Covid in Kunstform: Rastloser Innsbrucker Rostkünstler will der Krise trotzen

Auch mit 83 verschwendet Horst Rainer keinen Gedanken ans Aufhören. In seinem Mühlauer Atelier verarbeitet er aktuell Corona & Co. kreativ.

Das Coronavirus und seine gesellschaftlichen Auswirkungen beschäftigen Horst Rainer in aktuellen Werken auch thematisch. Seinem Spezialgebiet, der textilen Rostkunst, bleibt er jedoch weiterhin treu.
© Markus Jenewein

Von Michael Domanig

Innsbruck – Vor wenigen Tagen hat der Künstler Horst Rainer, der am Weyrer-Areal in Innsbruck-Mühlau ansässig ist, seinen 83. Geburtstag gefeiert. Der Gedanke an einen etwaigen Ruhestand ist für den rastlosen Kreativen aber „unmöglich“.

Dabei ist die aktuelle Gesamtsituation mit dem omnipräsenten Coronavirus gerade für freischaffende Künstler äußerst schwierig. „Keiner will kommen, keiner will Kunst kaufen, jeder schaut, dass er irgendwie durchkommt – was ja auch verständlich ist“, meint Rainer.

Corona in Kunstform

Beim Arbeiten selbst mache es zwar keinen großen Unterschied, „ich bin im Atelier sowieso ein Maulwurf“. Aber als Künstler sei man doch an die Öffentlichkeit gebunden. Im September konnte eine Ausstellung gemeinsam mit dem Künstler Pablo Sascha in Allerheiligen stattfinden, Rainers für November geplante Schau in der Hofburg musste jedoch abgesagt werden.

„Das Problem ist, dass uns keiner ein Licht am Ende des Tunnels zeigen kann, auch die Regierung nicht“, sagt Rainer. „Diese Perspektive fehlt zurzeit, nicht nur für die Kunst, sondern allgemein.“ Sich in die kreative Arbeit zu vertiefen, sei da eine gute Ablenkung, „sonst würde man eh verzweifeln“.

Die Corona-Krise und ihre Auswirkungen beschäftigen den gebürtigen Steirer dabei auch inhaltlich: Das Spektrum reicht von alten Blumentrögen oder Wasserkesseln, die Rainer in maskentragende Köpfe verwandelt hat, bis hin zu einer Arbeit, auf der das Virus – mit rostigen Nägeln als „Stacheln“ – auf einem Einkaufswagen thront. Gefüllt ist dieser mit 27 alten Fleischwölfen, die zum Beispiel für die 27 Mitgliedstaaten der EU stehen könnten. Für den Apfel, bei Rainer ein wiederkehrendes Symbol des Lebens, ist nur noch ganz unten ein Platz frei.

„Das Ergebnis ist auch für mich immer ein Abenteuer"

Ein anderes Werk, das einen Spiegel mit Barockrahmen und die für Rainer typische Rost-Kunst verbindet, hat er spontan umgearbeitet und mit einer Art Gitter überzogen. „Das spiegelt für mich die aktuelle Situation der Kunst wider“, das Gefühl des Eingesperrtseins.

Trotz allem ist Rainer voller Tatendrang: So plant er etwa, ein vier Meter langes Rostbild auf Segeltuch vor dem Haus am Weyrer-Areal anzubringen – die Einwilligung des Hausbesitzers vorausgesetzt. „Das wäre ein Signal, das ganze Areal zu beleben, es zu einer Art Kunstzentrum weiterzuentwickeln“ – schließlich sind am alten Fabriksgelände viele Kreative angesiedelt.

Rainers Spezialgebiet ist und bleibt die von ihm entwickelte „Textil-Rost-Art“: Dabei schneidet er aus Stahlplatten Formen aus, befeuchtet sie und bedeckt sie mit Segeltuch, das er auf diese Weise wochen- oder monatelang „berosten“ lässt. „Ich gestalte das Werk und biete es der Natur an, sie macht ihre Spielchen dazu, wird meine Kollegin“, erklärt er. „Das Ergebnis ist auch für mich selbst immer ein Abenteuer.“

Eines seiner nächsten Ziele sei, ein riesiges, sechs mal neun Meter großes Rostbild (Motiv: Europa und der Stier)fertigzustellen. Er hoffe, es irgendwann sogar in Brüssel ausstellen zu können.

Öffentliche Ausstellungen sind vorerst freilich nicht möglich. Horst Rainer freut sich aber über Besucher im Atelier – nach Voranmeldung unter Tel. 0664/5609501 und natürlich mit Maske.


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