Kinigadner im TT-Interview: „Der Motorsport spart sich endlich gesund“

Vor dem MotoGP-Finale am Wochenende in Portimão (Portugal) nahm sich KTM-Sportmanager Heinz Kinigadner Zeit für die TT.

KTM-Sportmanager Heinz Kinigadner.
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Wie froh sind Sie, dass die Saison an diesem Wochenende endet?

Heinz Kinigadner: Ehrlich gesagt könnte sie schon noch etwas länger dauern. Nach unserem kurzen Zwischentief sind wir nun wieder in der Spur. Das hängt auch viel mit den Testfahrten von Dani Pedrosa zusammen. Er hat uns irrsinnig viele Daten geliefert, und das hat uns gutgetan.

Sind das zusätzliche Kosten, die man da in Kauf nimmt?

Kinigadner: Bei einem 35-Millionen-Euro-Budget fällt das nicht ins Gewicht. Und eines haben wir auch gesehen: Wenn wir durch die zusätzlichen Tests im Anschluss auf dem Podium landen, ist das ein weltweiter Werbewert, den kannst du sonst gar nicht generieren.

Pol Espargaró (ESP) wird sich an diesem Wochenende nach vier Jahren bei KTM verabschieden.

Kinigadner: Wir alle wünschen uns, dass es für ihn einmal für einen Sieg reicht. Pedrosas Test-Daten und Espargarós Set-up haben schließlich unsere Siege von Brad Binder (Tschechien) und Miguel Oliveira (Österreich) ermöglicht. Obwohl er uns Richtung Honda verlässt, haben wir beschlossen, ihm das neueste Material zur Verfügung zu stellen. Bei Ducati redet man nicht einmal mehr mit den Fahrern, die sich nach dem Jahr verabschieden – das ist nicht unsere Art.

Wird eine Lücke entstehen?

Kinigadner: Vor dem fürchten wir uns ein wenig. Mit Binder und Oliveira haben wir zwei „Hot-Shots“, an denen werden wir noch viel Spaß haben. Aber sie sind jung, da kann man nicht sofort eine Konstanz erwarten. Mit Danilo Petrucci (Ducati, Anm.) bekommen wir einen 30-jährigen Routinier, der viel Ruhe reinbringen könnte. Aber auch er wird sich an unser Bike erst gewöhnen müssen.

Die Chance auf Rang drei in der Teamwertung lebt. Ein Ausdruck, wie stark KTM sich gesteigert hat.

Kinigadner: Wir schließen am Wochenende eine sehr gute Saison ab, keine Frage. Was immer noch wehtut, ist die Tatsache, dass wir heuer zweimal in Spielberg vor leeren Rängen gefahren sind. Ohne Corona hätten wir 400.000 Zuschauer begrüßt. Was Corona betrifft, ist die MotoGP im Großen und Ganzen verschont geblieben.

Apropos Corona – die Pandemie hat auf den gesamten Motorsport Auswirkungen und sorgt für Einsparungen.

Kinigadner: Der Motorsport spart sich endlich gesund, das gefällt mir. Wenn beispielsweise ein Jorge Lorenzo mit 15 Millionen Euro nach Hause geht, dann tut das dem Ganzen nicht gut. Dementsprechend hoch sind ja auch die Gagen für Fahrer, die rund um Platz 15 fahren. Wenn ein PS-Star zwei bis drei Millionen Euro Gage überwiesen bekommt, muss das genug sein. Es wird ihnen ja auch sonst jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Ducati wird 2021 erstmals ihren sechs Piloten nicht mehr als eine Million Euro zahlen.

Parallel wird – vor allem auf vier Rädern – die Elek­tro-Schiene vorangetrieben. Sehen Sie da auch auf zwei Rädern Potenzial?

Kinigadner: Die Moto-E-Serie läuft derzeit parallel mit. Wir fahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit – die Moto E fährt aber auch unter Ausschluss des Fahrerlagers. Denn zu dem Zeitpunkt gehen alle essen. Nicht falsch verstehen, ich bin für Innovation. So, wie aktuell die Moto E betrieben wird, ist es Augenauswischerei. Da werden Diesel-Generatoren mit Planen abgedeckt, um den Bikes saubere Energie zu liefern. Aber die reicht nicht einmal für 30 Minuten. Da muss sich noch viel tun. Ich bin jetzt 60 Jahre alt, aber das werde ich wohl nicht mehr erleben.

Der MotoGP-Weltmeister steht vor dem Finale bereits fest: Hätten Sie Joan Mir (ESP/Suzuki) das zugetraut?

Kinigadner: Ganz so überraschend kam das nicht für mich. Die Suzukis waren letztes Jahr schon stark. Mit dem Fehlen von Marc Márquez (Verletzung, Anm.) hätten heuer aber sicher viele Weltmeister werden können.

Das Gespräch führte Daniel Suckert


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