern müssen bei Bedarf halbiert werden. Die knappste Ressource für uns sind derzeit die Räumlichkeiten.

Das Gespräch führte Frank Tschoner


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