Ein Pflegefall der ganz anderen Art: Personal stößt an seine Grenzen

Das Personal im Pflege- und Sozialbereich schlägt Alarm: Die Arbeitsbelastung sei nicht länger tragbar.

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Die Betriebsräte im Pflege- und Sozialbereich sprechen von unhaltbaren Arbeitsbedingungen.
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Innsbruck – Für viele Bedienstete im Pflegebereich ist der Belastungs-Zenit längst überschritten. Die Corona-Pandemie hinterlässt ihre Spuren. Bei den Betroffenen, aber insbesondere auch bei jenen, die unter massiv erschwerten Hygienevorschriften zu arbeiten haben. Wer neun und mehr Stunden nahezu pausenlos eine Maske tragen muss, bekommt das im wahrsten Sinne des Wortes zu spüren, wie Margit Luxner, Vorsitzende des Bereichs Gesundheit und Soziales in der GPA-djp Tirol, bestätigt: „Das ist ein Horror. Wir haben offene Stellen hinter den Ohren und an der Nase.“ Der Pflege- und Sozialbereich steht an vorderster Front. Auch weil er in der täglichen Arbeitsroutine hauptsächlich mit den Risikogruppen konfrontiert ist.

Ähnlich wie die Ärzte der Tirol Kliniken kürzlich per Videobotschaft, so haben nun auch die BetriebsrätInnen im Pflege- und Sozialbereich einen Hilferuf abgesetzt. Adressat ist dieses Mal aber nicht die Bevölkerung, sondern die Politik. Die psychischen Belastungen seien nicht länger tragbar, heißt es in einem Schreiben. Die Corona-Krise habe die bereits zuvor angespannte Lage noch einmal verschlimmert.

Wie berichtet, müssen Pflegekräfte und Co. auch trotz Absonderungsbescheid arbeiten gehen. Weil eben der Personalmangel derart akut ist. Nicht nur, dass der Sozialkontakt zu den Pflegenden weniger werde, je mehr Personal fehle, hinzu komme die psychische Belastung durch die Angst, das Virus selbst in die Heime und Stationen zu tragen. Dienstbesprechungen und Supervisionen seien aber aus Sicherheitsgründen ausgesetzt. „Die Lage wird immer noch drastischer“, sagen die Betriebsräte der Innsbrucker Sozialen Dienste, Robert Senn und Andrea Bellony.

Die Forderungen an die Politik sind klar: Masken-Pausen, eine neuerliche Corona-Zulage, eine Aufstockung des Personals.

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Bei ÖGB-Tirol-Vorsitzendem Philip Wohlgemuth landen derzeit viele Meldungen über nahezu untragbare Zustände für die Mitarbeiter in diesen Berufszweigen: „Das, was es jetzt braucht, ist kein Applaus, sondern endlich eine bessere Bezahlung, bessere Rahmenbedingungen und viel mehr Personal.“ Doch woher nehmen? Über Jahre seien hier Fehler und Versäumnisse erfolgt, bemängelt Wohlgemuth. Der einschlägige Arbeitsmarkt sei de facto nicht vorhanden. Eine Idee wäre die Reaktivierung von arbeitslosen und pensionierten Pflegekräften. Ein schwieriges Unterfangen, wie auch Wohlgemuth weiß. Zumal genau diese Leute um die verbesserungswürdigen Rahmenbedingungen Bescheid wüssten. Der ÖGB selbst hat bereits Arbeitsgruppen gebildet, um Landes- wie Bundespolitik anhand eines Kriterienkatalogs einen inhaltlichen Leitfaden vorzugeben. Doch dann kam die Pandemie dazwischen. (TT, mami)


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