Biden-Sieg rückt näher, Spannungen im Land steigen

Auch zwei Tage nach der US-Präsidentenwahl steht der Gewinner noch nicht fest. Für den demokratischen Herausforderer Joe Biden rückte ein Sieg näher. Doch in einigen US-Staaten, in denen die Auszählung der Stimmen noch lief, lagen er und der republikanische Amtsinhaber Donald Trump nach wie vor Kopf-an-Kopf. Die unklare Lage verschärfte die angespannte Stimmung. In mehreren Städten zogen sowohl Trump- als auch Biden-Anhänger auf die Straßen. Einige von ihnen trugen Waffen.

Für einen Sieg sind mindestens 270 Wahlleute nötig. Bis Donnerstagfrüh hatte Biden laut einer Auswertung der Wahlexperten von Edison Research und der Nachrichtenagentur Reuters 243 Wahlleute sicher, Trump kam auf 214. In manchen Medien wurde Biden noch etwas deutlicher in Führung gesehen, weil sie ihm auch die zehn Wahlleute von Wisconsin bereits zuerkannten.

Im Fokus des Rennens standen vor allem noch fünf hart umkämpfte Staaten. Biden führte leicht in Nevada und Arizona, während Trumps knapper Vorsprung in Pennsylvania und Georgia dahinschmolz, je mehr die Auszählung der zahlreichen Briefwahlstimmen vorankam. Auch Trumps Führung in North Carolina fiel dünn aus. Er muss jedoch in allen diesen drei Staaten sowie entweder in Arizona oder Nevada gewinnen, um zu verhindern, dass er als erster Amtsinhaber seit George H.W. Bush 1992 nicht wiedergewählt wird.

Biden konnte vor allem im Schlüsselstaat Pennsylvania bei der Auszählung seit dem Wahltag seinen Rückstand auf Trump von zunächst mehr als zehn Prozentpunkten auf momentan weniger als drei Prozentpunkte verkleinern. Ein ähnliches Bild ergab sich im südlichen Staat Georgia, wo Trump bei 96 Prozent der ausgezählten Stimmen nur noch mit weniger als 20.000 Stimmen (0,4 Prozentpunkte) in Führung lag. Ein Sonderfall ist Arizona: AP und Fox hatten den Staat recht früh in der Wahlnacht bereits Biden zugeschlagen. Trump konnte im Laufe der Auszählung jedoch aufholen. Bidens Vorsprung beträgt mehr als zwei Prozentpunkte.

Trump, der vor der Wahl in landesweiten Umfragen über Wochen hinter Biden lag und bereits da Zweifel an der Legitimität der Abstimmung geschürt hatte, brachte daher seine Anwälte in Stellung. Sie forderten einen Stopp der laufenden Auszählung in Michigan und Pennsylvania sowie in Georgia. In Wisconsin wiederum beantragten sie ob des knappen Ausgangs eine Neuauszählung.

Der Amtsinhaber nimmt vor allem die Briefwahl ins Visier, die in diesem Jahr so viele Amerikaner wie noch nie nutzten, unter anderem um eine Ansteckung mit dem Coronavirus in Warteschlangen vor den Wahllokalen zu vermeiden. Umfragen zufolge machen vor allem Anhänger der Demokraten von der Briefwahl Gebrauch, während Republikaner bevorzugt klassisch am Wahltag selbst ihre Stimme abgeben. Da mit der Auszählung der Flut dieser Stimmzettel etwa in Pennsylvania erst am Wahltag selbst begonnen werden durfte, zieht sich die Auswertung hin.

„Sie finden überall Biden-Stimmen, in Pennsylvania, Wisconsin und Michigan. So schlecht für unser Land“, schrieb Trump auf Twitter. Biden forderte dagegen, jede Stimme zählen zu lassen. „Niemand wird uns unsere Demokratie wegnehmen, jetzt nicht und niemals.“


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