Wien zeigt sich zum Lockdown-Beginn sehr gemächlich

Österreich befindet sich seit Mitternacht zum zweiten Mal in einem Corona-Voll-Lockdown. Die Schulen haben den Unterricht an Ort und Stelle beendet, der Handel muss bis auf Ausnahmen ebenso schließen wie Friseure und andere Dienstleistungen mit Körpernähe. Die Hauptstadt Wien selbst zeigte sich am ersten Tag des Lockdowns von einer äußerst gemächlichen Seite.

Ziel des Lockdowns ist es, die Spitäler vor Triage zu bewahren. Dass Ärzte entscheiden müssen, wer noch die bestmögliche Behandlung erhalten kann, soll unbedingt vermieden werden. Dafür werden auch die Ausgangsbeschränkungen rund um die Uhr gelten. Die Bevölkerung darf nur mehr für spezifische Tätigkeiten das Haus verlassen. Erlaubt bleibt weiter die Fahrt in die Arbeit, der Einkauf von Grundgütern und der Arztbesuch. Auch der Aufenthalt im Freien ist gestattet, etwa für Spaziergänge oder Individualsport ohne Körperkontakt. Die Maßnahmen gelten vorerst bis einschließlich 6. Dezember.

In Wien war der Prater leergefegt, die Prater Hauptallee wenig besucht, in der Inneren Stadt war es sehr ruhig und im Vergleich zum Normalbetrieb herrschte rund um die Hauptuniversität große Leere, zeigten Lokalaugenscheine der APA am Dienstag. Als es in den Augarten gehen sollte, wurde dieser gerade wegen des Fundes einer Fliegerbombe gesperrt.

Das sorgte für regelrecht geschockte Passanten, dachten doch einige im ersten Moment, die Bundesgärten würden - wie im ersten Lockdown im Frühling - wieder für Besucher gesperrt. „Das können sie nicht mehr machen, das war ja absurd“, sagte ein Mann mit seinen beiden Töchtern, der gerade in den Park wollte. Über den Sachverhalt aufgeklärt, zeigte er dann Verständnis und kündigte an, er werde sich ein Alternativprogramm für die Kinder suchen, kritisierte aber die Sperre im Frühjahr massiv. „Rundherum haben sich die Leute gedrängt“, meinte er über die damalige Entscheidung.

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Auf der Hauptallee im Prater waren einige Spaziergänger, Jogger und Hundeausführer unterwegs. „Ein langer Spaziergang am Tag ist ein Muss“, sagte eine junge Mutter, die mit ihren beiden Kindern unterwegs war. Sie wohne in der Nähe, sei nicht eigens angereist, sagte sie auf Nachfrage. Das wäre ja eher nicht gewollt, wie Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zuletzt klar machte. „Das ist nicht im Sinne des Erfinders (der Corona-Verordnungen, Anm.)“, sagte der Politiker kürzlich.

Im Prater selbst standen alle Ringelspiele, Geisterbahnen und sonstige Attraktionen still. Einige Schausteller widmeten sich Renovierungsarbeiten. Ähnlich war dies in einigen Geschäften in der Inneren Stadt - Kärntner Straße, Graben, Kohlmarkt. Was bringt einen am ersten Lockdown-Tag auf die Kärntner Straße, wo meist wegen Bummelnder gar nicht so wenig los war? „Ich habe ein Geschäft in der Nähe, war kurz bei der Bank, jetzt schaue ich mir kurz an, was hier los ist“, so ein Unternehmer mittleren Alters. Eine ältere Dame sagte in der Innenstadt, sie müsse zum Facharzt zur Kontrolle. Die Sorge, sich deswegen mit dem Virus anzustecken, habe sie nicht. Es sei halt wichtig, Maske zu tragen und Abstand zu halten.

Ähnliche Geisterstimmung wie im Prater herrschte im Bereich der Hauptuniversität. Das sogenannte Jonas-Reindl, wo sich zahlreiche Straßenbahnen mit dem Ring und der U2 treffen, war fast leer, die U-Bahnen doch deutlich spärlicher frequentiert als üblich. „Es ist weniger los als gestern“, sagte eine Kassierin eines Supermarkts in diesem Grätzel. Viel weniger? „Weniger.“


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