Wetterdaten als Ladenhüter wegen geschlossener Bergbahnen

Nicht nur wegen hoher Temperaturen ist der Herbst für Meteorologen außergewöhnlich.

„Normalerweise würden wir jetzt die Bergbahnen beraten“, sagt Manfred Bauer von der ZAMG. Heuer ist alles anders. (Symbolfoto)
© TT/Thomas Böhm

Innsbruck – Ein großteils warmer September, ein Oktober, in dem es abwechselnd zu warm oder auch zu kalt für die Jahreszeit war, und ein November, der bisher in den Tälern eher freundlich und sonnig verlief und es in den nächsten Tagen auch bleiben wird: Der bisherige Herbst war insgesamt wieder dem Klimawandel entsprechend mild, nur in höheren Lagen fiel Schnee.

Wirklich anders an diesem Herbst ist aber, dass die Mitarbeiter der Zentralanstalt für Meteorologie (ZAMG) in Tirol nicht wie gewöhnlich ihre Prognosen an die Liftbetreiber überall im Land weitergeben. „Normalerweise würden wir jetzt die Bergbahnen beraten“, sagt Manfred Bauer, Leiter des ZAMG-Teams für Tirol und Vorarlberg. Die Daten werden benötigt, um abzuschätzen, ob es zum Beispiel für eine künstliche Beschneiung schon kalt genug ist oder ob starke Windböen einen Liftbetrieb beeinträchtigen könnten – auch um zu verhindern, dass Skifahrer auf Sesselliften oder in Gondeln in Gefahr geraten. Da die Bergbahnen Corona-bedingt geschlossen sind, wird dieser Service derzeit nicht wie sonst in Anspruch genommen.

Auch der Lawinenwarndienst bezieht die Wetterdaten vom ZAMG. Viele Hotels haben eine eigene Wetterseite, manche betreiben sie auch in Zeiten des Lockdowns. Die Informationen dafür kommen ebenfalls von der Wetterdienststelle in Tirol, informiert Bauer. Die Meteorologen liefern ihre Prognosen außerdem an große Websites und Provider weltweit, viele werden automatisch erstellt, andere von den Mitarbeitern eigens und auch auf Anfrage berechnet. Eine Erweiterung des Service ist bereits geplant, so sollen die Vorhersagen von sechs Stunden auf drei Stunden reduziert werden.

Anders als in den heimischen Skigebieten, wo alles auf die weitere Entwicklung und eine mögliche Öffnung wartet, sind Wanderer und Bergsteiger weiterhin an aktuellen Bergwetter-Vorhersagen für ihre nächsten Touren interessiert. Die große Frage bisheriger Jahre, ob und wann endlich genug Schnee zum Skifahren fällt, hat für Skifahrer, ausgenommen Tourengeher, heuer weniger Bedeutung – bisher jedenfalls. (ms)


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