„Photokatalytische Selbstreinigung“ in Andorras Skiorten

Beim Thema Skifahren denkt der Österreicher nicht sofort an Andorra. Doch lebt auch der kleine Pyrenäenstaat zwischen Frankreich und Spanien stark vom Wintertourismus. Immerhin gibt es über 300 Pistenkilometer, die mit mehr als 100 Skiliften erschlossen sind. Um auch in der Coronakrise zu bestehen, werden innovative Wege beschritten. Der Präsident von „Ski Andorra“, Francesc Camps, nannte im APA-Interview etwa die „Photokatalytische Selbstreinigung“ von Seilbahngondeln.

Der Begriff „Photokatalytische Selbstreinigung“ bezeichnet „eine Eigenschaft von Oberflächen, die mit Photokatalysatoren, zum Beispiel Nanopartikeln aus Titandioxid, beschichtet wurden“. So ist es auch im Internet zu lesen. Durch Bestrahlung mit Licht werden organische Materialien auf der Oberfläche zersetzt. Die Oberflächen bleiben sauber und wirken antimikrobiell. „Du brauchst dann keine zusätzliche Desinfektionsmethoden oder Chemikalien, Viren, Bakterien und Pilze werden durch die Lichteinstrahlung zuverlässig abgetötet“, beschrieb der frühere Tourismus- und Umweltminister des kleinen Fürstentums die Taktik, die Gondeln von Seilbahnen Coronavirus-restitent zu machen.

Das in Andorra angewandte System wurde von einem Nanotechnologie-Konzern in Finnland entwickelt und soll mithelfen, den Wintertourismus über die Krise zu retten. In den vergangenen Jahren kamen im Schnitt rund 1,5 Millionen Gäste zum Winterurlaub nach Andorra. Für die bevorstehende Saison werden massive Einbußen erwartet. „Wenn zehn, 20 oder 30 Prozent wegbrechen, dann würden wir das noch einigermaßen gut überstehen“, meinte Camps im Video-Call mit der APA. Weitere Verluste würden der andorranischen Tourismuswirtschaft aber bleibende Schäden zufügen. Gäste aus ferneren Ländern („Unsere Klientel sind an sich vor allem Briten und Russen“) werden heuer ohnehin kaum erwartet, eher solche aus Südfrankreich, Katalonien oder anderen Regionen Nordspaniens.

Noch ist nicht sicher, ob alle Touristen bei der Einreise nach Andorra („Im Gegensatz zu anderen Staaten, kann man bei uns nur über die Straße einreisen, da wir keinen Flugplatz haben“) einen Covid-Test machen oder einen negativen Bescheid vorlegen müssen. Bei den Beschäftigten in der Tourismusbranche, darunter auch viele Saisonarbeiter aus Spanien oder Lateinamerika, sollen aber während der Saison wöchentlich Tests durchgeführt werden. Ziel ist es außerdem, die gesamte Bevölkerung regelmäßig durchzutesten. „Bei 85.000 Einwohnern tun wir uns da vergleichsweise leicht“, gab Camps freilich zu.

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In Bälde soll vor allem mit Gurgeltests gearbeitet werden. Damit könnten Personen einmal gruppenweise grundsätzlich gecheckt werden, meinte Camps. Grundsätzlich werde das Aprés Ski in Wintersportorten wie Grandvalira, Pas de la Casa, Grau Roig oder Soldeu in der bevorstehenden Saison stark reduziert oder überhaupt verboten. Restaurants dürfen nur mit sehr beschränkter Kapazität geführt werden und müssen zudem um 23.00 Uhr schließen. Es herrscht weitreichende Maskenpflicht. Und auch der Verkauf von Skipässen soll laut Francesc Camps möglichst ohne zwischenmenschliche Kontakte ablaufen. „Es kann alles online erworben werden. Wir bieten dann Pässe mit Guthaben haben, von dem dann bei jedem Besuch im Skigebiet abgebucht wird.“

Dieses System werde sich sicher bewähren, da heuer die Zahl der Tagestouristen aus der Umgebung wahrscheinlich besonders groß werden dürfte. „Wir haben das im Sommer und an manchen verlängerten Wochenenden im Herbst gesehen. Da gab es heuer kaum einen Unterschied zu den Vorjahren.“ Für jene Touristen, die doch längere Urlaube buchen, soll es spezielle Storno- und Reiseversicherungen geben. „Damit keiner zu Schaden kommt, wenn er seinen Urlaub plötzlich wegen eines Coronafalls abbrechen muss.“

Andorra ist der größte von sechs europäischen Zwergstaaten, zu denen noch Liechtenstein, Malta, Monaco, San Marino und der Vatikan zählen. Eine Besonderheit ist, dass in dem knapp 500 Quadratkilometer großen Land mit rund 85.000 Staatsbürgern zwei ausländische Amtsträger gemeinsam die Funktion des Staatsoberhauptes innehaben: Der französische Staatspräsident und der Bischof des römisch-katholischen Bistums Urgell in der benachbarten spanischen Region Katalonien. Obwohl es wie in Katalonien eine große spanischsprachige Bevölkerungsgruppe gibt, ist Katalanisch die alleinige Amtssprache in Andorra.

(Das Gespräch führte Edgar Schütz/APA per Videocall)


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