Schwazer Eltern setzen sich für Mehrstufenklassen ein

An der Volksschule Hans Sachs wird eine spezielle Unterrichtsform angeboten. Lehrern und Eltern gefällt’s. BM Lintner hinterfragt das Konzept.

In Mehrstufenklassen lernen die Kinder unterschiedlicher Schulstufen miteinander und auch voneinander.
© iStock

Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Es ist eine besondere Form des Unterrichts, die in der Volksschule Hans Sachs in Schwaz in zwei Klassen angeboten wird. In den so genannten Mehrstufenklassen werden nämlich Schüler verschiedener Schulstufen gemeinsam unterrichtet. Doch ob es diese Form auch weiterhin in Schwaz geben wird, ist derzeit unklar.

Dass es Kritik gegenüber den Mehrstufenklassen geben soll, hat die Eltern der betroffenen Schüler so verwundert, dass sie ein Schreiben verfasst haben, um ihre Standpunkte und vor allem ihre weitere Unterstützung dafür auszudrücken. Für sie stellt die Mehrstufenklasse die perfekte Basis für weitere Schuljahre dar. Die Eltern akzeptieren, dass es verschiedene Meinungen gibt, sie sind sich aber einig: „Für uns stellt diese Klasse die ideale Schulform dar, in der unsere Kinder gerne Zeit verbringen, wo ihr Potenzial gefördert bzw. gefordert wird und sie tatsächlich fürs Leben lernen. Anstatt diese Schulform zu kritisieren, wäre es angebracht, frei von Parteipolitik und Ideologie an einer Weiterentwicklung des Schulsystems mitzuwirken.“

Um Unterstützung suchten die Eltern auch beim parteifreien Gemeinderat Albert Pollett­a an. „Ich verstehe nicht, was der Bürgermeister mit der Einmischung in den laufenden Schulbetrieb im Hinblick auf die Mehrstufenklassen bewirken will. Meiner Meinung nach überschreitet er dabei seine Kompetenzen“, sagt Polletta. Laut ihm versucht BM Hans Lintner die Auflösung der Mehrstufenklassen in die Wege zu leiten.

Stadtchef Lintner (ÖVP) erklärt, dass er nicht zwingend die Abschaffung fordere, sondern man die Situation evaluieren müsse. „Man muss sich da die Frage stellen, ob alle Kinder die gleiche Chance und eine gute Betreuung erhalten“, sagt Lintner. Er wolle vermeiden, dass es „Privilegienklassen“ gebe, die mehr Personal erhalten, denn eine Mehrstufenklasse bedeutet laut ihm eine große Herausforderung und ist laut ihm auch eine „rückwärtsgewandte Pädagogik“. Der Fortschritt liege in seinen Augen in der Differenzierung, sprich, dass Kinder mit demselben Bildungsstand in einer Klasse sitzen.

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Das Argument, dass eine Mehrstufenklasse mehr Personal benötige, ärgert Pollett­a: „Das stimmt nicht. Man muss sich nur den Personalplan anschauen. Es ist eine Tatsache, dass Mehrstufenklassen in keinster Weise ressourcenmäßig bevorzugt werden.“ Für Polletta liegt in dieser Unterrichtsform die Zukunft, „und nicht im stupiden Frontal­unterricht“.

Für Montag war ein Gespräch mit Bildungsdirektion, Stadtführung und der Schule geplant, das aufgrund des Lockdowns aber verschoben werden muss. Direktor Peter Arnold wolle sich bis zu diesem Treffen aus der politischen Ebene heraushalten und sich dazu nicht äußern. Was er aber sagen kann, ist, dass die jährliche Evaluierung der Mehrstufenklassen stets für eine Weiterführung gesprochen habe. „Diese Unterrichtsform im reformpädagogischen Stil ist nicht für jede Lehrperson etwas. Bei uns klappt es sehr gut, da wir von Anfang an sehr engagierte und dafür begeisterte Lehrerinnen hatten“, sagt Arnold.


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