Biden will düstere Ära der Dämonisierung in den USA stoppen

Der gewählte US-Präsident Joe Biden will das gespaltene Land einen und den Respekt für die Vereinigten Staaten in der Welt zurückgewinnen. „Ich verspreche, ein Präsident zu sein, der danach strebt, nicht zu spalten, sondern zu einen“, sagte Biden am Samstagabend in seiner Siegesrede in seinem Wohnort Wilmington im Bundesstaat Delaware. Amtsinhaber Donald Trump erkannte Bidens Erfolg indes nicht an und sprach erneut von Betrug.

Biden erklärte: „Lasst uns diese düstere Ära der Dämonisierung hier und jetzt zu Ende gehen lassen.“ Der Demokrat bat die Anhänger des amtierenden republikanischen Präsidenten, ihm eine Chance zu geben, um gemeinsam für ein besseres Amerika zu arbeiten. Biden war am Samstag von US-Medien im Rennen um das Weiße Haus zum Gewinner ausgerufen worden.

Biden kündigte außerdem an, sich entschlossen für die Eindämmung der Coronavirus-Pandemie einzusetzen. Schon am Montag wird er einen Expertenrat zur Eindämmung der Pandemie vorstellen. Er werde im Kampf gegen das Virus keine Mühe scheuen. Die „führenden Wissenschafter und Experten“ würden ihm helfen, einen „Aktionsplan“ zu entwickeln, sagte Biden. In den USA haben sich nach Angaben der Johns Hopkins Universität rund 9,8 Millionen Menschen mit Covid-19 infiziert - so viele wie in keinem anderen Land der Welt. Auch mit mehr als 237.000 Menschen, die in Verbindung mit Corona gestorben sind, liegt das Land weltweit an der Spitze.

Der Republikaner Trump erklärte nach der Wahl: „Die einfache Tatsache ist, dass diese Wahl noch lange nicht vorbei ist.“ Trump stellte sich als Opfer systematischen Wahlbetrugs dar, ohne dafür stichhaltige Beweise vorzulegen. Mit Hilfe seiner Anwälte will Trump seine Niederlage noch abwenden. Die Erfolgsaussichten gelten aber als extrem gering. Trump wiederholte seine Vorwürfe auch via Twitter. Unter anderem schrieb Trump: „Wir glauben, dass diese Leute Diebe sind. (...) Dies war eine gestohlene Wahl. Der beste Meinungsforscher in Großbritannien schrieb heute früh, dass dies eindeutig eine gestohlene Wahl war und dass es unmöglich ist, sich vorzustellen, dass Biden Obama in einigen dieser Staaten überholt hat.“ Twitter versah die Botschaften mit Warnhinweisen.

TT-ePaper testen und eine von drei Gasser Tourenrodeln gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die TT verlost drei Gasser Tourenrodeln und 50 Thermosflaschen

Anders als üblich verzichtete Trump auch darauf, den Gewinner anzurufen und seine Niederlage einzugestehen. Dennoch gratulierten bereits viele Staats- und Regierungschefs. Zahlreiche internationale Gratulanten richteten ihre Glückwünsche dabei ausdrücklich sowohl an Biden als auch an die mit ihm gewählte Vizepräsidentin Kamala Harris als Team. Unter den Gratulanten war auch der ehemalige Präsident George W. Bush - ein Republikaner. Er sprach von einer „grundsätzlich fairen“ Wahl, deren „Ergebnis klar“ sei. Er habe Biden angerufen und ihm zum Sieg gratuliert. Die schnellen Reaktionen wurden von Diplomaten auch als Signal an Trump gewertet, der seine Wahlniederlage nicht eingestehen will.

Nach der geplanten Amtseinführung voraussichtlich am 20. Jänner 2021 wäre die 56 Jahre alte Harris nicht nur die erste Vizepräsidentin, sondern auch die erste Farbige in dem Amt. In ihrer Siegesrede sprach sie von einer Zeitenwende. „Als unsere Demokratie selbst auf dem Wahlzettel stand, die Seele Amerikas auf dem Spiel stand und die Welt zuschaute, habt Ihr einen neuen Tag für Amerika eingeläutet“, sagte Harris. Die Amerikaner hätten sich mit der Wahl Bidens für Hoffnung, Einheit, Wissenschaft und Wahrheit entschieden, sagte sie. „Auch wenn ich die erste Frau in diesem Amt sein mag, werde ich nicht die letzte sein. Denn jedes kleine Mädchen, das heute Nacht zuschaut, sieht, dass dies ein Land der Möglichkeiten ist.“

Bidens Erfolg im Schlüsselstaat Pennsylvania hatte am Samstag Trumps Abwahl besiegelt. Eine Abwahl nach nur einer Amtszeit war zuletzt bei George Bush Senior 1992 der Fall. Biden kam am Ende einer tagelangen Zitterpartie über die Marke von 270 Wahlleuten, die für einen Erfolg erforderlich waren.


Kommentieren


Schlagworte