Biden übernimmt Führung im Rennen um Georgia

Im Rennen ums Weiße Haus hat Trump-Herausforderer Joe Biden im hart umkämpften Bundesstaat Georgia nach einer Aufholjagd die Führung übernommen. Freitagfrüh lag der ehemalige Vizepräsident Wahldaten zufolge zeitweise 917 Stimmen vor Amtsinhaber Donald Trump, wie unter anderem der Sender CNN berichtete. Indes sieht sich Trump von den Demokraten um seinen Wahlsieg gebracht. Zu seinem Schutz erhält Biden zusätzliche Mitarbeiter des Secret Service.

Seit dem Wahltag holte Biden in Georgia mehr als 300.000 Stimmen auf. Die Auszählung war fast vollständig - es könnten aber noch einige Tausend Stimmen unter anderem von Militärangehörigen hinzukommen. Der südöstliche Bundesstaat gilt als „Swing State“. Seit Bill Clinton im Jahr 1992 hatte kein Demokrat Georgia gewinnen können.

Biden würde sich die für einen Wahlsieg nötigen 270 Stimmen der Wahlleute sichern, sollte er Georgia gewinnen und sich sein Erfolg in Arizona bestätigen. Die Nachrichtenagentur AP und der TV-Sender Fox News hatten Arizona bereits dem Demokraten zugeschlagen. Andere Medien hielten sich noch zurück.

In Anspielung auf die sich verdüsternden Aussichten auf seine Wiederwahl meinte Trump am Donnerstagabend im Weißen Haus: „Wenn man die legalen Stimmen zählt, würde ich locker gewinnen“. Er bekräftigte den Vorwurf, dass „illegale Stimmen“ ausgezählt werden und die Demokraten „die Wahl stehlen wollen“.

In einem erratischen Vortrag zählte Trump seine Erfolge bei der Präsidentenwahl auf und verwies auf sein Abschneiden in Florida und Ohio. Er beklagte, dass seine ursprüngliche Führung in mehreren Staaten „heruntergedrückt“ worden sei und äußerte die Befürchtung, dass er auch im umkämpften Staat Georgia letztlich „ein bisschen zurückliegen“ könnte. Dagegen sei er in Arizona - wo er offenbar nichts an der Fortsetzung der Auszählung auszusetzen hat - „auf dem Weg zum Sieg“.

Trump betonte, dass er „die Integrität dieser Wahl schützen“ wolle. Ohne jeglichen Beweis bekräftigte der Amtsinhaber, dass die Wahl manipuliert und gestohlen worden sei. Er erhob lediglich pauschale Vorwürfe, wonach massiv auf Briefwahl gesetzt worden sei und dann auch Stimmen „ohne Stempel und Unterschrift“ akzeptiert worden seien. Er wolle eine „ehrliche Auszählung“, so Trump, der neuerlich eine Entscheidung „vor dem höchsten Gericht des Landes“ in Aussicht stellte.

Dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Biden rief in einem Statement seine Anhänger zur Besonnenheit auf. „Die Demokratie ist manchmal chaotisch. Sie erfordert manchmal auch ein bisschen Geduld“, sagte er. Zugleich bekräftigte er seine Überzeugung, dass er nach Auszählung aller Stimmen der Sieger sein werde. „Deswegen bitte ich alle, die Ruhe zu bewahren“, sagte Biden. „Der Ablauf funktioniert, das Auszählen wird zu Ende gebracht.“ Jede Stimme müsse gezählt werden, betonte Biden. Man werde das Ergebnis der Wahl „sehr bald“ kennen.

Biden hält sich mindestens noch einen weiteren Tag in der Stadt Wilmington im US-Staat Delaware auf und wird laut „Washington Post“ möglicherweise bereits am Freitag eine große Rede halten. Dies habe Bidens Wahlkampfteam der Behörde mitgeteilt. Dem Bericht zufolge sind bereits Dutzende Mitarbeiter des Secret Service im Kongresszentrum Chase Center im Einsatz, wo sich Biden mit seinem Team einquartiert hat.


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