Ainet: Erstes Nasslager Tirols hält überzähliges Holz frisch

Sturm und Schnee setzten 2018 und 2019 dem Osttiroler Wald zu. Da so viel Holz nicht verkauft werden kann, bleibt es einstweilen im Lager.

Mit gezielter Beregnung können im Nasslager in Ainet 65.000 Kubikmeter Holz in Frische und Qualität erhalten werden.
© Land Tirol

Ainet – Ein Baumstamm nach dem anderen wandert zurzeit auf eine 2,2 Hektar große Fläche in der Gemeinde Ainet, wird dort aufgestapelt, gesichert und mit Wasser besprüht. Das Holz stammt aus Osttiroler Wäldern, die in den letzten Jahren enorm in Mitleidenschaft gezogen worden sind: einmal vom Sturmtief „Vaia“ Ende Oktober 2018, ein zweites Mal nur ein gutes Jahr später, als Schneekatastrophe „Ingmar“ die Stämm­e wie Streichhölzer knickte. Unter „Vaia“ hatten mehr als 1000 Waldbesitzer zu leiden, und „Ingmar“ schädigte sogar über 2400 Personen.

Für so viel Holz auf einmal einen Abnehmer zu finden, war nicht möglich. Die Bäume im Wald liegen zu lassen aber auch nicht, da sie sonst bloß ein Festmahl für Borkenkäfer und andere Schädlinge geworden wären. Da kam die Idee, ein Zwischenlager mit Qualitätssicherung zur errichten, gerade recht. So entstand Tirols erstes Nasslager für schnittfähiges Schadholz.

Die Aufarbeitung des Schadholzes nach den Unwettern 2018 und 2019 kostete viel Schweiß, fast alle Osttiroler Gemeinden waren betroffen.
© Land Tirol

Die Gemeinde Ainet bei Lienz stellte den Grund zur Verfügung, die Waldgenossenschaft Iseltal kümmert sich um die Abwicklung. Feuchtigkeit ist das Um und Auf, wenn man die Holzqualität erhalten will. „Beregnet wird nach einem ausgeklügelten System, das Temperatur und Sonneneinstrahlung ebenso berücksichtigt wie Windgeschwindigkeit und Windrichtung“, erklärt Mario Sinn, Geschäftsführer der Waldgenossenschaft. Jeder der 25 Beregnerköpfe kann einzeln angesteuert werden.

Platz für 65.000 Kubikmeter

Mittlerweile ist die Einrichtung im Vollbetrieb, mehr als 20.000 Kubikmeter Holz sind bereits auf den Flächen neben der Bundesstraße gestapelt. Insgesamt haben 65.000 Kubikmeter Platz. Aus dieser Menge könnte man 300 Einfamilienhäuser in Holzbauweise errichten.

„Von diesem Nasslager profitieren alle Osttiroler Waldbesitzerinnen und Waldeigentümer“, sagt LHStv. Josef Geisler. Nicht nur Mitglieder, sondern jeder, der mit der Waldgenossenschaft zusammenarbeiten will, kann das Lager nutzen. Das Land nahm dafür eine Million Euro in die Hand, insgesamt wurden infolge der Unwetter drei Millionen an forstlichen Fördermitteln eingesetzt.

„Unser Ziel ist es, den Holzfluss aus dem Wald aufrechtzuerhalten und die Wertschöpfung in der Region zu halten“, erklärt Christian Brugger, Obmann der Waldgenossenschaft Iseltal. Derzeit wird laufend angeliefert. Im Frühjahr des kommenden Jahres – so hofft man – wird dann wieder Holz aus dem Nasslager in Richtung Sägeindustrie gehen. (TT, co)


Kommentieren


Schlagworte