Nicht finanzierbar: Stadtchefin will Wave in Wörgl zusperren

Fraktionsführer berieten gestern über die Zukunft des Wörgler Bades. Alleine kann die Gemeinde die „regionale Infrastruktur“ nicht mehr finanzieren.

„Ich tendiere zur Schließung. Es geht sich finanziell nicht aus.“ BM Hedi Wechner
(Liste Hedi Wechner)
© Otter

Von Jasmine Hrdina

Wörgl – Zusperren und verkaufen oder sanieren? Gestern Abend trafen sich die Fraktionsführer des Wörgler Gemeinderats, um über die Zukunft des Erlebnisbades Wave zu diskutieren. Der gemeinsame Tenor: Alleine wird die Gemeinde das Bad in der aktuellen Form (Erlebnis-, Wellness-, Sportbereich und Freischwimmbad) nicht mehr finanzieren können. Nach 17 Jahren Betrieb stehen gröbere Bauarbeiten an. Verschiedene Szenarien mit Investitionskosten zwischen fünf und zehn Mio. Euro sind denkbar (die TT berichtete). Geld, das die Gemeinde in den Augen von BM Hedi Wechner (Liste Hedi Wechner) nicht hat. „Ich tendiere zur Schließung. Es geht sich finanziell nicht aus“, erklärt die Bürgermeisterin und redet gar von einer möglichen Insolvenz.

Sie fasst ein Freischwimmbad als Alternative „dringend ins Auge“. Wie man dieses angesichts des Sparkurses der Stadt und „dringender Projekte wie Schul- und Kindergartenerweiterung“ (Zitat Wechner) finanzieren will, dazu schwieg sie gestern.

Ganzjähriges Angebot für Schüler und Vereine gefordert

Keine befriedigende Lösung wäre das für GR Andreas Taxacher (Team Wörgl). Er plädiert für ein ganzjähriges Angebot für Schüler und Vereine. Vom Schießstand bis zum Fußballplatz – „Sportstätten sind nie positiv in der Bilanz“, spricht er von einer Grundsatzentscheidung für Wörgl: „Will man, dass die Kinder hier in der Freizeit Sport betreiben, oder nicht?“

Für Sportreferent VBM Hubert Aufschnaiter (Bürgerliste Wörgler Volkspartei) ist die „Zeit für eine Entscheidung noch nicht reif“. Er will ein Konzept am Tisch sehen, wie der Schwimmsport in Wörgl weiter Bestand haben kann.

Private Investoren ins Boot holen?

VBM Mario Wiechenthaler (Freiheitliche Wörgler Liste) sieht „wenig Licht am Horizont“. Möglich sei eine vielfach gewünschte Finanzierungsbeteiligung umliegender Gemeinden nur indirekt über die Vereine. „Wörgl zahlt auch nicht bei der Kundler Eishalle mit.“ GR Michael Riedhart (Junge Wörgler Liste) meint, viele der Sanierungsarbeiten könne man noch Jahre hinauszögern und derweil Investoren – auch private – ins Boot holen. 500.000 Euro an öffentlichen Geldern flossen heuer für dringende Sanierungsarbeiten. „Das Bad nun zu schließen, wäre ein Wahnsinn“, sagt Wiechenthaler.

Auch GR Richard Götz (Wörgler Grüne) hofft auf Finanzhilfe von außen. Dass andere Projekte der Stadt wegen des Bades zu kurz kommen, ist für ihn aber nicht tragbar. Er will die Wörgler mittels Volksbefragung mitentscheiden lassen. Wechner lehnt dies im Gespräch mit der TT ab. „Wir wurden gewählt, um zu entscheiden. Das Thema ist zu schwerwiegend, um es auf die Leute abzuwälzen.“

Über die Zukunft des Wave wird der Gemeinderat in einer Sondersitzung nach dem Lockdown entscheiden.


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