Römische Cinecitta soll zum Hollywood Europas werden

Der italienische Staat will bei den römischen Filmstudios von Cinecitta einsteigen, in denen legendäre Filme wie „Ben Hur“, „Quo Vadis“ und „Gangs of New York“ gedreht wurden. Das „Istituto Luce“, seit 2017 Eigentümer der Filmstudios, soll in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden, kündigte Kulturminister Dario Franceschini im Gespräch mit der Mailänder Wirtschaftszeitung „Sole 24 Ore“ (Donnerstagsausgabe) an.

Dies soll den Einstieg der Regierung und der staatlichen Förderbank CDP in das Kapital des Instituts ermöglichen. CDP besitzt ein mit den Filmstudios im südlichen Teil Rom angrenzendes Areal. Damit könnte sich die Cinecitta-Fläche verdoppeln, berichtete der Kulturminister.

„Wir stellen die Weichen für einen großen Qualitätssprung. Wir wollen ein europäisches Hollywood aufbauen. Dies soll mit Partnerschaften und der Förderung ausländischer Produktionen geschehen“, sagte der Minister.

Franceschini sieht große Wachstumsmöglichkeiten für die italienische Filmindustrie, was auch den neuen Plattformen wie Netflix zu verdanken sei. Im Rahmen der Stützungsgelder, die die italienische Regierung gegen die Coronakrise locker gemacht hat, wurden einem Fonds zur Filmförderung 150 Mio. Euro zugeschanzt.

Diktator Benito Mussolini ließ die Studios 1937 am südöstlichen Stadtrand von Rom erbauen. Er schätzte den Nutzen der Filmindustrie für seine Propagandazwecke. Ihre Blüte erlebte die Cinecitta in den 1950er- und 60er-Jahren, als dort Hollywoodgroßproduktionen wie „Cleopatra“ entstanden. Die 70er-Jahre und der Fernsehboom stürzten die Kinoindustrie aber in die Krise. Die weitgehende Privatisierung 1997, nach der der Staat nur noch 25 Prozent an dem Komplex besaß, führte nicht zu den erhofften Resultaten. Mit neuen Steueranreizen erlebt Cinecitta seit einigen Jahren wieder ein solides Wachstum.


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