Pfleghaus Anras wird Amt und Kulturzentrum

Der Bischofs- und Verwaltungssitz von einst soll nächstes Jahr Gemeindeamt und Museum beherbergen. Der aufwändige Umbau startet am Montag.

Schloss Anras, auch „Pfleghaus“ genannt, ist eines der bedeutendsten nicht kirchlichen Baudenkmäler Osttirols.
© Gemeinde Anras

Von Catharina Oblasser

Anras – Das Gemeindeamt des kleinen Ortes Anras im Osttiroler Pustertal wird bald hochherrschaftlich residieren: Der Bürgermeister, drei Angestellte und der Waldaufseher übersiedeln in gut einem Jahr vom alten, beengten Quartier in das so genannten Pfleghaus. Schloss Anras, wie es offiziell heißt, ist ein mächtiger Bau aus dem 12. Jahrhundert, war Sitz des Bischofs von Brixen und des damaligen Rechtspflegers, daher der Name „Pfleghaus“. Die letzten Jahre stand das viergeschoßige Anwesen leer.

„Am kommenden Montag beginnen die Umbauarbeiten“, freut sich Bürgermeister Johann Waldauf. Eine wichtige Neuerung ist der Einbau einer Heizung, die an die Fernwärme-Versorgung des Dorfes angebunden wird. Bis jetzt kann das denkmalgeschützte Haus nur elektrisch geheizt werden. „Wir hoffen, im Herbst 2021 zu übersiedeln“, meint Waldauf, „spätestens im Frühjahr 2022.“

Das Gemeindeamt wird freilich nur den ersten Stock des Pfleghauses beanspruchen. Die oberen Etagen sollen museal und kulturell genutzt werden. „Wir sind gerade beim Ausarbeiten eines Konzepts“, erläutert der Bürgermeister. Dazu wollen die Anraser einen eigenen Verein gründen, der sich um das Programm kümmern soll.

Das Pfleghaus gehört nicht der Gemeinde oder dem Land, sondern der Messerschmitt-Stiftung. Diese will im Erdgeschoß laut Waldauf drei Ferienwohnungen und ein Café errichten. Möglich wird die Sanierung von Schloss Anras durch die Landesgedächtnisstiftung. Die Übereinkunft: Die Gemeinde zahlt der Messer­schmitt-Stiftung eine Miete von 500.000 Euro für 50 Jahre im Voraus. Im Gegenzug fördert die Landesgedächtnisstiftung die Gemeinde mit 450.000 Euro. Der Vertrag mit dem Land wurde in der jüngsten Sitzung von den Anraser Gemeinderäten abgesegnet.

Die Art der Finanzierung hatte schon letztes Jahr Staub aufgewirbelt. Für den Landesrechnungshof war die Förderung des Landes für Anras nicht nachvollziehbar, da das Pfleghaus ja einer Stiftung gehöre. Herwig van Staa, Vorsitzender der Landesgedächtnisstiftung, hatte die Kritik zurückgewiesen.


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