Harter Lockdown: Schule und Handel stehen vor einer Zwangspause

Ein Bildungslockdown ab der kommenden Woche wird immer wahrscheinlicher. Die Wirtschaft spricht von einer Katastrophe, sollten die Geschäfte geschlossen werden, und fordert umfangreiche Hilfen.

















Zugesperrt: Ein harter Lockdown droht, Schulen und Handel könnten nächste Woche geschlossen werden.
© Foto Rudy De Moor

Von Manfred Mitterwachauer und Peter Nindler

➡️ Schule

Auf oder zu? Um einen möglichen Bildungslockdown reihte sich gestern im Laufe des Tages aus Wien ein Gerücht an das andere. Letztlich mehrten sich aber doch die Meldungen derer, die davon sprachen, Kanzler Sebastian Kurz (VP) habe sich mit seinen strikten Schließungswünschen gegen den Koalitionspartner Grüne und Bildungsminister Heinz Faßmann (VP) durchgesetzt. Die eindringlichen Offenhalte-Appelle aus der Wirtschaft, von Ärzten und Bildungsexperten dürften ebenso wenig bei Kurz gefruchtet haben wie zuletzt die klaren Empfehlungen der Corona-Ampelkommission. Folglich würden sich mit kommender Woche nach der Oberstufe auch die Pflichtschulen erneut in das „Distance Learning" begeben. Auch die Kindergärten könnten zugedreht werden.

An den Spekulationen beteiligen wollte sich gestern der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Pflichtschullehrer, Paul Kimberger, im TT-Gespräch nicht. Er hielte einen „Schichtbetrieb" für eine „gute Lösung". Also: weiter Präsenzunterricht, jedoch in verkleinerten Gruppen, verteilt auf unterschiedliche Tageszeiten und — wo möglich — auch in externen Räumlichkeiten untergebracht. Letzteres ist auch ein Punkt eines schärferen Hygienepakets aus dem Bildungsministerium, um einen kompletten Schullockdown doch noch zu verhindern, die TT berichtete. Weiters hätte selbiges einen entzerrten Unterrichtsbeginn, Maskenpflicht für 10- bis 14-Jährige im Unterricht und „freiwilliges Home-Schooling" umfasst.

Es braucht eine gute Balance zwischen mehr Sicherheit und einer Kontinuität in der Pädagogik.
Lehrergewerkschafter Paul Kimberger


So oder so brauche es mehr Schutz im Schulbereich, sagt Kimberger: „Kinder sind sehr wohl Teil des Infektionsgeschehens." Der Lehrkörper sei bereits „am bzw. über dem Limit", die aktuellen Zustände „nicht mehr tragbar".

Für die Pflichtschüler würde ein harter Lockdown wieder Fernunterricht bedeuten.
© iStockphoto

Jedoch erinnert Kimberger daran, dass die Schulen auch im Lockdown im Frühjahr „nie geschlossen waren". Wer zu betreuen war, wurde an den Schulen auch betreut. Dies würde auch jetzt der Fall sein. Ob alternativ die Ferienverordnung gelockert werden soll, wie eine weitere Kompromissformel lautet, darauf ging Kimberger nicht ein.

Die Unsicherheit an den Schulen ist jedenfalls groß. Manche gaben den Schülern bereits Donnerstag und Freitag sicherheitshalber ihre Lernmaterialien mit nach Hause, sollte der Unterricht vor Ort bereits am Montag eingestellt sein. Eine Tiroler Online-Petition für die Schul-Offenhaltung stand gestern Abend nach nur zwei Tagen bei über 4100 Unterstützern.

Die ersten Gurgeltests im Zuge eines Schulmonitorings ergaben nun, dass 40 von rund 10.000 Teilnehmern positiv waren.

➡️ Handel

Für Tirols Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser (ÖVP) wäre ein Zusperren des Handels eine Katastrophe. „Nach dem Lockdown für die Hotellerie und die Gastronomie bricht dann dem Handel das so wichtige Weihnachtsgeschäft weg." In den Tourismusregionen leide der Handel bereits, jetzt würde es die Geschäfte in den Ballungsräumen treffen. Wie in der Gastronomie fordert Walser für diesen Fall einen Umsatzersatz von 80 Prozent. „Mit einem Fixkostenzuschuss lassen sich die Geschäftsbetreiber sicher nicht abspeisen, dann werden sie wohl auf die Straße gehen."

Der Handelsverband, die freiwillige Interessenvertretung von rund 3000 Händlern, pocht ebenfalls auf „gute und rasche" Hilfen. „Wir befürchten ein Händlersterben von 6000 Geschäften", sagt Geschäftsführer Rainer Will. Der aktuelle „Lockdown light" habe bereits bei vielen Händlern, etwa im Bereich Textil, Schmuck, Sport und Lebensmittelgroßhandel, zu massiven Umsatzeinbrüchen geführt.

Mit einem Fixkostenzuschuss lassen sich die Geschäftsbetreiber sicher nicht abspeisen.
WK-Präsident Christoph Walser

Im Handel arbeiten 580.000 Personen. Rund ein Viertel der unselbstständig Beschäftigten in Österreich sind im Einzel-, Groß- und Kfz-Handel beschäftigt. „Sollte es zum vollen Lockdown kommen, wäre das für den Handel existenzbedrohend", so Wirtschaftskammer-Handelsobmann Rainer Trefelik. Es benötige „umfangreiche Unterstützung", weil das wichtige Weihnachtsgeschäft auf dem Spiel stehe. Sollte es zur Schließung — mit Ausnahme von Lebensmittelmärkten, Apotheken, Drogerien und Trafiken — kommen, fordert der Wirtschaftskammervertreter, dass die Lieferung sowie Abholung von Waren bei den Geschäften erlaubt bleiben müsse.


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