Wie Thiem auf der Baustelle Damen-Tennis aushelfen soll

Das WTA-Turnier in Linz belebt ein altes Thema: Wie geht es für Österreichs Damen-Tennis bergauf? Barbara Schett lehnte Job als ÖTV-Vizepräsidentin ab.

Julia Grabher musste gestern mit einer Knöchelverletzung in Linz aufgeben, heute spielt Barbara Haas.
© APA

Von Roman Stelzl

Linz –Um das Problem zu erklären, fängt man am besten damit an, zu erklären, wieso es überhaupt ein Problem gibt: 1999 – das Jahr, in dem die Tirolerin Barbara Schett-Eagle Nummer sieben der Tennis-Weltrangliste war – tauchten drei Österreicherinnen in den Top 50 auf. Drei Jahre davor, 1996, waren es sogar vier. Und auch noch 2010 tummelte sich ein Quartett in den Top 100 – all die Jahre zumeist mit einem Zugpferd vorneweg.

Nun zur Gegenwart: Das letzte Mal, dass eine Österreicherin in den Top 100 gereiht war, war im Jänner 2015, als die zurückgetretene Yvonne Meusburger im Ranking aufschien. Aktuell taucht die seit Jahren hoffnungsvolle Barbara Haas, die heute beim Upper Austria Ladies in Linz aufschlägt, als Österreichs Nummer eins auf Rang 143 auf. Julia Grabher (so wie Haas 24 Jahre alt), die gestern in Linz gegen Sofia Cirstea (ROM) beim Stand von 3:2 wegen einer Knöchelverletzung aufgab, ist als 225. eine von zwei (!) ÖTV-Spielerinnen in den Top 500.

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Das Problem war lange Zeit auch mediales Thema, doch weil trotz vieler Ansätze wenig rauskam, schlummerte das Sujet mehr und mehr ein und mit ihm hierzulande auch das Interesse am internationalen Damen-Tennis. „Umso wichtiger sind Turniere im eigenen Land wie in Linz, wo die Mädchen sehen, wie gespielt wird“, sagt Schett-Eagle, die gerade in einem australischen Hotel eine zweiwöchige Quarantäne nach ihrer Rückreise nach Down Under absitzt.

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Die Innsbruckerin ortet drei große Probleme: „Erstens ist es ein sehr schwieriger Weg, nach vorne zu kommen, der viele abschreckt. Zweitens wollen viele nicht so viel investieren, du musst da extrem hart arbeiten. Drittens ist es eine ganz teure Geschichte.“

Doch nie war die Zeit für Besserung so gut wie jetzt. Der Hype um Dominic Thiem treibt auch begeisterte Mädchen auf die Plätze. Dazu macht sich die erst kürzlich gegründete private Initiative Austrian Tennis Commitee (ATC) unter Wolfgang Thiem samt starker Finanzspritze daran, das Damen-Tennis auf Vordermann zu bringen. Keine Geringere als die 30-jährige Lettin Anastasija Sevastova, ehemals Nummer elf der Welt, konnte samt österreichischem Trainer Roland Schmidt für das Damenprojekt gewonnen werden.

Österreichs Verband (ÖTV) zieht in diesem „Konkurrenzkampf“ mit, präsentierte Ende Oktober den noch bis Februar 2021 aktiven Jürgen Melzer als Sportdirektor. Neo-Präsident Magnus Brunner will nun mehr Ex-Spieler an Bord holen, unter anderem auch Barbara Schett-Eagle. Sie hatte ein Angebot als ÖTV-Vizepräsidentin auf dem Tisch liegen, lehnte aber ab. „Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, weil ich so viel um die Ohren habe. Wenn ich das irgendwann mache, dann richtig“, erklärte die Eurosport-Kommentatorin, sie steht aber für Ratschläge bereit: „Ich helfe Österreichs Tennis mit meinem Know-how gerne weiter.“


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