Sperre trifft Tiroler Handel hart, Appell zu lokalem Konsum an Konsumenten

Tirols Handel ruft die Konsumenten auf, weiter lokal einzukaufen – oder bei Weihnachtsgeschenken bis zum Lockdown-Ende zuzuwarten.

In vielen Läden herrschte vor der ab heute geltenden Zwangspause für große Teile des Handels gestern noch Hochbetrieb.
© Foto Rudy De Moor

Innsbruck, Wien – „Für den Handel gibt es keinen schlechteren Zeitpunkt für einen Lockdown als gerade jetzt“, sagt Tirols Handelsobmann Dieter Unterberger. Ab heute sind weite Teile des Handels bis zum 6. Dezember gesperrt – und das ausgerechnet zum Start des Weihnachtsgeschäfts, das meist bereits Mitte November langsam Fahrt aufnimmt. Im Schnitt werden vor Weihnachten 20 bis 30 Prozent, in manchen Branchen auch mehr als die Hälfte des gesamten Jahresumsatzes gemacht. Dazu kommt auch noch das doppelte Gehalt für die Beschäftigten, das mit 1. Dezember fällig ist. Inwieweit die vom Staat zugesagten Hilfen von 20 bis 60 Prozent des Umsatzes (Anträge sind dann ab 23. November möglich) das Loch halbwegs ausgleichen können, muss sich laut Unterberger erst herausstellen.

Wie am Samstag herrschte auch gestern in vielen Läden vor dem Lockdown noch reger Betrieb, jetzt ist aber für fast drei Wochen Zwangspause. Etliche Geschäfte versuchten auch, mit großzügigen Rabatten wenigstens einen Teil der Ware vor der Schließwelle zu verkaufen. Der Lockdown dürfte den Handel pro Tag 130 Mio. Euro an Umsatz kosten. Das wäre mehr als im ersten Lockdown im Frühjahr, als das Umsatzminus 110 Mio. Euro täglich betrug, schätzt das Institut für Handel, Absatz und Marketing an der Johannes Kepler Universität (JKU) in Linz. Der Anstieg sei durch das Vorweihnachtsgeschäft begründet. Bei 17 Schließtagen würde sich der Umsatzverlust somit auf 2,2 Mrd. Euro brutto summieren.

Zeit nach Lockdown ungewiss

Offen sei auch, was direkt im Anschluss an den Lockdown, also voraussichtlich ab dem 7. Dezember, passiert, so die Linzer Uni-Experten. Es sei zu befürchten, dass gerade auch am 8. Dezember, traditionell einem der stärksten Einkaufstage des Jahres, „ein Tsunami auf den stationären Einzelhandel einbricht, der de facto nur schwer zu kontrollieren sein wird“.

Für Unterberger hängt es in der jetzigen extrem problematischen Situation am Patriotismus und der Solidarität der Kunden, ob und wie der Handel die Krise schafft. Es gehe um die Existenz unzähliger Arbeitsplätze. In Summe hat der Tiroler Handel etwa 50.000 Beschäftigte.

Unterberger appelliert an die Konsumenten, auf jeden Fall in Tirol zu kaufen. Ab dem 7. Dezember gebe es noch immer zweieinhalb Wochen Zeit, um Weihnachtsgeschenke in den Geschäften zu besorgen. Und wer online bestellen wolle, solle nicht bei internationalen Riesen bestellen, sondern ebenfalls bei den heimischen stationären Händlern. „Der Tiroler Handel bietet online eine riesige Auswahl an Produkten, es gibt wirklich alles lokal zu bestellen.“ Die Produkte würden von vielen Händlern auch zugestellt, praktisch alle würden auch eine telefonische Beratung anbieten. Eine andere Möglichkeit, für das Einkaufsgefühl vor Ort zu sorgen, seien auch Gutscheine. (va, APA)


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