Corona: Globales Impfstoff-Rennen im vollen Gange

Im globalen Rennen um einen Corona-Impfstoff hat ein weiteres Forschungsprojekt einen großen Erfolg gemeldet. Das Mittel des US-Biotechkonzerns Moderna zeigte nach Angaben des Unternehmens in einer Zwischenanalyse eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent beim Schutz vor Covid-19. Moderna erwarte, in den kommenden Wochen in den USA eine Notfallgenehmigung beantragen zu können. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA leitete am Montag einen beschleunigten Zulassungsprozess ein.

Moderna ist der zweite große US-Pharmakonzern, der innerhalb einer Woche positive Daten aus der zulassungsrelevanten Studie mit einem Corona-Impfstoff vorlegt. Am vergangenen Montag hatten die deutsche Biotechfirma BioNTech und ihr US-Partner Pfizer als weltweit erste Unternehmen einen Erfolg aus ihrer entscheidenden Studie veröffentlicht. Demnach bot ihre Impfung einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19, noch in diesem Monat ist der Antrag für eine Notfallgenehmigung in den USA geplant. In den Vereinigten Staaten könnten damit noch im Dezember zwei Corona-Impfstoffe auf den Markt kommen.

Die EU-Kommission verhandelt derzeit nach eigenen Angaben mit Moderna über die Lieferung von bis zu 160 Millionen Impfdosen. Ein Vertrag wurde aber noch nicht geschlossen. Mit BioNTech/Pfizer hatte die EU-Kommission für die EU-Staaten in der Vorwoche einen Rahmenvertrag über den Bezug von bis zu 300 Millionen Dosen gebilligt.

Der Impfstoff von Moderna kann vor allem mit Haltbarkeitsvorteilen gegenüber der BioNTech-Impfung punkten. Er benötigt keine ultrakalte Lagerung und kann damit einfacher ausgeliefert werden. Moderna erwartet, dass er bei Temperaturen von zwei bis acht Grad Celsius 30 Tage lang stabil ist und bis zu sechs Monate bei minus 20 Grad Celsius gelagert werden kann. Der Impfstoff von BioNTech und Pfizer muss dagegen bei minus 70 Grad versendet und gelagert werden, bei normalen Eiskastentemperaturen kann er fünf Tage gelagert werden.

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Beide Impfstoffe basieren auf der sogenannten Boten-RNA (mRNA), die die den menschlichen Zellen die Information zur Bekämpfung von Krankheitserregern vermitteln soll. Ein solcher Impfstoff soll schneller in großem Maßstab hergestellt werden können als herkömmliche. Er benötigt aber eben auch eine höhere Kühlung. BioNTech arbeitet bereits daran, die Haltbarkeit seines Impfstoffes zu niedrigeren Temperaturen zu verlängern.

Die Phase-III-Studie zum RNA-Impfstoff mRNA-1273 von Moderna umfasst insgesamt 30.000 Probanden. Die Hälfte davon hat den Impfstoff erhalten, die andere Hälfte fungiert als Kontrollgruppe und bekommt ein Placebo-Mittel. Insgesamt erkrankten bisher 95 Studienteilnehmer an der Krankheit Covid-19. Davon entfielen nur fünf Fälle auf die tatsächlich geimpften Probanden, 90 Fälle wurden in der Kontrollgruppe diagnostiziert. Daraus errechnet sich eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent.

Bei den Probanden traten laut Moderna nur milde bis moderate Nebenwirkungen auf. Ein signifikanter Anteil der Freiwilligen hatte jedoch nach Einnahme der zweiten Dosis stärkere Schmerzen. Daten, zu welchem Grad mRNA-1273 eine Ansteckung verhindert, gibt es bisher nicht. Für den vollen Impfschutz sind zwei Dosen in zeitlichem Abstand notwendig.

Der renommierte US-Immunologe und Corona-Experte Anthony Fauci reagierte begeistert auf die Daten von Moderna. „Besser wird es nicht - 94,5 Prozent sind wirklich hervorragend“, sagte Fauci. Seiner Einschätzung zufolge könnten die ersten Impfungen in den USA im Dezember bei Hochrisikogruppen beginnen, der breite Rest der Bevölkerung könnte eher ab Ende April dran sein. „Und das wird in den Mai, Juni und Juli hineingehen. Das wird ein paar Monate dauern.“

Moderna will nach eigenen Angaben bis Ende des Jahres bereit sein, im Falle einer Zulassung rund 20 Millionen Impf-Dosen in die USA zu liefern. Im kommenden Jahr sollen bis zu eine Milliarde Dosen hergestellt werden. Zwar haben schon Länder wie Russland, China und kürzlich erst Bahrain Impfstoffe mit Einschränkungen freigegeben und impfen damit bereits Teile der Bevölkerung. Aber wie gut diese Impfungen tatsächlich schützen und welche Nebenwirkungen sie haben können, ist derzeit weitgehend offen.


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