Befristeter Baustopp angedacht: Kematen will Wohnbau einbremsen

Der Kemater Gemeinderat überlegt, einen befristeten Baustopp für größere Wohnbauprojekte durchzusetzen, um so das Heft in der Hand zu behalten.

Mit den bereits genehmigten bzw. in Bau befindlichen Wohnbauprojekten möchte die Gemeinde Kematen vorerst das Auslangen finden.
© Domanig

Kematen – Morgen Freitag dürfte der Kemater Gemeinderat einen richtungsweisenden Grundsatzbeschluss fassen – und künftig bei größeren Wohnbauvorhaben in der rasch wachsenden Gemeinde auf die Bremse steigen.

„In meiner Ägide wurde stets die Hälfte der Wohnungen nach den Wohnbauförderrichtlinien gebaut, 90 % der vergebenen Einheiten gingen an Kemater“, schickt BM Rudolf Häusler (Unser Kematen/ÖVP) voraus. Man habe den Bedarf in Kematen erfüllt. Aktuell gebe es aber bereits drei weitere große Baugrundstücke, insgesamt drei Hektar, auf denen Bauträger aktiv werden wollen. Hier gelte es, „innezuhalten“, daher sei geplant, bei gewidmeten Baugrundstücken über 1000 m2 eine „partielle Nachdenkpause“ von gut einem Jahr einzulegen. Er persönlich vertrete hier zwar einen etwas anderen Zugang, ordne sich aber seiner ÖVP-Mehrheitsliste unter.

„Wir sind der Meinung, dass wir mit den schon genehmigten Projekten das Auslangen finden“, erklärt Häuslers Fraktionskollege, Vize-BM Klaus Gritsch, „zu diesen stehen wir selbstverständlich auch.“ Es gehe aber um zukünftige Projekte: „So ein schnelles Wachstum schaffen wir nicht“, die Infrastruktur – von Wasser und Kanal bis zur Kinderbetreuung, wo man besonders aktiv sei – „wächst uns sonst über den Kopf“. Ob der temporäre Baustopp explizit als solcher formuliert oder über die Bebauungspläne geregelt wird, die in Kematen bei Grundstücken über 1000 m2 bzw. bei größeren Wohnbauvorhaben ohnehin verpflichtend sind, sei noch zu klären. Man haben einen Rechtsanwalt beauftragt, „eine rechtlich fundierte Formulierung zu finden“, so Häusler.

Zeitlich begrenzter Baustopp für Wohnbauprojekte mit mehr als drei Einheiten

Laut Gritsch geht es in Folge vor allem darum, „die weitere Entwicklung in geordnete Bahnen zu bringen“ – er sehe das als Aufgabe des nächsten Gemeinderates. „Wir sind eine Landgemeinde und keine Stadt – das soll so bleiben.“

Das sieht die Oppositionsliste „Gemeinsam Unabhängig für Kematen“ genauso: Sie bringt morgen einen Antrag zum selben Thema ein und schlägt darin einen zeitlich begrenzten Baustopp für Wohnbauprojekte mit mehr als drei Einheiten vor. Auch danach sollten Projekte ab dieser Größe nur genehmigt werden, wenn schon im Vorhinein verbindliche Miet- bzw. Kaufverträge mit Kematern vorliegen, erklärt GV Manfred Jordan. „Wir müssen zuerst abbremsen und die Verschnaufpause dann für eine geordnete, klare, gesamthafte Entwicklung nützen.“ Wichtig sei dabei, den „wirklichen Wohnbedarf in Kematen“ zu erheben: Bei jüngsten Projekten habe man für einige Wohnungen gar keine Kemater Wohnungswerber mehr gefunden. (md)


Kommentieren


Schlagworte