Thiem in Topform: Zwei-Satz-Sieg über Nadal, Kurs Halbfinale

Ein großartiger Dominic Thiem hat am Dienstag bei den ATP Finals klar Kurs auf das Halbfinale genommen. Der 27-jährige US-Open-Sieger bezwang im zweiten Gruppenmatch beim „Masters“ in London den Weltranglisten-Zweiten Rafael Nadal nach 2:26 Stunden mit 7:6(7),7:6(4). Noch am gleichen Abend könnte bei einem Sieg von Stefanos Tsitsipas (GRE) über Wien-Sieger Andrej Rublew (RUS) der Halbfinaleinzug fix sein, dann könnte dem Donnerstag-Match gegen Rublew Spannung genommen werden.

Der Vorjahres-Finalist hat nun nach Roger Federer (SUI) und Novak Djokovic (SRB) vor einem Jahr in London auch den dritten Superstar der Tennis-Szene beim ATP-Saison-Showdown geschlagen. Für Thiem war es im 15. Duell mit der spanischen Tennis-Legende der sechste Sieg. Es war das erste Aufeinandertreffen der beiden Top-3-Spieler in der Halle überhaupt.

„Generell war es echt ein super Match, es hat alles gepasst heute“, freute sich Thiem in der Zoom-Video-Pressekonferenz. Besonders glücklich sei er über seine Rückhand. Diese habe er in der Corona-Auszeit sehr viel trainiert. „Das zahlt sich jetzt richtig aus. Das sind Sachen, die mich richtig glücklich machen, weil man da sieht, wie sich die harte Arbeit eben auszahlt.“

Auch wenn es schon der sechste Sieg bei neun Niederlagen gegen den 20-fachen Major-Sieger Nadal war: Es bedeutet Thiem nach wie vor besonders viel, gegen einen der „big three“ zu triumphieren. „Es ist immer noch ein Riesenprivileg gegen diese Leute zu spielen, weil es einfach die drei besten Spieler aller Zeiten sind“, streute Thiem Nadal, Federer und Djokovic Rosen. „Je mehr Matches ich gegen die spiele, desto besser ist das für mein Spiel, weil, sich mit denen zu matchen, ist wahrscheinlich das beste Training, was es gibt.“ Besonders, weil Nadal eine starke Performance lieferte. „Solche Matches sind Gold wert fürs Selbstbewusstsein, fürs ganze Spiel, deshalb war es ein guter Tag.“

Thiem hat erstmals zweimal in Folge gegen Nadal gewonnen. Nach dem Viertelfinale bei den Australian Open (7:6,7:5,4:6,7:6) im vergangenen Jänner nun wieder zweimal im Tiebreak, das sind fünf aus fünf Tiebreaks gegen einen mental so starken Nadal. „Das würde ich nicht überbewerten“, meinte Thiem dazu. „Es kommen sicher Tiebreaks, die ich verlieren werde.“ Zudem habe er auch Glück gehabt.

Das Match verlief von Beginn an hochklassig, ausgeglichen und umkämpft. Lange Rallyes, Stopps und Gegenstopps sowie keine einzige Breakchance bedeuteten nach 57 Minuten ein fast erwartetes Szenario: Tiebreak. In diesem geriet Thiem mit 2:5 in Rückstand. Er glich auf 5:5 aus, ermöglichte nach einem Doppelfehler zum 5:6 aber den ersten Satzball Nadals. Als Nadal auch seine zweite Chance bei 7:6 nicht nutzen konnte, war es Thiem, der nach 72 Minuten (!) den ersten Durchgang mit 9:7 im Tiebreak für sich entschied.

Im zweiten Satz musste Thiem gleich zum Auftakt den ersten Breakball des Matches abwehren, bei 3:3 nutzte Nadal seine zweite Chance und nahm Thiem den Aufschlag ab. Gespielt zu diesem Zeitpunkt: schon 1:50 Stunden. Doch Thiem gelang nach einem großartigen Ballwechsel, der die Zuschauer, wenn sie denn zugelassen wären, von den Sitzen gerissen hätte, das sofortige Rebreak. Bei 5:4 und 0:40 hatte Thiem dann gleich drei Matchbälle, die Nadal aber sicher abwehrte.

Doch Thiem steckte das großartig weg. „Das war relativ leicht zu verdauen, weil er hat sie alle drei richtig gut abgewehrt“, meinte Thiem später. Es ging neuerlich ins Tiebreak. Nach einem großartigen Rückhand-Passierball entlang der Linie zum 4:3 erarbeitete sich Thiem bei 6:3 weitere drei Matchbälle, seinen insgesamt fünften nutzte er.

Seine Form stufte er übrigens höher ein als jene bei seinem Triumph in Flushing Meadows. „Ehrlich gesagt, finde ich, dass ich heute ein bisschen ein höheres Level als bei den US Open gespielt habe. Das war vielleicht mein bestes Match seit dem Restart der Tour“, meinte der 17-fache Turniersieger.

Er sprach nicht vom perfekten Match, doch würde er bei diesem Auftritt nach Fehlern suchen, „dann würde ich nicht viele finden“. Es sei nahe an den Sieg über Djokovic in London vor einem Jahr herangekommen. „Das war vielleicht das beste Drei-Satz-Match, das ich je gespielt habe.“

Und trotz seiner immensen Steigerung gerade auf Hartplatz seit dem Herbst 2019 - noch sieht Thiem genug Spielraum nach oben. „Ich hoffe es. Ich will mich immer noch verbessern, und habe immer noch viel zu verbessern, besonders beim Angriff zum Netz“, sagte Thiem und fügte hinzu: „Das ist mein Ziel für die nächste Saisonvorbereitung.“

Rafael Nadal zeigte sich unterdessen nicht besonders enttäuscht. „Er hat ein großartiges Match gespielt und ich habe auch sehr gut gespielt. Darum habe ich kein schlechtes Gefühl“, sagte der 13-fache French-Open-Champion, der bei den ATP Finals bisher noch nie den Titel geholt hat.

„Ein paar kleine Details haben entschieden“, bezog sich Nadal auf seine 5:2-Führung im Tiebreak des ersten Satzes. Und er zog sogar positive Erkenntnisse aus dem hochklassigen Match: „Ich glaube, dass meine Chancen sogar größer sind, hier ein sehr gutes Resultat zu haben, also vor fünf Tagen. Weil mein Tennis-Level, auch wenn ich verloren habe, viel besser ist.“ Nadal trifft im Abschluss-Match der Gruppe „London 2020“ am Donnerstag auf Titelverteidiger Stefanos Tsitsipas (GRE).


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