4. Staffel von „The Crown“: Auf Rollschuhen durch den Palast

Heiß ersehnt: Die vierte Staffel von „The Crown“ läuft ab dem Wochenende auf Netflix.

Emma Corrin spielt in der neuen Staffel „The Crown“ eine Lady Diana, die die Öffentlichkeit damals so nicht kennen lernen durfte.
© Netflix

Innsbruck — Vor bald 25 Jahren berichtete Lady Diana in ihrem berühmtesten BBC-Interview über „emotionale Kält­e" am englischen Hof. Offe­n sprach Diana Spencer, die damals bereits zwei Jahre von ihrem Mann Prinz Charles getrennt lebte, von subtiler Oppression, Affären und auch von ihren Selbstverletzungen und ihrer Bulimie.

Dabei begann ihre Liebe zu Charles allzu zauberhaft, versucht jetzt die vierte Staffel von „The Crown" zu illustrieren. Die Netflix-Erfolgsserie, die seit 2016 das Leben von Queen Elizabeth II. in Starbesetzung fortlaufend erzählt und damit bisher laut Senderangaben in 73 Millionen Haushalten weltweit gestreamt wurde, ist in den späten Siebzigern angekommen. Das erste Treffen zwischen Charles (Josh O'Connor) und Diana (Emma Corrin) ist ein verhaltenes: Sie schleicht als Waldfee verkleidet ins Zimmer, wo der royale Gast eigentlich auf ihre Schwester Sarah wartet. Ihre erste Verabredung ist dagegen mehr als steif: Ein Date in der Oper heißt leise Flirts zwischen Arien und Diskussionen über Verdi. Und ehe man es sich versieht, steht Dian­a mit Puffärmeln und Endlosschleppe da — bereit für eine glückliche Ehe.

Nicht nur Lady Di macht Olivia Coleman, die seit Staffel 3 in der Rolle von Elizabeth II. zu sehen ist, in den neuen Episoden Konkurrenz, auch „Akt­e X"-Star Gillian Anderson als Margaret Thatcher überrascht mit starken Auftritten. Immer etwas gebückt, mit tiefer Stimme und maximal toupierten Haaren behauptet sich die Eiserne Lady auf politisch konservativem Terrain. Nur bei der Queen kann sie mit ihrer Härte kaum punkten: Obwohl sich die beiden älteren Damen alle Mühe geben, sich zu verstehen, ihr Verhältnis bleibt bestenfalls unterkühlt.

Während bei Thatcher und der Queen die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten zur unüberbrückbaren Kluft wird, sind es zwischen Diana und der Queen die unterschiedlichen Generationen, die sie trennen. Diana steht für die Moderne, die die Königs­familie der Öffentlichkeit gegenüber nahbarer macht. Die Queen bleibt distanziert. „Ich will doch nur geliebt werden, das ist das, was wir alle von dir wollen", so Dian­a zu ihrer Schwiegermutter.

Für die intimen Momente der Serie sorgt die junge Prinzessin: Emma Corrin spielt Lady Di als jene verletzliche Person, die die Öffentlichkeit in dieser Zeit nicht kennen lernen durfte. Im Übermut tanzt sie durch den Palast und rauscht auf Rollschuhen durch die endlosen Gänge, von Schwermut gezeichnet erbricht die ständig unter Beobachtung Stehende ihre Mittag­essen. Aufgrund der expliziten Bulimieszenen schaltet Netflix eingangs der Folgen sogar Warnhinweise.

Es war ihr wichtig, nah­e an der Vorlage zu bleiben, erzählt Jungstar Corrin in Interviews. „The Crown"-Macher Peter Morgan ist es auch bei seinem vierten Wurf gelungen, die Erzählung möglichst nahe an der Realität anzusiedeln. Trotz aller erzählerischen Freiheit. Gleich in der ersten Folge etwa wird der Zuseher mit dem IRA-Attentat auf Louis Mountbatten, den Schwager der Queen, mit dem schwelenden Nord­irlandkonflikt konfrontiert. „The Crown" schafft es, durch den Royal-Kitsch durchzutauchen, die Serie liefert seit Beginn ein respektvolles, deshalb nicht weniger drastisches Porträt der Adelsfamilie.

Staffel 4 ist übrigens das letzte Mal für Coleman als britische Königin, in den Folgen, die Ende 2021 anlaufen werden, übergibt sie an Imeld­a Staunton. Mit ihr erreicht die Geschichte die Neunziger. Wie wir heute wissen, nicht weniger schicksalhafte Jahre für das britische Königshaus. Genug Stoff sogar für die final­e sechst­e Staffel, die bereits bestätigt wurde. (bunt)


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