Wer die USA zurück auf die Weltbühne führen soll

Joe Bidens Team signalisiert eine radikale Abkehr von Donald Trumps Politik. Ex-Außenminister Kerry kehrt als Klimabeauftragter zurück.

Antony Blinken soll unter Joe Biden das Außenministerium übernehmen.
© AFP

Washington – Der designierte US-Präsident Joe Biden arbeitet daran, Schlüsselpositionen seiner künftigen Regierung zu besetzen. Die bisher bekannt gewordenen Namen signalisieren eine Abkehr von der „America first“-Politik des scheidenden Präsidenten Donald Trump. Außenminister wird Bidens Berater Antony Blinken, bestätigt das Team des gewählten Präsidenten. Auch John Kerry kehrt zurück: Er war Außenminister in der zweiten Amtszeit von Präsident Barack Obama. Biden will ihn zum Sonderbeauftragten für das Klima machen.

Den Job des Nationalen Sicherheitsberaters im Weißen Haus soll Jake Sullivan übernehmen. UNO-Botschafterin im Kabinettsrang wird Lind­a Thomas-Greenfield. Mit Alejandr­o Mayorkas macht Biden zudem erstmals einen Hispano-Amerikaner zum Heimatschutzminister.

Regierungsmitglieder müssen allerdings noch vom Senat bestätigt werden, in dem womöglich die Republikaner die Mehrheit haben werden.

Antony Blinken (58) arbeitete in diversen Funktionen in den außenpolitischen Teams der Präsidenten Clinton und Obama, unter anderem als Vize-Außenminister. Er gilt als Weggefährte von Biden und fungierte oft als dessen Stimme in außenpolitischen Fragen.

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Sein Credo formulierte er im Juli so: „Für die großen Probleme, vor denen wir als Land stehen – ob es der Klimawandel ist, eine Pandemie oder die Verbreitung übler Waffen –, gibt es keine unilateralen Lösungen. Selbst ein Land, das so mächtig ist wie die Vereinigten Staaten, kann sie nicht alleine anpacken“, zitierte ihn die New York Times. Europa, wo Blinken zum Teil aufgewachsen ist, sei dabei der erste Partner.

John Kerry (76) war von Jänner 2013 bis Jänner 2017 Außenminister. Er war in dieser Funktion auch maßgeblich verantwortlich für den Atomdeal mit dem Iran, der in Wien verhandelt wurde. Seit dem Dezember des Vorjahres engagiert er sich mit anderen Prominenten gegen den Klimawandel.

Jake Sullivan gilt als Freund von Blinken und teilt dessen Weltsicht. Er diente während der Obama-Jahre u. a. als Direktor für politische Planung und Vize-Stabschef im Außenministerium. In den vergangenen Monaten leitete er ein Thinktank-Projekt, in dem es darum ging, die US-Außenpolitik anhand der Bedürfnisse der amerikanischen Mittelklasse neu zu denken. Mit 43 Jahren wäre er der jüngste Sicherheitsberater seit Mitte des vorigen Jahrhunderts.

Linda Thomas-Greenfield (68) blickt auf eine Laufbahn als Berufsdiplomatin zurück. Unter anderem war sie Generaldirektorin des Auswärtigen Dienstes, Leiterin der Personalabteilung und Abteilungsleiterin für afrikanische Angelegenheiten. Die Afroamerikanerin Thomas-Greenfield wuchs noch zur Zeit der Rassentrennung im Südstaat Louisiana auf. 2019 beschrieb sie in einer Rede, dass der Ku-Klux-Klan damals regelmäßig Kreuze in jemandes Garten abgebrannt habe.

Alejandro Mayorkas (61) war unter Obama stellvertretender Heimatschutzminister. Zuvor leitete der Jurist die Einwanderungsbehörde.

Während Biden bereits an seiner Regierung bastelt, kämpft Trump weiterhin gegen das Wahlergebnis. Doch die Zeit, Belege für den angeblichen Wahlbetrug vorzulegen, läuft langsam ab. Mehrere entscheidende Bundesstaaten standen am Montag offenbar kurz davor, ihre Resultate zu zertifizieren.

Zugleich mehren sich Aufrufe aus der republikanischen Partei an Trump, die Niederlage einzugestehen. Ex-Gouverneur Chris Christie, der den Präsidenten im Wahlkampf unterstützt hatte, nannte das Verhalten von Trumps Anwälten eine „nationale Peinlichkeit“. Senator Pat Toomey aus dem besonders umkämpften Pennsylvania erklärte, Trump habe alle juristischen Optionen ausgeschöpft. Er gratulierte Biden und dessen Vize Kamala Harris. (floo, TT)


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