Bundespräsident Van der Bellen gedenkt der Novemberpogrome

Bundespräsident Alexander Van der Bellen wird am Montag gemeinsam mit seinem deutschen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier auf Einladung von Israels Staatsoberhaupt Reuven Rivlin virtuell an einer Gedenkveranstaltung der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem teilnehmen. Dabei wird der Novemberpogrome vor 82 Jahren gedacht. In einer voraufgezeichneten Videobotschaft unterstreicht Van der Bellen Österreichs Mitverantwortung und die Bedeutung der Erinnerung.

Antisemitismus habe nicht mit dem Nationalsozialismus begonnen, er sei bereits vor der Nazi-Ideologie in Österreich präsent gewesen, so der Bundespräsident in der Videobotschaft. Die Diskriminierung habe sich zur Herabwürdigung, zur Entrechtung und letztlich zum Massenmord entwickelt, der Shoah. Das Pogrom in der Nacht des 9. November 1938 sei der erste grausame Höhepunkt der wachsenden nationalsozialistischen Gewalt gegen Juden gewesen, so Van der Bellen. Die rassistische Gewalt der Nazis habe eine neue, schreckliche Intensität erreicht und gezeigt, wie stark die jüdischen Österreicher ihrer grundlegenden Rechte und Freiheiten beraubt wurden. „Alleine in Wien wurden 42 Synagogen niedergebrannt oder zerstört. Tausende Geschäfte und Wohnungen wurden geplündert. Mehr als 6.500 jüdische Österreicher wurden verhaftet, 4.000 von ihnen wurden ins Konzentrationslager Dachau geschickt.“

„Wir Österreicher gedenken dieser Verbrechen heute in Reue und Scham. Wir, die wir nach der Shoah geboren wurden, bekennen uns: Österreich teilt Verantwortung für die Shoah. Viele Österreicher waren unter den Tätern. Die Anerkennung unserer Verantwortung bedeutet vor allem, dass wir entschieden und mutig jeder Form von Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus entgegentreten, wo immer wir dem begegnen.“ Das sei eine Sache von großer Bedeutung für ihn, betonte der Bundespräsident. „Es ist unsere Pflicht, unser Wunsch und unsere Absicht, die jüdischen Gemeinden nicht nur zu schützen, sondern auch zu sichern, dass jüdisches Leben wieder gedeihen kann - sei es in Europa, in Israel, oder irgendwo sonst.“ Österreich habe eine starke und lebendige jüdische Gemeinde, die wieder einen wichtigen Teil des Lebens bilde. „Ich hoffe aufrichtig, dass Österreich ein Heim, ein Platz des Friedens und der Sicherheit, für sie sein wird - heute und für immer, „

Über die Zusammenarbeit von Österreich und Israel auf vielen verschiedenen Gebieten gemeinsamen Interesses sei er „besonders erfreut“, denn dies sei angesichts der Geschichte keine Selbstverständlichkeit, so der Bundespräsident. Durch das gegenseitige Verstehen und Wiederentdecken würden die beiden Länder auch neue Möglichkeiten zur Zusammenarbeit finden. Die „ungeschriebene Geschichte“ von Österreich und Israel stehe erst am Anfang. Abschließend unterstrich der Bundespräsident auf Hebräisch: „Niskor we lo nischkach leolam“ - Erinnern und niemals vergessen.

Van der Bellens Rede wird in einer voraufgezeichneten Videoerklärung in Englisch eingespielt. Zudem gibt es laut Präsidentschaftskanzlei eine Videobotschaft der drei Präsidenten, in der sie das gemeinsame Gedenken in Wien, Berlin und Jerusalem und den Einsatz gegen Rassismus, Hass und Antisemitismus betonen.

Die offizielle israelische Gedenkveranstaltung findet in der Residenz des israelischen Präsidenten in Jerusalem in Zusammenarbeit mit Yad Vashem statt. Dabei spricht auch der Rabbiner Yisrael Meir Lau und Avner Shalev, Vorsitzender der Direktion Yad Vashem. Ein Holocaust-Überlebender legt Zeugnis ab. Das Gedenken wird am Montagnachmittag ab 17.00 Uhr (Ortszeit/16.00 MEZ) live über die Seiten des israelischen Präsidenten auf Facebook, YouTube und Twitter sowie auf der Facebook-Seite von Yad Vashem übertragen.

Van der Bellen befindet sich aktuell in Spitalsbehandlung. Der 76-Jährige war am Samstag bei in seinem zweiten Amtssitz Mürzsteg in der Steiermark gestürzt und in Folge zur Abklärung ins Wiener AKH gefahren. Dort wurde eine schmerzhafte Beckenverletzung diagnostiziert. Eine Operation sei nicht nötig, hieß es am Wochenende. „Der Bundespräsident ist ansonsten guter Dinge“, teilte die Präsidentschaftskanzlei mit.


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