Prozess in Leoben wegen Zugsunglück - Lokführer angeklagt

Am Mittwoch hat am Leobener Landesgericht der Prozess gegen einen Lokführer begonnen, der ein Zugsunglück am 12. Februar 2018 im Bahnhof Niklasdorf ausgelöst haben soll. Dabei war ein Frau getötet und etwa 30 Menschen verletzt worden. Der Steirer muss sich u.a. wegen grob fahrlässiger Tötung verantworten. Der Lokführer (48) hatte bei der Befragung durch Richterin Sabine Anzenberger Erinnerungslücken. Mit zwei während der Fahrt eingeschalteten Handys habe er nicht hantiert.

Der Staatsanwaltschaft führte aus, der Lokführer sei ohne Zustimmung zur Weiterfahrt ohne aktive Schaltung losgefahren. Er habe auf 84 Prozent der Geschwindigkeitsleistung beschleunigt und sei auf ein rotes Haltesignal ungebremst zugefahren. Durch die folgende Kollision mit einem anderen Zug wurde die Seitenwand aufgerissen. Die Folge war eine Tote, ein Schwerverletzter und rund 30 weitere Leichtverletzte. Dazu komme der große Sachschaden.

Der Verteidiger sagte, sein Mandant habe schon im Ermittlungsverfahren reumütig zugegeben, am Signal vorbeigefahren zu sein. Die Mitschuld liege aber auf Unternehmensebene. Er wolle, dass Gericht und Staatsanwalt zu dem Schluss kämen, dass auch das Unternehmen Verantwortung für die Geschehnisse trage. Einige Unfälle mit Cityjets habe es schon gegeben, aber es habe sich nichts geändert. Sein Mandant habe gestanden, und er sei in den ersten Monaten nach dem Unglück schwer suizidal gefährdet gewesen.

Der Verteidiger sagte, es sei ein bekanntes Phänomen, dass Signale überfahren würden. Das Eisenbahnunternehmen sei verpflichtet, dagegen Maßnahmen zu ergreifen. Man müsse untersuchen, wie es möglich sei, dass der Zugführer aus der Überwachung zwischen Vor- und Hauptsignal herausgefallen sei. Der Bahnhof Niklasdorf sei zudem massiv zugebaut gewesen. Ein vorgeschriebener Schutzweg für den Zug habe gefehlt. Auch das Fehlen eines Zugbegleiters habe sich ausgewirkt, der Lokführer sei alleine gewesen. Es kann nicht sein, dass man sich am Lokführer alleine abputze.

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Richterin Anzenberger sagte: „Über ein Mitverschulden der ÖBB werden wir uns hier nicht unterhalten, das ist hier nicht angeklagt.“ Man urteile hier über grobe Fahrlässigkeit. Die Verbandsverantwortlichkeit (der ÖBB, Anm.) sei hier nicht Thema, der Antrag auf Fortführung eines Verfahrens gegen die ÖBB sei eingestellt worden.

Der Triebfahrzeugführer sagte aus, für jede Strecke gebe es bei Tag und bei Nacht Übungsfahrten in der Ausbildung. Auf der Strecke Friesach-Bruck/Mur fahre er seit 20 Jahren. Er sei an dem Tag im Bahnhof Niklasdorf eingefahren, das Ausfahrsignal sei auf „Halt“ gewesen, dann habe er den Passagierwechsel über Kameras beobachtet und „dann weiß ich leider nichts mehr“. In der Befragung ging es anschließend darum, ob er bestimmte Warnsignale gesehen hatte oder nicht.

Die Richterin meinte, dass der Bahnsachverständige anhand von Skizzen zu dem Schluss kam, dass der 48-jährige Angeklagte die roten Signale wohl nicht nur ignoriert hatte, sondern auch den schon entgegenkommenden Zug hätte sehen müssen. „Ich würde gerne etwas sagen, wenn ich mich erinnern könnte, aber der entgegenkommende Zug ist sehr schwer zu sehen gewesen“, sagte der Obersteirer. „Sie haben voll beschleunigt, haben Sie jemals gebremst?“, fragte die Richtern. „Ich weiß es nicht.“ „Ich sage es Ihnen, Sie haben nicht gebremst, die Zwangsnotbremsung hat der Magnet eingeleitet. Sie hatten zwei Handys - neben dem Tablet mit dem Fahrdienstplan - aktiv eingeschaltet, was haben Sie mit diesen gemacht?“ „Nichts, sie waren in der Jackentasche drinnen“, war seine Antwort.

Anzenberger kam dann auf den Punkt: „Die sind aktiv gelaufen, eines mit irgendeinem olympischen Spiel. Haben Sie gespielt?“ Das habe er sicher nicht. „Ich verstehe das nicht“, sagte die Richterin. Er auch nicht, antwortete der Lokführer. Gut wäre es, wenn ein Kollege - etwa ein Zugbegleiter - im Sinne des Vieraugenprinzips etwa am Bahnsteig bei der Abfahrt anwesend sei. „Aber die Endverantwortung liegt bei Ihnen“, sagte die Richterin. Der Sachverständige wollte wissen, ob er ein von ihm gefahrener Zug jemals automatisch eingebremst wurde. Ja, und das sei gerechtfertigt gewesen, weil er etwas schneller gefahren sei.

Der Staatsanwalt wollte vom Beschuldigten wissen, ob er ein Ereignis am Handy verfolgt habe. Der 48-Jährige gab an, er habe auf einer App Biathlon bei Olympia verfolgt, als er im Bahnhof St. Michael bei der Wende des Zugs von einem Führerstand zum anderen gegangen sei. Er glaube, er sei ziemlich pünktlich im Takt unterwegs gewesen.


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