Schlierenzauer will es ganz nach oben schaffen: In der Ruhe liegt nicht nur Kraft

Die ÖSV-Adler mit Stefan Kraft als Zugpferd heben heute in Wisla (POL) in die neue Saison ab. Gregor Schlierenzauer (30) will geduldig bleiben und träumt davon, noch einmal ein Weltcupspringen zu gewinnen.

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Von Benjamin Kiechl

Innsbruck, Wisla – Es ist für Gregor Schlierenzauer wieder einmal eine neue Situation. „Stimmt“, sagt der Stubaier, auf den neuen ÖSV-Cheftrainer angesprochen. Mit Andreas Widhölzl verbinden den 30-Jährigen, der mit 53 Weltcupsiegen Rekordspringer ist, viele gemeinsame Erinnerungen. „Er ist der erste Trainer, der selber noch mit mir gesprungen ist. Wir sind auf einer Wellenlänge und die Zusammenarbeit ist sehr respektvoll und harmonisch“, erzählt Schlierenzauer.

Für den Weltcupauftakt im polnischen Wisla (heute Qualifikation, morgen Teambewerb, Sonntag Einzel) hat sich der ehrgeizige Springer („Das Feuer brennt wie früher“) einen Top-15-Platz zum Ziel gesetzt. „Es ist nicht meine Lieblingsschanze, da habe ich mich immer schwergetan.“

Wenn der Tiroler weiter auf die durch Corona-Wolken getrübte Saison blickt, hat er eine Vision: „Mein Ziel ist, noch einmal ein Weltcupspringen zu gewinnen. Ich will es ganz nach oben schaffen!“ Denn, so Schlierenzauer vielsagend: Die Geschichte sei noch nicht zu Ende erzählt.

Das einstige Skisprung-Wunderkind (Premierensieg 2006 mit 16 Jahren) wartet nun seit fast sechs Jahren auf einen Triumph. Der letzte gelang am 6. Dezember 2014 in Lillehammer. Die Arbeit mit Mentor Werner Schuster trägt Früchte, betont der Fulp­mer. Als Vierter in Nischni Tagil (RUS) und Sechster am Berg-isel konnte er in der Vorsaison überraschen. Anstatt sich wie früher oft in (Material-)Details zu verzetteln, wirkt er derzeit abgeklärt und ruhig. „Ich habe meine sieben Zwetschgen beisammen.“

Schlierenzauer hat in der Sommervorbereitung Kraft getankt. Eine Augen-OP und ein lästiger Infekt konnten ihn dabei nicht stoppen. Mit dem Staatsmeistertitel (Normalschanze) baute der zweifache Gesamtweltcupsieger Selbstvertrauen auf. Seine Passion Skispringen will er zumindest bis Olympia 2022 betreiben.

Neo-Coach Andreas Widhölzl hat beim ersten Höhepunkt (Skiflug-WM in Planica/ab 10.12.), die Qual der Wahl. „Ich bin derjenige, der auf den Tisch hauen und wenn nötig eine harte Entscheidung treffen muss“, sagt der Mieminger.

Während Gesamtweltcupsieger Stefan Kraft zu den Top-Favoriten zählt, scheint der erste Weltcupsieg des Tirolers Philipp Aschenwald nur eine Frage der Zeit zu sein. Neben Routinier Michael Hayböck wollen auch Jan Hörl und Daniel Huber mit weiten Sprüngen aufzeigen.

Ein neuer Renndirektor und kleinere Keile

Es ist ein Marathon mit über 30 geplanten Etappen. Während die Skisprung-Damen aufgrund der Corona-Krise um ihre Bewerbe zittern, ist der Wettkampfkalender der Herren bis 28. März gefüllt.

An der Spitze des Weltcups gibt es ein neues Gesicht: Sandro Pertile (ITA) tritt die Nachfolge von Walter Hofer als FIS-Renndirektor an. Der 51-Jährige hat erste Änderungen im Materialbereich vorangetrieben: Die Bindungskeile, die für eine sichere Luftfahrt, aber bei Stürzen für schwere Knieverletzungen sorgten, wurden reglementiert. Um Corona-bedingte Absagen zu vermeiden, sind bei Teamspringen nun sechs statt bisher acht Nationen ausreichend.

Im ÖSV-Adlerhorst tritt der Außerferner Arthur Pauli die Nachfolge von Mathias Hafele als Anzugschneider an. Olympiasieger Andreas Wellinger (GER) gibt vor der WM in Oberstdorf sein Comeback. Ex-Deutschland-Coach Werner Schuster konnte als Eurosport-Experte gewonnen werden. (ben)


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