Salzburg vor Gastspiel bei Bayern mit „peinlichem“ Auftritt

Statt Selbstvertrauen zu tanken, einen Dämpfer kassiert: Für Red Bull Salzburg ist die Generalprobe vor dem zweiten Fußball-Champions-League-Duell mit Titelverteidiger Bayern München alles andere als nach Wunsch verlaufen. Ohne einige Stammspieler in der Startelf verlor man zu Hause gegen Sturm Graz mit 1:3, zum zweiten Mal in Folge und insgesamt ging man in der 8. Liga-Runde nicht als Sieger vom Platz. „Das war sehr peinlich von uns“, sagte Salzburg-Tormann Cican Stankovic.

Diese Einschätzung passte vor allem zur ersten Viertelstunde nach der Pause. Da leitete Ivan Ljubic (48.) den Gäste-Sieg ein und ließ Jakob Jantscher wie in besten alten (auch Salzburger) Zeiten einen Doppelpack (53., 59.) folgen. „Wir waren nicht wir, und Sturm hat so gespielt, wie wir spielen wollten. Das war der Grund, warum wir verloren haben“, analysierte der ÖFB-Teamtormann im Sky-Interview. Die erste Hälfte sei schon „nicht gut genug“ gewesen, in der zweiten dann „sehr viel schiefgegangen“. „Es tut richtig weh. Das einzig Positive war, dass keine Zuschauer da waren“, verlautete Stankovic.

Coach Jesse Marsch sah das ähnlich. Die dritte Liga-Niederlage in seinem 40. Spiel war die deutlichste nach zwei 2:3 gegen den LASK (12. Februar) und in Altach (2. März) vergangene Saison. „Ich bin sehr, sehr enttäuscht. Sturm hatte viel mehr Wille als wir, hat mehr Zweikämpfe, Laufduelle und auch Luftduelle gewonnen. Wir waren in fast jeder Situation Zweiter“, musste der US-Amerikaner eingestehen.

Vier Änderungen gegenüber dem 1:1 bei Rapid waren wohl auch zu viel. Ohne Maximilian Wöber und Andreas Ulmer fehlte der in dieser Saison ohnehin anfälligen Abwehr weitere Stabilität. Der 20-jährige Sommer-Zugang Oumar Solet konnte sie jedenfalls nicht garantieren, war etwa beim Führungstreffer von Ljubic zu weit weg vom Gegenspieler. Aber auch im Spiel nach vorne blieben die „Bullen“ vieles schuldig, schön herausgespielte Topchancen waren Mangelware, der sehenswerte Ehrentreffer von Mergim Berisha (86.) die Ausnahme.

Ersichtlich war aber schon, dass das Spiel der Hausherren in der letzten halben Stunde besser funktionierte. Da waren mit Wöber, Ulmer und Sekou Koita drei Stammkräfte eingewechselt. „Da haben wir dann auch besser gespielt“, sagte Marsch. Auch deshalb versuchte er positiv nach vorne zu blicken: „Die Jungs haben den größten Teil der Saison sehr gut gespielt und heute nicht gut genug. Jetzt gilt es, eine gute Reaktion zu zeigen. Hoffentlich können wir aus der wichtigen Lektion lernen und gegen Bayern etwas ganz Anderes abliefern.“

Beim Hinspiel-2:6 ist das über weite Strecken gelungen, erst am Schluss kam Deutschlands Rekordmeister in den Torrausch. „So wie heute kann man sich nicht präsentieren. Gute Nacht, wenn wir in der Champions League so spielen“, schilderte Stankovic seine Sicht. Wollen die Marsch-Schützlinge im Kampf um den Aufstieg mitreden, ist nach nur einem Punkt aus drei Spielen Zählbares wichtig. Gut möglich ist, dass sie das Highlight in der Allianz Arena schon in den Köpfen gehabt haben.

Die Leistung der Grazer soll das keinesfalls schmälern. Sie erkämpften sich den dritten Saisonsieg mit einem mutigen und aggressiven Spiel von Beginn an. „Wir haben uns den Sieg hier zugetraut, das ist in der Herangehensweise enorm wichtig“, betonte Sturm-Trainer Christian Ilzer. Auf dem Platz setzte sein Team den Matchplan perfekt um. „Es war wichtig, dass wir sehr mutig aufgetreten sind, Salzburg permanent unter Druck gesetzt haben. In der zweiten Halbzeit haben wir dann die Räume in der Offensive perfekt ausgenützt“, resümierte der 43-jährige Steirer.

Ein Vorteil war auch die lange Vorbereitungszeit. Aufgrund der Absagen des Cup-Achtelfinales gegen Wacker Innsbruck und des Ligaduells beim WAC hatten die Grazer eine fast dreiwöchige Spielpause. Nun kletterten sie in der Tabelle auf Rang vier, der Rückstand auf Salzburg wurde auf sieben Zähler verringert. „Wir schauen, da vorne dranzubleiben, gute Leistungen zu bringen, und dann wird man sehen, was herauskommt“, wollte Doppel-Torschütze Jakob Jantscher keine großen Sprüche klopfen. Die Formkurve zeigt deutlich nach oben, alle drei Saisonsiege wurden in den jüngsten vier Runden geholt.

„Sicher ist eine Entwicklung erkennbar, wir haben in den letzten Wochen vieles gut umgesetzt. Das ist harte Arbeit, es ist schön, wenn es dann so zurückkommt“, sagte der 31-Jährige. Auswärts ist man auch nach der vierten Partie unbesiegt. Nun folgt ein Heim-Doppel, nach dem Cup-Nachtrag am Dienstag geht es am Samstag gegen die WSG Tirol. „Es ist ein wunderschöner Abend, den wir so schnell nicht vergessen. Solche Erlebnisse sind extrem wertvoll“, hoffte Ilzer darauf, dass seine „Jungs“ den Schwung mitnehmen.


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