Die OECD rät: Mehr testen und nachverfolgen, besser isolieren

Rasches Handeln und Vertrauen in die Entscheidungsträger sind laut OECD zentrale Bestandteile für eine effektive Corona-Bekämpfung.

Die Maßnahmen zur Corona-Eindämmung – etwa das Maskentragen – werden dann befolgt, wenn man den Gesundheitsbehörden vertraut.
© AFP

Von Gabriele Starck

Paris – Zusätzliche Betten waren recht schnell aufgestellt, zusätzliches qualifiziertes Gesundheitspersonal allerdings nicht. Und genau das habe sich in der ersten Welle der Corona-Pandemie als große Schwäche in vielen europäischen Staaten herausgestellt. Hier müsse noch massiv investiert werden bzw. sollten Personalreserven verfügbar sein, rät die OECD in ihrem gestern in Paris veröffentlichten Bericht „Health at a Glance in Europe“. Österreich hat ausreichend Betten, ausreichend Ärzte, schneidet bei den Pflegekapazitäten aber etwas weniger gut ab, ist dem Bericht zu entnehmen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat die ersten Monate der Corona-Pandemie in der EU, in Norwegen, Island, Großbritannien und der Schweiz bis Anfang Oktober unter die Lupe genommen. Auffallend dabei ist, dass jene Länder recht gut durchs erste Corona-Halbjahr kamen, deren Menschen Vertrauen in die Maßnahmen von Politik und Behörden hatten. So seien Estland, Finnland und Norwegen unter anderem deshalb sowohl medizinisch als auch wirtschaftlich am besten durch die Krise gekommen, weil dies auch dazu geführt habe, dass die Menschen die staatlichen Maßnahmen eingehalten hätten, so die OECD.

Das beste Beispiel dafür sei aber Südkorea, dessen BürgerInnen der Regierung sogar einen recht großzügigen Umgang mit ihren Daten zugestanden hätten. So seien Lockdowns vermieden worden.

Die Organisation räumt allerdings auch ein, dass die niedrige Bevölkerungsdichte bzw. geographische Lage dieser Länder ein Vorteil sei im Vergleich zu Ländern mit einem höheren Altersdurchschnitt oder mit viel Tourismus. Und Italien habe das Pech gehabt, als erstes Land und völlig unvorbereitet getroffen worden zu sein. Grundsätzlich wird festgestellt, dass der Schutz für Menschen in Pflegeheimen im Vergleich zu den Spitälern viel zu spät begonnen habe. Dort müsse zudem viel mehr getestet werden.

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Die OECD-Ratschläge:

  1. Effektivität. Sind die Länder gut vorbereitet und handeln auch rasch und konsequent, um Ausbrüche schnell in den Griff zu bekommen, könnten Lockdowns und die hohen Folgekosten vermieden werden. Dazu allerdings gehöre, umfangreich und effektiv zu testen – in Teststraßen und -zentren etwa. Da hatte Österreich zu Beginn der Krise Probleme, wie die Zahlen zeigen. Hier wurden täglich 77 Personen auf 100.000 Einwohner getestet, in Deutschland waren es da schon 434. Zudem müssten die Kontaktnachverfolgung und die Isolierungsmaßnahmen verbessert werden, betont die OECD. Und: Die Lockerungen nach einem Lockdown sollten weitaus überlegter und besser vorbereitet vor sich gehen als bisher.
  2. Soziales Gefüge. Nicht zuletzt spielt laut OECD aber das soziale Gesamtgefüge in einer Gesellschaft eine große Rolle. Wer finanziell schlechter gestellt sei, habe auch eher gesundheitliche Probleme und ein höheres Corona-Todesrisiko. Daher müssten Ungleichheiten mit einer integrativen Sozial- und Wirtschaftspolitik beseitigt werden.

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