"Arbeitsmarkt-Katastrophe": Erste Rufe nach drittem Hilfspaket

Sozialpartnerschaft in Tirol ist in Alarmbereitschaft. Der Ausblick auf das kommende Jahr wird düsterer.

Feierabend: Bis zum 6. Dezember muss der Großteil des Handels wieder schließen.
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Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Ein Hilfs- und zwei Konjunkturpakete hat der Tiroler Landtag bereits beschlossen. Den 630 Millionen aus dem Frühjahr folgten im Herbst (zumindest auf dem Papier) weitere 169 Millionen aus dem Landestopf. Diese werden aber erst 2021 schlagend. So war der Plan. Lange vor der Verkündung des zweiten Voll-Lockdowns.

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Das erneute Herunterfahren Österreichs mit morgen ändert alles. Da ist sich die Sozialpartnerschaft in Tirol einig. „Wir steuern mit Volldampf auf eine Arbeitsmarkt-Katastrophe zu“, warnt ÖGB-Tirol-Vorsitzender Philip Wohlgemut eindringlich. Wer nicht „besorgniserregende Weihnachten“ feiern wolle, müsse schon heute damit beginnen, alles daranzusetzen, Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen. Für Wohlgemut ist deshalb „ein drittes Konjunkturpaket mit Schwerpunkt Regionalität und Armutsbekämpfung“ unerlässlich, richtet er LH Günther Platter (VP) aus. Der ÖGB beharrt weiter auf einem „Tirol Scheck“, um die heimische Wirtschaft zu stärken.

Die Wirtschaft blickt düster ins kommende Jahr.
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Die Wirtschaftskammerpräsidenten beriefen gestern Nachmittag eine Krisensitzung per Videokonferenz mit WKO-Präsident Harald Mahre­r ein. WK-Tirol-Chef Christoph Walser erneuerte gestern seine Kritik an den nach Branchen unterschiedlich gestaffelten Umsatz-Entschädigungen: „Da ist kein System dahinter.“ Walser hielte es für besser, wie schon im Frühjahr das Auf- und Zusperren der Geschäfte von deren Größe (Kundenfläche) abhängig zu machen. Sein Blick Richtung 2021 verdüstert sich. Dann, wenn die Zahlungs-Stundungen für Betriebe auslaufen: „Das wird ein Desaster.“ Speziell in Tirol, wo der Handel stark vom Tourismus abhänge: „Diese Summe an Problemen werden viele Betriebe nicht überleben.“ Dass weitere Hilfen notwendig werden, sei selbstverständlich, sagt Walser. Ob aber ein drittes Konjunkturpaket Linderung schaffen kann? „Wer keine Kohle hat, kann auch nichts investieren – da beißt sich die Katze in den Schwanz.“

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Auch AK-Präsident Erwin Zangerl graut schon ein wenig vor dem ersten Quartal 2021: „Die Wirtschaft muss über die Runden kommen, damit die Arbeitsplätze erhalten bleiben.“ Erneute Einbußen müssten beide Seiten erst verkraften: „Wir werden in den nächsten Tagen schauen müssen, wohin die Reise geht.“


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