Anti-Lukaschenko-Proteste in Weißrussland aufgelöst

In Weißrussland sind laut einer Menschenrechtsgruppe bei Protesten gegen die Regierung am Sonntag Hunderte Menschen festgenommen worden. In der Hauptstadt Minsk wurde eine Demonstration von Sicherheitskräften aufgelöst, die Menschen verstreuten sich anschließend in kleineren Gruppen. Die Menschenrechtsgruppe Viasna berichtete von rund 438 Festnahmen. Auf Videos waren schwarz gekleidete Sicherheitsleute zu sehen, die Demonstranten verfolgten und in Fahrzeuge zerrten.

Unter den Festgenommenen befanden sich der Zehnkämpfer und Olympia-Silbermedaillen-Gewinner Andrej Krautschenko und der Kickboxer Iwan Ganin, wie die weißrussische Stiftung für Solidarität im Sport mitteilte. Beide hatten unlängst eine Petition von 1.000 Sportlern des Landes unterzeichnet, in der Neuwahlen gefordert wurden. Am Samstag seien insgesamt 60 Mediziner festgenommen worden, die an einer Demonstration gegen die Regierung hätten teilnehmen wollen, berichtete Viasna weiter.

Trotz des Demonstrationsverbots und der Gewaltandrohung der Behörden marschierten am Sonntag erneut Menschenzüge auf mehreren Straßen der Stadt - mit den historischen weiß-rot-weißen Flaggen. Sie skandierten: „Lang lebe Belarus!“. Die Behörden hatten eine Autokorso-Aktion der Unterstützer Lukaschenkos angekündigt. „Die Macht gehört dem Volk!“, teilte die Demokratiebewegung in Minsk mit. Auch in anderen Städten gab es Demonstrationen für einen Rücktritt Lukaschenkos.

Die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja, die von der Bewegung als Siegerin der Präsidentenwahl vom 9. August angesehen wird, begrüßte, dass die Menschen ohne Furcht und mit Ausdauer gegen Lukaschenko um ihre Freiheit kämpften. „Schon seit 90 Tagen leisten wir Widerstand gegen Gesetzlosigkeit und Gewalt“, sagte sie in ihrem Exil in der EU.

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In Weißrussland kommt es seit der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Alexander Lukaschenko am 9. August regelmäßig zu Massenprotesten. Die Opposition wirft ihm Wahlbetrug vor, was dieser zurückweist. Mehr als 16.000 Menschen wurden bereits festgenommen. Ermittler der Vereinten Nationen haben über Schläge und Folter berichtet, der Westen hat neue Sanktionen gegen das Minsker Regime verhängt. Der von Russland unterstützte Lukaschenko hält sich bereits seit 26 Jahren an der Macht.


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