Mit der Linse die Gletscher über viele Jahre im Auge behalten

Über mehrere Jahrzehnte hat der Vorarlberger Alpinist und Fotograf Andreas Künk verschiedene Gletscher fotografisch dokumentiert.

Der Vermuntgletscher um 1998 und dieselbe Aufnahme im Jahr 2018.
© Künk

Von Elisabeth Zangerl

Innsbruck, Arlberg – Andreas Künk lebt im Montafon und die Tiroler Grenze ist quasi seine Heimat, wie er sagt. Die Gletscherregion rund um die Silvretta kennt er wie seine Westentasche – aber nicht nur diese.

Wie haben Sie als Fotograf und Alpinist den Rückzug der Gletscher wahrgenommen? Können Sie uns Beispiele in Tirol nennen?

Andreas Künk: Es wird weniger und weniger, der Rückzug der Gletscher legt Steine und Geröll frei. Die Gletscherberge der Silvretta, der Piz Buin, der Vermuntgletscher, das Jamtal mit den Fluchthörnern – überall ist es gleich. Viele der Wege und Routen werden Steinschlag-gefährdeter. Hindernisse wie Bachüberquerungen, die es vor 25 Jahren noch gar nicht gab, weil der Gletscher die Landschaft bedeckt hat, werden häufiger und bilden immer mehr Gefahrenquellen. Nicht zuletzt auch Gefahrenquellen, weil immer mehr Menschen sich dieser hochalpinen Landschaft nähern.

Der Veränderung des Alpintourismus stehen Sie demnach eher kritisch gegenüber?

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Künk: Ich bin kein Gegner des Alpentourismus, der Tourismus ist ein nicht mehr wegzudenkender Wirtschaftszweig geworden, unzählige Arbeitsplätze sind fest damit verbunden. Es sollte nur von Seiten der Tourismus-Verantwortlichen nicht mehr und mehr auf Disneyland zugesteuert werden. Vielmehr sollte auf die Gefahren der Natur hingewiesen werden, die ursprünglich in der Bergwelt „da gewesene Ruhe“ beworben und nicht ganze Regionen von den Bergrestaurants aus mit Musik beschallt werden. Ich muss da vorsichtig argumentieren, sehr schnell verbrenne ich mir die Finger. Nicht alle Tourismusdestinationen haben den sanften Tourismus im Kopf. Halligalli und damit verbundener Alpen-Party-Tourismus ist auch bei uns nichts Unbekanntes.

Glauben Sie, dass man die Gletscherschmelze zum jetzigen Zeitpunkt irgendwie aufhalten oder verzögern kann?

Künk: Nein – es gab in der Geschichte der alpinen Landschaften immer schon ein Auf und Ab. Es gibt ja auch Überlieferungen, dass am Vermuntpass vor über 100 Jahren die Schweizer Bauern die Kühe aus dem Val Tuoi herüber zur Bielerhöhe getrieben haben. Die Vergletscherung des Vermuntpasses hat dies dann unmöglich gemacht, momentan können die Bauern fast schon wieder planen, bald ist der Pass wieder Gletscher-frei.

Sie haben bereits mehrere Bildbände herausgebracht. Welche Botschaft möchten Sie damit vermitteln?

Künk: Ich lege großen Wert darauf, dass meine Bilder natürlich bleiben. Nicht der Photoshop soll die Stimmung erzeugen, das natürliche Licht, die natürliche Gegebenheit soll die Landschaft zeigen, wie sie wirklich ist. Die Wettergegebenheiten sollen erhalten bleiben und dem Betrachter nicht vorgaukeln, dass immer blauer Himmel vorzufinden ist. Ich sehe viele Werbebilder als Betrug an den Betrachtern, werden doch viele Perspektiven nicht nur normal geschönt, sondern total verändert. Plötzlich sind da ein paar Häuser weg, die Sonne geht da unter, wo sie das ganze Jahr über sicher nie untergeht. Aber weil der Hintergrund da besser ist, ist es eben so.

Sie haben viele Berge bestiegen – Ihr Hobby führte Sie nach Afrika, auf die arabische Halbinsel, nach Ost- und Südostasien, Nepal, in den Iran, nach Russland und Nordamerika. Wie schaut es auf anderen Kontinenten aus? Schwinden die Gletscher auch dort?

Künk: Mit wenigen Ausnahmen ja – extrem ist es in Afrika. Alleine am Kilimanjaro ist in den letzten 25 Jahren die Gletscherkappe um 75 % geschrumpft. Keine Region der Welt ist mehr sicher vor Klimaveränderungen.


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