Vor dem Lockdown gingen viele in Innsbruck noch shoppen

Schon vor der Bekanntgabe der verschärften Covid-Einschränkungen nützten viele noch einmal die Gelegenheit zum Einkaufen.

Die letzte Shopping-Gelegenheit vor dem Lockdown ließen sich am Samstag viele nicht entgehen.
© Foto Rudy De Moor

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – „Bei uns ist heute deutlich mehr los als zuletzt“, erzählt die Interspar-Kassiererin im Einkaufszentrum Dez: „So viel wie schon lange nicht mehr.“ Eine Folge der anstehenden Verschärfung des zweiten Lockdowns – noch vor der Regierungserklärung sind die durchgesickerten Meldungen über die Schließung von Geschäften, Schulen etc. in aller Munde.

Auch Andrea, Angela und Verena aus Wattenberg gingen noch schnell Babykleidung kaufen.
© Foto Rudy De Moor

„Wir sind heute noch schnell Babysachen besorgen gegangen“, erzählen die drei Wattenbergerinnen Andrea Prem, Angela Hanser und Verena Oberladstätter vor dem Einkaufszentrum: „Wir haben Nachwuchs in der Familie. Wer weiß, wann wir wieder einkaufen können.“ Ohne die Aussicht auf verschärfte Covid-Maßnahmen „wären wir heute nicht im Dez“, so das Trio.

Die Wattenbergerinnen sind nicht die Einzigen, die den Traumtag im Kunstlicht verbringen. Das bestätigt auch Dez-Manager Helmut Larch: „Heute ist mehr los als zuletzt, wir sind gut besucht. Die Leute wollen das Shoppingerlebnis genießen. Sie wissen ja nicht, wann das wieder möglich ist.“ Die Sorge überwiegt allerdings seine Freude: „Für den Handel ist das neuerliche Zusperren eine Katastrophe.“

Geschäfte locken mit Rabatten

Einige Geschäftsbetreiber versuchen, mit Rabatt­aktionen noch schnell die Regale und Lager zu leeren. „50 Prozent auf alles“ sorgen für Warteschlangen vor den Eingängen. Mitarbeiter achten darauf, dass für die Babyelefanten ausreichend Platz bleibt – nur wenn jemand rauskommt, darf ein neuer Kunde rein.

TT-ePaper testen und eine von drei Gasser Tourenrodeln gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die TT verlost drei Gasser Tourenrodeln und 50 Thermosflaschen
Einige Geschäfte sorgten mit großzügigen Rabatten für Warteschlangen
© Fellner R.

Ruth Plank, Geschäftsführerin bei einer Schmuckhandelsfirma, macht sich ebenfalls Sorgen wegen der Verschärfung des Lockdowns: „Das Unternehmen, bei dem ich arbeite, leidet weltweit unter der Corona-Krise.“ Für die weiter verschärften Maßnahmen der Regierung hat sie allerdings Verständnis. Schuld seien die Leute, die die Covid-Pandemie nicht ausreichend ernst nehmen. „Da muss man nicht auf die Jungen schimpfen, die Alten sind auch nicht besser“, weiß sie aus Erfahrung. Fast täglich „werde ich im Geschäft angepflaumt, wenn ich Leute bitte, die Masken gescheit zu tragen“. Beim ersten Lockdown im Frühjahr sei das Bewusstsein für die Gefahr stärker gewesen. Nicht nur im Dez ist der Andrang am Samstag groß. Auch vor dem Recycling-Hof in Stadtteil Rossau bildet sich ein Stau – viele wollen offenbar noch schnell ihren Sperrmüll loswerden, bevor sie wieder wochenlang darauf sitzenbleiben.

Verlassene Altstadt

Szenenwechsel: Die Innsbrucker Altstadt wirkt wie das Kontrastprogramm zum Dez. Die Gassen sind Samstagmittag fast so leer wie während der Ausgangssperre im Frühling. Leer ist auch schon so manches Schaufenster – die Betreiber haben aufgegeben. „Hier fehlen vor allem die Touristen“, meint Galerie-Mitarbeiterin Isabella Sailer. Und das nicht erst seit Beginn des zweiten Lockdowns Anfang November. Die 26-Jährige hat zwar keine Freunde mit den Ausgangsbeschränkungen, aber doch Verständnis. Private Feste meidet sie, aber trotz abendlicher Ausgangssperre „finden die natürlich statt“, weiß die junge Frau.

Die Innsbrucker Altstadt – zeitweise fast so verlassen und leer wie beim ersten Lockdown im Frühling.
© Foto Rudy De Moor

In der Maria-Theresien-Straße ist deutlich mehr los als in der Altstadt. Die Leute flanieren, spazieren, genießen auf den Stufen der Annasäule die Herbstsonne mit einem Macchiato „to go“ oder machen in kleinen Gruppen „einen Ratscher“. So auch Vincenzo Caria, Wahltiroler aus Sardinien, der mit seiner Freundin noch einmal vor der Ausgangssperre das Leben in der Stadt genießen will. „Ich hoffe nur, dass die Maßnahmen diesmal so klar formuliert sind, dass sie die Menschen auch verstehen“, sagt der Geschäftsführer des Innsbrucker Lokals Sapori.

Ein Verständnisproblem gibt’s offenbar auch vor einem Supermarkt in der Museumstraße. Im Eingangsbereich signalisiert eine Ampel, ob noch Platz für Kunden ist. Dass diese Ampel durchgehend auf Rot steht, hält kaum einen Besucher vom Einkauf ab. Wenn doch einer – meist irritiert – vor dem Eingang stehen bleibt, bildet sich schnell eine immer lauter murrende Schlange.


Kommentieren


Schlagworte