Beratungsstelle Evita in Kufstein und Wörgl: „Frauenpolitik findet nicht statt“

Das Team der Frauenberatungsstelle Evita ortet dringenden Handlungsbedarf.

(V. l.) Anna Kronthaler (Obfrau), Katharina Moritz (Stv. Obfrau) und Christine Wright-Kainer (GF) ziehen Bilanz über 20 Jahre Beratung bei Evita.
© Hrdina

Kufstein – Die Politik habe man damals nur schwer von der Notwendigkeit einer solchen Einrichtung überzeugen können, erinnert sich Katharina Moritz, stv. Obfrau der Frauen- und Mädchenberatungsstelle Evita. „Heute zweifelt niemand mehr daran.“ 20 Jahre werden nun schon in Kufstein – seit Juli auch in Wörgl – Hilfesuchende unterstützt. Feiern kann man so ein Jubiläum aber schwer – immerhin geht es um belastende Themen. 312 Klientinnen konnte das Team aus Psychologinnen, Pädagoginnen und Rechtsanwältinnen vergangenes Jahr betreue­n – 29 Prozent davon waren Opfer von Gewalt (physisch, psychisch, sexuell). „Wir unterstützen, beraten und geben den Frauen Mut, den ersten Schritt zu machen“, fasst Moritz das umfangreiche Angebot zusammen.

Dieser könne darin bestehen, erstmal aus einer „untragbaren Situation“, meist von Gewalt geprägt, zu entfliehen. Akuten Fällen steht in Kufstein – bald auch in Wörgl – eine Frauennotwohnung zur Verfügung. Pro Jahr verzeichnet man dort mehr als 2000 Nächtigungen.

Eine Bierdeckelaktion soll für Themen wie Gewalt und Armut sensibilisieren.
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Es sind komplexe Situationen, in denen sich Frauen befinden, Evita steht ihnen auf dem Weg heraus auch langfristig zur Seite. Weil die Kinderbetreuung immer noch zum Großteil von Müttern übernommen wird – Stichwort Teilzeitjob –, ist Armut ein großes Thema. Jedes sechste Gespräch dreht sich darum, berichtet GF Christine Wright-Kainer. 15 Jahre lang Kinder erziehen, dann kommt die Scheidung – diese Fälle kennt Moritz als Rechtsanwältin en masse. „Viele Frauen wollen Streit mit dem Ex-Mann vermeiden, verzichten daher auf Unterhaltszahlungen. Damit verzichten sie auch auf ihren Anspruch auf eine Ausgleichszulage.“ Pflege und Kindererziehung müssen endlich bezahlt werden, fordert Moritz. Aber: „Frauenpolitik findet in Österreich nicht statt.“

Angebot und Infos unter www.evita-frauenberatung.at, Tel. 05372/63616. (jazz)

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