Was der harte Lockdown für den Sport bedeutet

Harter Lockdown ab Dienstag: Jetzt wurden auch die letzten Schlupflöcher geschlossen, organisierter Sport auf Breiten- und Amateur-Niveau muss ruhen.

Der Amateur- und Breitensport bleibt im Lockdown, Sport in Eigenregie ist vorerst das Gebot der Stunde.
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Von Florian Madl

Innsbruck – Was hilft es, dass Breiten- und Amateursport laut Berechnungen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) nur zu nicht einmal einem Prozent für eine Cluster-Bildung in Sachen Corona verantwortlich ist: Auch der organisierte Sport muss auf Breiten- und Amateur-Niveau in den Lockdown. Und selbstredend: der Sport in kleinen und größeren Gruppen (siehe Kasten rechts). Keine Lauftreffs, kein Tennis-Einzel im Freien. Es hat sich – Eigeninitiativen ausgenommen – ausgesportelt, überraschend kam das nicht.

Es schlagen zwei Herzen in der Brust von Österreichs Skiverbands-Präsident Peter Schröcksnadel. Das eine ist „beruhigt, dass der Spitzensport weitergeht“. „Wir brauchen den dringend als Vorbildwirkung für die Jugend“, ergänzt der ungeachtet seines Alters bewegungshungrige 79-Jährige. Doch den Lockdown für die Kinder und Jugendlichen zu verstehen fällt im angesichts der Statistik schwer.

Dass der Spitzensport weitergeht, beruhigt mich. Es geht um die Vorbildwirkung.
ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel

An die Maßnahmen wird sich Schröcksnadel, der somit nicht um den Heimweltcup in Zürs/Lech (26./27.11.) bangen muss, wie immer peinlich genau halten. Was der Unternehmer den politisch Verantwortlichen empfiehlt: „Man muss die Leute bei der Maßnahmensetzung mitnehmen, damit sie es verstehen.“

Der Tiroler Philipp Trattner, Sektionschef im Ministerium und damit höchster Sport-Beamte Österreichs, bemühte sich in den vergangenen Tagen an der Seite von Vizekanzler Werner Kogler in den Verhandlungen. Dass Profis weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen, liegt für ihn auf der Hand: „Gerade der Spitzensport führt ein hohes Ausmaß an Testungen durch, jeder Verband hat ein Präventionskonzept. Das hat bisher gut funktioniert.“ Ein Indiz sei die heimische Eishockey-Liga, die aufgrund von positiven Fällen zwischenzeitlich aussetzte.

Österreichs Sport im Lockdown

Gültigkeit: bis 6. Dezember.

Erlaubt: Bewegung an der frischen Luft und mit Menschen im gemeinsamen Haushalt.

Verboten: Sport-Veranstaltungen, Kontaktsportarten (u. a. Fußball).

Geschlossen: Sportstätten für Hobbysportler (auch wenn kein Körperkontakt erfolgt, u. a. Leichtathletik-Anlagen, Eislaufplätze); Fitnessstudios, Hallenbäder.

Ausgenommen: Spitzensportler und ihre Trainer, die ihren Sport beruflich ausüben oder an internationalen Wettbewerben teilnehmen.

Neu: Profis können ihrem Sport selbst in Teams künftig auch nachgehen, wenn sie positiv getestet, aber wohl nicht mehr ansteckend sind. Sie können Sportstätten auch nach einem positiven Test betreten, wenn 48 Stunden Symptomfreiheit vorliegen und aufgrund der Laborbefunde keine Ansteckungsgefahr mehr besteht.

Tirols Fußballverbandspräsident Josef Geisler atmete auf: „Wichtig ist, dass der Spitzensport weitermachen kann.“ Und auch für die Tiroler Fußball-Akademie freut den Zillertaler die Fortsetzung des Spielbetriebs, denn sonst wäre es „für die Entwicklung der sportlichen Talente fatal“. Was Geisler schade findet: „Dass es uns nicht gelingt, die Kinder in Bewegung zu halten.“ Online-Trainings seien auf Dauer „nur bedingt tauglich“.

Reinhard Kessler, Präsident des Tiroler Leichtathletikverbands, zeigte sich enttäuscht: „Ich bin kein Experte. Aber was soll auf Sportplätzen, wo man mit entsprechendem Abstand trainieren kann, passieren?“

Hans Niessl, Präsident von Sport Austria und damit ein Schirmherr über alle Verbände hinweg, reagierte auf die neuen Bestimmungen zurückhaltend: „Da wir die aktuell einfach zu hohen Infektionszahlen rasch reduzieren müssen, appelliere ich an die Bevölkerung und insbesondere an unsere 2 Millionen Sportvereinsmitglieder, die Maßnahmen der Regierung einzuhalten – und sich ausreichend zu bewegen.“ Seine Forderung: ehebaldigst wieder hochzufahren, wenn es die Infektionszahlen erlauben.


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