Buchhalter nach 33 Jahren einfach gefeuert: Klage erfolgreich

Nach Veruntreuungen durch einen Autoverkäufer sollte auch gleich der langgediente Buchhalter ohne Abfertigung gehen. Die Entlassung hielt einer Klage jedoch nicht stand.

Dienstgeber verlangen laut GPA-djp Tirol bei einvernehmlichen Kündigungen die Auflösungsabgabe vom betroffenen Dienstnehmer.
© PantherMedia

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Seit August 2018 war es in einem Tiroler Autohaus nicht mehr ganz mit rechten Dingen zugegangen. So hatte sich bei den Lagerfahrzeugen und Zahlungseingängen ein Schwund eingestellt. Aufgrund des Vertriebs mehrerer Marken ist dies der Geschäftsführung jedoch erst Monate später aufgefallen. Das nicht ordnungsgemäß verbuchte Kundengeld war bis dahin vom untreuen Autoverkäufer schon lange verbraucht worden. Dieser wurde darauf natürlich sofort fristlos entlassen. Am Landesgericht wurde der Missetäter nun wegen angeklagter Veruntreuung von 23.500 Euro letztlich zu einer Geldstrafe von zur Hälfte bedingten 12.000 Euro verurteilt.

Durch seine Taten hat er jedoch anderen noch weiteren Schaden zugefügt. War im Zuge der Nachforschungen rund um die Verbuchungen eines Fahrzeugverkaufs am Ende doch auch der Chefbuchhalter der Firma einfach gleich mitentlassen worden. Über 33 Jahre hatte der Mann zuvor ohne Beanstandung im Unternehmen tadellose und routinierte Arbeit verrichtet – und hatte sich natürlich auch schon einen schönen Abfertigungsanspruch erworben. Am Ende stand letzten Sommer jedenfalls die fristlose Entlassung.

Entlassung hielt vor Gericht nicht Stand

Argumentation des Autohauses: Der Chefbuchhalter hätte sich bei der Abwicklung des Fahrzeugverkaufs im Zuge der Datenerfassung nicht an den vorgegebenen Ablauf gehalten. Dies hätte die Veruntreuung erst möglich gemacht oder zumindest dafür gesorgt, dass der Fall erst nach Monaten aufgefallen ist.

Da sich der langjährige Mitarbeiter keinerlei Schuld bewusst war, reichte er gegen die Entlassung Klage am Arbeitsgericht ein. Weder habe er jemals ein Verhalten gesetzt, dass die kriminellen Handlungen des Verkäufers begünstigt hätte, noch sei er für ein Organisationsverschulden des Betriebs verantwortlich, das diesen Vorfall erst so zeitversetzt ans Licht gebracht habe. Dazu offenbarte der nunmehrige Kläger vor Richter Benjamin Dobler auch, dass an den Vorwürfen nicht einmal einfachste Fakten stimmen würden. So sei er für die betroffene Automarke ja gar nie zuständig gewesen und habe sich zum Zeitpunkt des Verkaufs nachweislich im Urlaub befunden.

Die Befragung des Geschäftsführers und dessen Stellvertretung am Landesgericht bestätigte für das Arbeitsgericht die Position des Klägers. So hatten sich die Führungskräfte über die genauen Verbuchungsabläufe im Betrieb laut Urteil selbst in Widersprüche verwickelt und der geschasste Buchhalter wäre die einzig sichere Auskunftsperson dazu gewesen.

Kein Fehlverhalten zu belegen

Auch sonst war keinerlei Fehlverhalten zu belegen, sodass die Entlassung nicht nur ungerechtfertigt, sondern auch keinesfalls unverzüglich nach Erkennen des Missstands, also verspätet ausgesprochen worden war. Das Gericht: „Ausgehend vom festgestellten Sachverhalt ist ein Entlassungsgrund nicht festzumachen. Zusammengefasst wurde daher die in Frage stehende Entlassung des Klägers unberechtigt ausgesprochen und ihm stehen damit die Klagsansprüche vollumfänglich zu.“

Heißt für die Firma erst einmal die Begleichung von Prozesskosten über 21.690 Euro an den ehemaligen Mitarbeiter. Dazu muss das Unternehmen dem Ex-Buchhalter nun doch 12 Monate Abfertigung, sechs Monate Kündigungsentschädigung und Urlaubs­entschädigung bezahlen, ohne von dessen Arbeitskraft seit der vorschnellen Entlassung profitiert zu haben. Der Schaden ist aber trotzdem noch doppelt so groß. Der Endfünfziger hat nämlich bis heute keine Arbeit mehr gefunden.


Kommentieren


Schlagworte