Kosovos Ex-Präsident Thaci in U-Haftanstalt in Den Haag

Kosovos Ex-Präsident Hashim Thaci ist in Den Haag in den Niederlanden verhaftet worden und befindet sich in Untersuchungshaft. Das teilte das Kosovo-Sondertribunal am Donnerstagabend mit. Thaci war nach einer Anklage wegen Kriegsverbrechen als Präsident zurückgetreten, nachdem das Tribunal die Anklage gegen ihn bestätigt hatte. Thaci soll als Chef der Untergrund-Armee UCK für Verbrechen an Zivilisten während des Unabhängigkeitskrieges 1998-1999 verantwortlich gewesen sein.

Gemeinsam mit zwei ebenfalls angeklagten Politikern, dem früheren Parlamentspräsidenten Kadri Veseli und dem Fraktionschef der nationalistischen Bewegung „Vetevendosje“, Rexhep Selimi, war Thaci am Donnerstag nach Den Haag geflogen. Bereits am Mittwoch war auch der frühere Parlamentspräsident Jakup Krasniqi nach Den Haag überstellt worden.

Thaci hatte am Donnerstag erklärt: „Ich werde nicht als Präsident vor Gericht erscheinen. Um die Integrität des Staates zu schützen, trete ich heute zurück.“ Interimistische Staatschefin soll der Verfassung entsprechend Parlamentspräsidentin Vjosa Osmani werden. Dies berichteten kosovarische Medien berichteten.

Das kosovarische Sondergericht bestätigte auch die Anklage gegen den früheren Parlamentspräsidenten Kadri Veseli. Der 53-jährige Veseli sagte, er schätze die Tatsache, dass er vom Sondergericht die Vorladung erhalten habe, anstatt „auf unwürdige Weise“ festgenommen zu werden. Auch dem Fraktionschef der Bewegung „Vetevendosje“, Rexhep Selimi, wurde mitgeteilt, dass er vom Sondergericht der Kriegsverbrechen angeklagt worden sei.

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Die vorläufige Anklage vom Juni legte den Politikern schwere Verbrechen in zehn Punkten zur Last, darunter Mord, Verfolgung und Folter. Hunderte Kosovo-Albaner, Serben, Roma und Angehörige anderer ethnischer Gruppen sowie politische Gegner gehörten der Anklage zufolge zu ihren Opfern.

Das Gericht in Den Haag gehört formal zur Justiz des Kosovo. Es war auf internationalen Druck aber in Den Haag eingerichtet worden, um die von der kosovo-albanischen Seite begangenen Verbrechen während des Unabhängigkeitskrieges im Kosovo 1998-1999 strafrechtlich zu verfolgen. In dem Krieg gab es mehr als 10.000 Tote und Hunderttausende Vertriebene. Die meisten Opfer gingen auf das Konto der Sicherheitskräfte Serbiens, dem die mehrheitlich von Albanern bewohnte Region zugehörte. Mit ihren Verbrechen beschäftigte sich das von 1993 bis 2017 existierende Internationale Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien (ICTY) in Den Haag.


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