Filmgenre Black Horror: Von Rassisten und Dämonen

Realer und surrealer Horror: Die neuen Produktionen „Lovecraft Country“ und „His House“ erweitern das Filmgenre Black Horror.

Atticus (Jonathan Major) und Letitia (Jurnee Smollett) begeben sich in den USA der Fünzigerjahre auf die Suche nach seinem verschwundenen Vater. Sie treffen dort auf eine Geheimloge weißer Suprematisten.
© Sky

Innsbruck – Mithilfe des „Green Book“, das in einer Zeit erschien, als unverhohlener Rassismus noch gesellschaftlich akzeptiert war, konnten Afroamerikaner sicher durch die Staaten reisen. Es enthielt Gaststätten und Unterkünfte, die schwarze US-Bürger als Kunden akzeptierten.

Ein solcher Reiseführer beeinflusst nicht nur die Konzerttournee des Jazzpianisten Don Shirley im oscarprämierten Streifen „Green Book – Eine besondere Freundschaft“, sondern auch den Roadtrip von Atticus Freeman in der Serie „Lovecraft Country“, die übermorgen im linearen Programm von Bezahlsender Sky auch in deutscher Sprache anläuft. Mitten in der Jim-Crow-Ära macht sich der junge Kriegsveteran Atticus (Jonathan Major) auf die Suche nach seinem verschwundenen Vater. Mit seinem Onkel George und seiner Freundin Letitia fahren sie in Richtung Massachusetts.

Für die Gegenwart relevanter Horrorfilm

Der reale Horror in Form rabiater Restaurantbesitzer und militanter Gesetzeshüter ist ihnen dabei immer auf der Spur. In einer „Sundown Town“, einem Ort, in dem sich die schwarze Minderheit nach Sonnenuntergang besser nicht mehr blicken lässt, eskaliert die Situation endgültig: Das Trio wird von weißen Polizisten abgeführt, hinein ins Gebüsch. Neben den Rassisten erwarten sie dort aber noch andere, nicht menschliche Monster, die den Gruselgeschichten von H. P. Lovecraft entsprungen scheinen, welche Atticus so gerne liest. Von nun an ist ihm auch der surreale Horror auf den Fersen.

„Lovecraft Country“ wird neben Star-Wars-Macher J. J. Abrams auch von Jordan Peele produziert, der mit „Get Out“ 2017 einen weitaus subtileren, aber deshalb nicht weniger verstörenden Schocker in die Kinos brachte. Peele als schwarzer Filmemacher verwandelte die Schrecken der eigenen Geschichte klug in einen beklemmenden und für die Gegenwart relevanten Horrorfilm. Das Genre „Black Horror“ bekam damit auch einen explizit sozialkritische Stoßrichtung. Und erreichte ein Massenpublikum.

Mit HBOs „Lovecraft Country“, einem wilden Mashup aus Monsterfilm und Sci-Fi-Vision, unterlegt mit Musik von Cardi B. und Texten von James Baldwin, wird das Genre konsequent erweitert.

📽 Video | „Deutscher Filmtrailer zu His House“

Darum bemüht sich auch der britische Spielfilm „His House“, der seit Anfang des Monats auf Netflix abrufbar ist. „His House“ erzählt eine Migrationsgeschichte als Horror-Thriller. Bol (Sope Dirisu) und Rial Majur (Wunmi Mosaku) erhoffen sich, in der britischen Vorstadt eine friedliche Heimat zu finden. Was im heruntergekommenen Reihenhaus, das sie beziehen dürfen, vorgeht, zählt zum Standardrepertoire des Paranormalen: Das Inventar bewegt sich, aus den Wänden hört man Stimmen. Draußen erwartet sie Alltagsrassismus, in ihren Köpfen das Fluchttrauma. Einfach zu gehen, ist hier keine Option: Ihr Asylstatus steht auf dem Spiel. (bunt)


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